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DVD-Besprechung - Fidel Castro - Das Ende einer Ära
Story:
Fidel Castro, der "Máximo Líder", von seinen Bewunderen glühend verehrt und von seinen Gegnern mindestens ebenso innig gehasst, war von 1959 bis 2008 kubanisches Staatsoberhaupt und oberster Revolutionsführer. Mit seiner "Bewegung des 26. Juli" war er im Jahr 1959 die treibende Kraft hinter dem Sturz des lange Zeit von den USA gestützten, kubanischen Diktators Fulgencio Batista. Statt der versprochenen freien Wahlen folgte für die kubanische Bevölkerung jedoch eine beinahe 50-jährige Herrschaft Castros mit eiserner Hand, der wie sein Vorgänger keinerlei Opposition duldete und zur Festigung seiner Machtbasis auch nicht vor schweren Menschenrechtsverletzungen zurückschreckte. Legendär ist seine Opposition zu den USA, die spätestens seit ihrer gescheiterten Invasion in der Schweinebucht im Jahr 1961 zu seinem Feindbild Nr. 1 mutierten und fortan ständig neue Attentatsversuche gegen seine Person in Gang setzten. Der Name Fidel Castro steht jedoch beispielsweise auch für fortschrittliche Reformen, besonders im Gesundheits- und Bildungswesen, oder für internationalistische Interventionen und humanitäre Hilfsaktionen in der Dritten Welt.
Meinung zum Film:
"Fidel Castro - Das Ende einer Ära" ist ein Dokumentarfilm aus dem Jahr 2005, der ursprünglich innerhalb der seit 1988 existierenden Reihe "American Experience", des US-Fernsehsenders "WGBH", ausgestrahlt wurde, die mittlerweile 256 Folgen umfaßt. Zu dieser Filmreihe steuerte die in Kuba geborene Regisseurin Adriana Bosch bereits zuvor Biographien einiger US-Präsidenten, wie Jimmy Carter und Ronald Reagan, bei.
Der vorliegende Dokumentarfilm besteht zum einen aus aktuellen Zeitzeugen-Interviews, zum anderen aus historischem Archivmaterial. Ganz klassisch nähert sich der Film zunächst über biographische Details, von Geburt an, der Persönlichkeit Fidel Castro. Im Mittelpunkt der Dokumentation steht zunächst vor allem sein revolutionärer Kampf, später dann seine Regierungszeit bis zum Ende der 60er-Jahre. Diese Elemente machen dann auch deutlich über 80 Minuten der Laufzeit aus, dementsprechend knapp und wenig überzeugend werden die weiteren Jahre seiner Herrschaft, bis ins 21. Jahrhundert, dargestellt. Zudem endet die Dokumentation aufgrund ihrer weiter zurückliegenden Entstehung, trotz ihres irreführenden Titels, deutlich vor dem offiziellen Rücktritt des schwer kranken Fidel Castro am 19. Februar 2008. Hinsichtlich der dargestellten Fakten und des effektiv montierten Archivmaterials zeigt sich die Dokumentation insgesamt aber trotzdem durchaus sattelfest und sehenswert. Hinsichtlich der Objektivität bleibt aber ein deutliches "Gschmäckle", wie der Schwabe sagen würde. Adriana Bosch macht kein Geheimnis daraus, dass sie selbst von der Herrschaft Castros, bzw. den Ergebnissen der Revolution schwer enttäuscht wurde. Dementsprechend präsentiert sich auch die Dokumentation. Unter den aufgefahrenen Zeitzeugen befindet sich kein beispielsweise kein einziger Fürsprecher Castros, vielmehr handelt es sich hier vor allem um enttäuschte, ehemalige Weggefährten, Exilkubaner, Ex-CIA-Personal oder amerikanische Diplomaten, als etwas neutralere Stimmen sind bestenfalls einige amerikanische Akademiker zu nennen. Auch hinsichtlich der Gewichtung der Fakten präsentiert sich die Dokumentation als vorbelastet. Wichtige Reformen Castros, gerade auch zu Gunsten der ärmeren Bevölkerung, werden kaum erwähnt. Großprojekte seinerseits, z.B. in der Landwirtschaft, werden pauschal als Werk eines größenwahnsinnigen Spinners abgetan. Zudem wird die unrühmliche Rolle der USA, beispielsweise im Hinblick auf ihre Unterstützung für Batista, oder hinsichtlich der offenen Invasion in der Schweinebucht, als offensichtliche Grundlagen für Castros Feindschaft, doch ziemlich zurückhaltend dargestellt.
Ansonsten hat die Dokumentation keine weiteren wirklich großen Schwächen und bietet einen relativ umfassenden, durchaus interessanten Überblick. Ein paar kleine handwerkliche und inhaltliche Kritikpunkte sind aber durchaus noch vorhanden. So werden beispielsweise Castros Reden im Originalton, jedoch ohne Untertitel, präsentiert. Somit erhält man zwar einen Eindruck seines Charismas und seiner Wirkung auf die Zuhörer, die Inhalte bleiben aber weitgehend auf der Strecke. Inhaltlich sehr knapp sind zudem die Darstellung seiner militärischen Taktiken und Erfolge im revolutionären Kampf sowie das Verhältnis zu seinem legendären Weggefährten, Che Guevara, das fast gar nicht erörtert wird, ausgefallen.
Digitale Aufarbeitung:
Der vorliegende Dokumentarfilm besteht aus aktuellen Interviews mit Zeitzeugen sowie Archivmaterial, das hinsichtlich seines Alters und Zustandes deutliche Unterschiede aufweist. Die Interviews bieten eine gute Bildqualität, wie es von einer relativ neuen Dokumentation erwartet werden kann. Gerade das ältere S/W-Material weist aber deutliche Defekte auf und bietet häufiger eine nicht sonderlich gute Bildqualität, was jedoch in der Quellenlage begründet liegt. Zur optischen Illustrierung der geschilderten Vorgänge ist das Filmmaterial aber ausreichend aussagekräftig. Das neuere, farbige Archivmaterial bietet zudem eine deutlich bessere Bildqualität. Die Dokumentation liegt wahlweise im englischen Originalton oder in der professionellen deutschen Sprachfassung vor. Die fremdsprachigen Interviewpassagen werden in der deutschen Fassung im Voice-over-Verfahren übersetzt. Beide Tonspuren bieten zu jeder Zeit eine gute Verständlichkeit.
Leider enthält die DVD keinerlei Bonusmaterial. Zudem wird das DVD-Cover von einem dicken FSK-Flatschen verunziert. Unverständlicherweise gibt es jedoch kein Wendecover, obwohl die Rückseite des Covers eh schon bedruckt wurde, nämlich mit einem Konterfei des "paffenden" Fidel Castro.
Fazit:
"Fidel Castro - Das Ende einer Ära" bietet einen interessanten Einblick in Teile des Phänomens Fidel Castro, hat seine Stärken aber vor allem hinsichtlich der frühen, revolutionären Jahre, die ausführlich dargestellt werden. Hinsichtlich der Neutralität und Gewichtung der Fakten ergibt sich jedoch bei dieser Dokumentation ein etwas schiefes Bild, weshalb die vorliegende Darstellung mit etwas Vorsicht genossen werden sollte. Ist man sich dieser Tatsache aber im voraus bewusst, gibt der Dokumentarfilm gerade Einsteigern in die Materie einen durchaus brauchbaren Überblick. Technisch kann die DVD voll überzeugen, Bonusmaterial gibt es aber leider keines.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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108:26 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 | Englisch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine Untertitel vorhanden. |
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Bonusmaterial:
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Fidel Castro - Das Ende einer Ära
The American Experience: Fidel Castro
Der oberste Revolutionsführer gibt sich die Ehre
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2005 Regie: Adriana Bosch, M. Pink Christofalo Drehbuch: Adriana Bosch
Label :
edel motion
Verkaufsstart : 24.07.2009
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