Splashpages  Home Movies  Rezensionen  Rezension  Glaubensfrage
Partner von Entertain Web
http://www.splashmovies.de/php/images/spacer.gif
Das TodesspielEine ganz heiße NummerDas Haus der Geheimnisse

In der Datenbank befinden sich derzeit 3.897 Rezensionen. Alle Rezensionen anzeigen...

DVD-Besprechung - Glaubensfrage

Story:
Schwester Aloysius Beauvier (Meryl Streep) ist im Jahr 1964 die gestrenge und konservative Leiterin der katholischen St. Nicholas-Grundschule in der Bronx. Der neue Priester der Gemeinde, Pater Flynn (Philip Seymour Hoffman), vertritt hingegen modernere Ansätze und pflegt ein kumpelhaftes Auftreten gegenüber seinen jugendlichen Schutzbefohlenen. Gerade das besonders innige Verhältnis zu Donald Miller (Joseph Foster), dem ersten schwarzen Schüler an der St. Nicholas überhaupt, sorgt jedoch bei Schwester Aloysius für schwere Irritationen. Als schließlich Schwester James (Amy Adams) verdächtige Beobachtungen an Beauvier heranträgt, gibt es für diese kein Halten und vor allem keinen Zweifel mehr, Pater Flynn hat Donald verführt. Aus dieser Überzeugung heraus setzt sie eine rücksichtslose Diskreditierungskampagne gegen den Priester in Gang.

Meinung zum Film:
John Patrick Shanley trat als Kinoregisseur bisher nur im Jahr 1990 mit dem wenig beeindruckenden Hanks/Ryan-Vehikel "Joe gegen den Vulkan" in Aktion. Deutlich bekannter ist er jedoch als Drehbuchschreiber für Kinofilme ("Überleben!") und als Mann des Theaters. So basiert auch "Glaubensfrage", bei dem er den Regisseur und Drehbuchautor in Personalunion verkörperte, auf seinem eigenen gleichnamigen Theaterstück "Doubt", das bereits im Jahr 2005 mit dem Pulitzer-Preis für Theater geadelt wurde. So war es wenig verwunderlich, dass diese Adaption für die große Leinwand auch gestandene Charakterdarsteller wie Meryl Streep ("Von Löwen und Lämmern") und Philip Seymour Hoffman ("Capote") auf den Plan rief. Und deren Kalkül ging auch zumindest teilweise auf, denn beide wurden für ihren durchaus eindrucksvollen Auftritt mit einer Oscarnominierung für die beste Hauptrolle belohnt, zum Oscar reichte es dann aber doch nicht ganz.

"Glaubensfrage" ist ein kammerspielartiges Drama, das fast ausschließlich innerhalb der katholischen Schule spielt, und von der Auseinandersetzung der beiden zentralen Charaktere, Aloysius und Flynn, getragen wird. Wichtige Nebencharaktere sind lediglich Donald, dessen Mutter und Schwester James, was sich aber nicht in ihrer Spielzeit spiegelt. "Glaubensfrage" öffnet dabei zunächst ein sehr großes Fass brisanter Themen, sicherlich genug für mehrere Filme, ohne dass jedoch eines davon wirklich konsequent und tiefgründig behandelt würde. Das sind im Detail der Konflikt zwischen dogmatischen Glaubensgrundsätzen und einer menschlicheren, aufgeklärteren Religionsausübung, die Problematik der Rassendiskriminierung der schwarzen Bevölkerung, sowie die sexuellen Übergriffe katholischer Priester auf ihre Klosterschüler. Der unpassende deutsche Titel führt den Zuschauer jedoch auf eine völlig falsche Fährte, da trifft es der Originaltitel "Doubt", sinngemäß "Zweifel", deutlich besser. Denn alle diese Themen sind nur das Mittel zum Zweck für ein den Zuschauer einbeziehendes Verwirrspiel, anlässlich dessen der Regisseur, eher im Stil eines Thrillers, Zweifel an der Schuldfrage aufwerfen möchte. Die Vorgehensweise ist jedoch keineswegs überzeugend, denn es mangelt dem Film, inhaltlich und handwerklich, an echter Subtilität. Bereits die Charakterzeichnung von Flynn und Beauvier strotzt vor Klischees und letztere wirkt in ihrer vogelscheuchenhaften Kluft wie ein Relikt vergangener Zeiten. Viel schlimmer ist es jedoch, auf welch plakativ-prätentiöse Art die beiden Hauptpersonen lange Zeit dem Zuschauer präsentiert werden. So bläst Beauvier fortwährend ein wechselhafter Wind ins Gesicht, der Veränderungen repräsentiert. Flynn hingegen wird bewusst ein Schuss homosexuellen Klischeeverhaltens untergeschoben, hier ein Hüftschwung beim Sportunterricht, dort die "tuntenhaft" langen Fingernägel, die stets in den Fokus der Kamera gerückt werden. Irgendwann vollzieht sich im Film jedoch eine manipulative Wende, denn Flynn zeigt Schwäche, könnte also doch etwas zu verbergen haben, während Beauvier plötzlich menschlichere Züge annimmt und bei aller Härte doch ernsthafte Sorgen bezüglich ihrer Schüler entwickelt.

Die Darstellung der Figuren durch Streep und Hoffman zeugt auf jeden Fall von deren schauspielerischer Finesse, wirkt jedoch angesichts der eindimensionalen Figuren eher verschwendet. Während die ersten 30 Minuten des Films noch recht flüssig verlaufen, wird das Drehbuch im Anschluß stetig zäher und ärgert mit vielen unlogischen Passagen. Beispielsweise bleibt die Hierarchie innerhalb der katholischen Kirche völlig außen vor. Beauvier ist Flynn unterstellt, der außerdem das Ansehen seiner Vorgesetzten genießt, trotzdem geht sie offen und ohne jegliches Fingerspitzengefühl gegen ihn vor, natürlich ohne jegliche Konsequenzen. Leider fallen auch die zu spärlichen Psycho-Duelle der beiden Hauptfiguren enttäuschend aus. Die Dialoge sind wenig feinfühlig inszeniert, zudem blockt Flynn die erste Konfrontation einfach ab, während er bei der zweiten urplötzlich in sich zusammenbricht. Diese Elaboration lässt wenig Raum für einen packenden Zweikampf des Intellekts und der Emotionen.

Digitale Aufarbeitung:
Die DVD präsentiert sich technisch, wie es von einem aktuellen Kinofilm zu erwarten ist. Die Bildschärfe ist überzeugend ausgefallen, der Kontrast wirkt stets ausgewogen und die Farbgebung ist, trotz des eher zurückhaltenden Farbspektrums, angenehm kräftig ausgefallen. Wirkliche Schwächen bei der Bildqualität sind nicht auszumachen. Hinsichtlich der Tonspuren leistet sich die DVD ebenfalls keinen Ausrutscher, allerdings dürfen bei diesem ruhig angelegten Drama, naturgemäß keine klangtechnischen Wunder erwartet werden. Die Dialoge sind aber stets gut verständlich und auch die Musikuntermalung wird effektiv eingebunden.

Der deutsch untertitelte Audiokommentar von Shanley selbst kann nicht wirklich überzeugen, da hier eigentlich ausschließlich die autobiographischen Züge seiner Verfilmung thematisiert werden, wobei Shanley regelrecht in nostalgischen Kindheitserinnerungen versinkt. Die Features "Von der Bühne auf die Leinwand" (18:22), "Die Besetzung von Glaubensfrage" (13:52), "Die Filmmusik von Glaubensfrage" (4:28) und "Die barmherzigen Schwestern" (6:13) sind für sich gesehen auch eher Stückwerk und wären besser mit Hilfe angereicherter Informationen zu einem ordentlichen Making Of ausgebaut worden. Weiterhin besitzt die DVD kein Wendecover.

Fazit:
"Glaubensfrage" ist im Zentrum ein wenig subtiles Spiel mit den Zuschauern, das gleichzeitig als Mittel und Zweck Zweifel, bezüglich der Schuld sowie der Motive der Hauptcharaktere, aussäht, nur um sich letztendlich vor einer Auflösung zu drücken. Im Hinblick auf die erwähnten, nur unzureichend angeschnittenen, vielschichtigen Themen läßt das Werk außerdem sowohl Pfiff als auch Brisanz vermissen. Der Weg zum unbefriedigenden Ende wird weiterhin durch eine überladen-symbolische Bildsprache, viele logische Ungereimtheiten, zunehmend trist erscheinende Spielorte, die den Effekt des zähen Drehbuchs negativ verstärken, und auch durch ziemlich eindimensionale, kaum ausgearbeitete Charaktere nicht wirklich gangbarer.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
1,85:1
1,85:1
99:44 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englische Audiodeskription
für Sehbehinderte

Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Italienisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Türkisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Italienisch, Kroatisch, Serbokratisch, Slowenisch, Türkisch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar mit John Patrick Shanley
  • "Von der Bühne auf die Leinwand"
  • "Die Besetzung von Glaubensfrage"
  • "Die Filmmusik von Glaubensfrage"
  • "Die barmherzigen Schwestern"
Glaubensfrage - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Glaubensfrage
Doubt

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Dieses Kammerspiel säht mehr Zweifel als beabsichtigt, nämlich auch hinsichtlich seiner filmischen Qualität


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2008
Regie:
John Patrick Shanley
Drehbuch:
John Patrick Shanley
Darsteller:
Meryl Streep, Philip Seymour Hoffman, Amy Adams, Viola Davis, Joseph Foster

Label Deutschland :
Buena Vista Home Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
16.07.2008