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DVD-Besprechung - Der Satan mit den langen Wimpern

Story:
 Janet Freeman (Jennie Linden) wurde als kleines Kind Zeuge des Mordes an ihrem Vater. Das daraus resultierende Trauma wurde noch durch die Identität des Täters verstärkt, denn es war niemand anderes als ihre geistig verwirrte Mutter. Janet lebt mittlerweile in einem Internat, die Schatten der Vergangenheit lassen sie jedoch auch hier nicht los. Sie wird von Albträumen gequält und ihre schlimmste Angst ist es, irgendwann der gleichen geistigen Umnachtung anheim zu fallen wie ihre Mutter. In einer besonders schlimmen Phase verlässt Janet das Internat und kehrt freudig erregt in ihr Elternhaus zurück. Doch diese Euphorie währt nicht lange und wandelt sich bereits nach kurzer Zeit in tiefste Verzweiflung, denn die Symptome des geistigen Verfalls gewinnen zunehmend an Intensität.

Meinung zum Film:
Der völlig unpassende deutsche Titel, "Der Satan mit den langen Wimpern", könnte in Verbindung mit dem Herkunftsort dieser Produktion, den "berühmten" englischen Hammer Studios, suggerieren, es würde sich hier um einen klassischen britischen Horrorfilm handeln. Dem ist jedoch nicht so. Vielmehr handelt es sich um einen Psychothriller der alten Schule, dessen englischer Originaltitel "Nightmare", also "Albtraum", den Kern der Sache schon deutlich besser trifft, und ist artverwandt mit anderen Inhouse-Produktionen wie "Haus des Grauens" (1963) oder "Hysteria" (1965). Alle drei Filme entstanden übrigens unter der Regie von Freddie Francis ("Die Todeskarten des Dr. Schreck") und nach den Drehbüchern von Jimmy Sangster ("XX...Unbekannt"). Hinsichtlich der Besetzung vermisst der geneigte Hammer-Freund allerdings wirklich bekannte Gesichter. Die drei Hauptdarsteller Jennie Linden ("Dr. Who and the Daleks"), David Knight ("Täter unbekannt") und Moira Redmond ("Ein Schuss im Dunkeln") waren vorwiegend aus dem Theater bekannt und letztendlich durchlief keiner der drei eine wirkliche Filmkarriere.  

"Der Satan mit den langen Wimpern" orientiert sich inhaltlich stark an Genreklassikern wie "Wiegenlied für eine Leiche" und setzt vor allem auf eine dichte Atmosphäre. Kameramann John Wilcox ("Frankensteins Ungeheuer") leistet ganze Arbeit und entwirft hier einen äußerst düsteren, beklemmenden Thriller, bei dem hinter jedem Schatten bereits der Wahnsinn lauern könnte. Allerdings wirkt nicht alles an dieser Produktion so rundum gelungen wie die durchaus mitreißende Inszenierung. Der Film zerfällt grundsätzlich in zwei Hälften. In der ersten Hälfte, die etwa bis zur 42. Minute dauert, wird der Zuschauer Zeuge, wie Janet ihrer Mutter immer ähnlicher wird. Danach treten der Anwalt Henry Baxter (David Knight) und Janets Krankenpflegerin Grace Maddox (Moira Redmond) in den Mittelpunkt. Obwohl diese zweite Hälfte inhaltlich natürlich an die vorherigen Geschehnisse anschließt, wirkt dieser Perspektivenwechsel beinahe wie der Sprung in einen anderen Film. Die Besetzung der minderjährigen Janet mit Jennie Linden muss allerdings leider eher als Fehlgriff betrachtet werden. Zum einen nimmt man ihr das Alter nicht ab, sie war während der Dreharbeiten auch bereits 23 Jahre, zum anderen ergeht sich ihr überbordendes Temperament in überzogenem Overacting, was angesichts der stilsicheren Inszenierung ziemlich fehl am Platze wirkt.  

  Glücklicherweise ist man aber in der zweiten Hälfte darstellerisch auf der sicheren Seite. Die zweite große Schwäche des Films ist die Vorhersehbarkeit des Drehbuchs, wobei das nicht zwingend logische Brüche negiert. Freunde des gepflegten Psychothrillers wissen hier höchstwahrscheinlich recht schnell, wie der Hase läuft, was aber glücklicherweise durch die dichte Inszenierung und die düstere Atmosphäre des Films wieder aufgefangen wird. Schockelemente werden zwar eher zurückhaltend eingebaut, aber eben auch effektiv ausgespielt. So hat dann beispielsweise einer der fleischlich gewordenen Albträume Janets, eine dunkelhaarige Frau mit auffälliger Narbe, durchaus eine verstörende Wirkung auf den Zuschauer. Die Wahl des Herrenhauses der Freemans als dominierendem Spielort bürgt außerdem für eine ausweglos-klaustrophobische Erfahrung und verstärkt die realen und eingebildeten Zwänge, denen alle Hauptfiguren der Geschichte unterliegen.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild dieses Schwarz-Weiß-Films, im Original-Widescreenformat 2,55:1, wurde digital remastered und sieht dementsprechend für ein 44 Jahre altes Werk hervorragend aus. Die Schärfe und der Kontrast bewegen sich auf einem hohen Level, die Kompression bietet keinen Anlass zur Klage und Beschädigungen oder Verschmutzungen der Vorlage sind die absolute Ausnahme. Auch Bildrauschen ist nur in einem zu vernachässigenden Maße vorhanden. Die deutsche Tonspur klingt erstaunlich klar aus den Lautsprechern und garantiert zu jeder Zeit eine einwandfreie Verständlichkeit. Die englische Tonspur ist ebenfalls gut verständlich, klingt aber deutlich verzerrter. Untertitel gibt es leider keine.

Im Bonusbereich der DVD befinden sich lediglich der amerikanische Kinotrailer, in deutlich schlechterer Bildqualität als der Hauptfilm, und eine Bildergalerie mit seltenem Werbematerial. Der DVD liegt aber außerdem noch ein interessantes, 16-seitiges Booklet mit Hintergrundinformationen zum Film bei, dessen Textteil allerdings lediglich aus fünf Seiten besteht. Die Amaray-Hülle der DVD befindet sich in einem ansprechend nostalgisch gestalteten, flatschenfreien Schuber.

Fazit:
"Der Satan mit den langen Wimpern" ist zwar ein hirnrissiger Titel, bei dem Films handelt es sich jedoch um einen überdurchschnittlichen Psychothriller klassischer Machart, den man Genrefreunden durchaus ans Herz legen kann. Darstellerische und drehbuchtechnische Schwächen werden durch die düstere Atmosphäre und die verdichtete, klaustrophobische Inszenierung kompensiert. Technisch ist die DVD absolut gelungen und die Veröffentlichung wird auch optisch stimmungsvoll präsentiert.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,40:1
2,40:1
78:59 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • US-Kinotrailer
  • Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
  • 16-seitiges Booklet
Der Satan mit den langen Wimpern - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Der Satan mit den langen Wimpern
Nightmare

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Klassischer Psychothriller aus den Hammer Studios in technisch vorbildlicher Qualität


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien, 1964
Regie:
Freddie Francis
Drehbuch:
Jimmy Sangster
Darsteller:
Jenny Linden, David Knight, Moira Redmond, Brenda Bruce, George A. Cooper, Irene Richmond

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
10.07.2009