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DVD-Besprechung - Die Perlmutterfarbe

Story:
 Maulwurf (Dominik Nowak) ist ein kleiner Erfinder, und um einen Malwettbewerb zu gewinnen, erfindet er eine sehr sehenswerte Farbe, die Perlmutterfarbe. Vielleicht kann er mit einem Sieg ja auch Lottes (Zoe Mannhart) Gunst gewinnen, um die auch sein bester Freund Alexander (Markus Krojer) buhlt. Durch einen Zufall fällt das Fläschchen mit der Farbe in Alexanders Tornister und die komplette Klasse A des Schuljahrgangs glaubt an einen frevelhaften Diebstahl durch die Schüler der Klasse B. Angestachelt werden sie von einem fanatischen Mitschüler der die Klasse A unter seine Kontrolle bringen will. Alexander traut sich nicht die Wahrheit zu sagen und gerät immer tiefer in eine fiese Lügengeschichte, in der die beiden Klassen immer verfeindeter werden.

Meinung zum Film:
 „Die Perlmutterfarbe“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Anna Maria Jokl, einer österreichischen Jüdin, die 1933 aufgrund der Judenverfolgung ins Exil nach Prag ging. Aber auch hier musste sie fliehen und ihr Weg führte sie nach London, wo sie 1948 den Kinderroman schrieb. Da sie selbst erlebt hat, wie der Nationalsozialismus entstand und welche Mechanismen zu dessen Macht führten, verarbeitete sie diese Erlebnisse und Erkenntnisse in „Die Perlmutterfarbe“. Wer nun glaubt, dass ihn ein Film wie „Die Welle“ erwartet, der sieht sich getäuscht. Der Tenor ist zwar gleich, aber die Art und Weise der Inszenierung bietet dem Publikum deutliche Unterschiede. Hier liegt nun ein echter Kinderfilm vor, der den moralischen Zeigefinger hebt, aber auch lausbübische Situationen im Jahre 1931 zeigt.

  Eine Kleinigkeit ist der Auslöser einer absurden Entwicklung, die an einer kleinen Schule Einkehr hält. Da verschwindet durch einen schrägen Zufall die selbst erfundene Perlmutterfarbe seines Freundes Maulwurf in Alexanders Ranzen und dieser traut sich nicht, dies zuzugeben. Klassenkamerad Gruber kennt Alexanders Geheimnis und nutzt dies schamlos aus. Anstatt das nicht böswillige Ereignis seinem Kumpel zu erklären, verstrickt sich Alexander immer mehr in ein Geflecht aus Lügen. Dadurch gerät ein Schüler aus der Parallelklasse in Diebstahlsverdacht und die Situation heizt sich immer mehr auf. Gruber macht Alexander Druck und schon bald sieht die A-Klasse die B-Klasse nicht nur als Konkurrenten, sondern als Feinde an. Parolen wie „Der Freund unseres Feindes ist unser Feind“ bestimmen den Grundton und es erfolgt eine Radikalisierung, wie man sie aus der Geschichte kennt.  

Marcus H. Rosenmüller konnte mit seinem „Wer früher stirbt ist länger tot“ rund 1,8 Millionen Zuschauer ins Kino locken und zeigte einen sehr bildhaften Inszenierungsstil. Diesen hat er beibehalten und führt sein Publikum in eine vergangene Zeit, in der eine Leckerei vom Bäcker eine große Besonderheit war, für die auch mal locker eine Woche Taschengeld ausgegeben wurde. Beibehalten hat er auch die bayerische Mundart, die aber dieses Mal freundlicherweise nicht so extrem ausgefallen ist. Rosenmüller scheint die Gabe zu haben sich in die Gedanken der Kinder zu versetzen, denn wie seine jungen Schauspieler agieren, so handeln auch heute ganz normale Kinder. Dazu gehört auch der eine wichtige Aspekt der Wahrheit. Hätte Alexander von vornherein die Wahrheit gesagt, dann hätte Gruber nicht so ein leichtes Spiel gehabt. Die Geschichte reißt noch weitere wichtige Themen an, aber das soll der kleine und der große Zuschauer dann schon selbst erkennen. Ansehen können sich den Film Kinder und Erwachsene.

Digitale Aufarbeitung:
Die Farben des Bildes sind realistisch und ausgewogen. Die Bildschärfe ist weitgehend in Ordnung, doch zeitweise ist bei einigen Innenaufnahmen ein Bildrauschen zu erkennen. Der Ton ist gut und passt sich dem Geschehen auf dem Bildschirm an.

Das Making Of mit einer Länge von 20 Minuten ist der Auftakt einer Fülle an Hintergrundinformationen zu dem Hauptfilm. Die Settour, der Spaß beim Dreh und die Dreharbeiten mit den Kids gehören eigentlich mit dazu und ergänzen sich zu einem informativen Ganzen. Die visuellen Effekte werden in einem Extra gesondert beleuchtet und es zeigt sich, dass einiges getrickst wurde. Geschnittene und entfernte Szenen mit einer Spieldauer von knapp 12 Minuten gehören auch zur Sonderausstattung und lassen sich gut ansehen. Weiterhin gibt es Texttafeln mit Darstellerinfos und einen Audiokommentar von dem Produzenten Robert Marciniak und den Darstellern Markus Krojer und Thomas Wittmann.

Fazit:
„Die Perlmutterfarbe“ ist gelungenes Kinderkino mit einem ernsthaften Hintergrund und auch mit den für Regisseur Rosenmüller typischen Lausbubenstreichen. Die technische Umsetzung ist weitgehend gut gelungen und die Extras sind üppig.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
2,35:1
2,35:1
98:48 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial:
  • Making Of
  • Set Tour
  • Spaß am Set
  • Mit den Kids beim Dreh
  • Deleted Scenes & Outtakes
  • Darstellerinfos
  • Audiokommentar
Die Perlmutterfarbe - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Die Perlmutterfarbe
Die Perlmutterfarbe

Bild unseres Mitarbeiters Jörg Hesse
Kinderfilm mit Sinn, Verstand und Streichen


Autor der Besprechung:
Jörg Hesse

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2009
Regie:
Marcus H. Rosenmüller
Drehbuch:
Anna Maria Jokl, Christian Lerch
Darsteller:
Markus Krojer, Zoe Mannhardt, Brigitte Hobmeier, Josef Hader, Thomas Wittmann

Label Deutschland :
Constantin Film
Verkaufsstart Deutschland :
23.07.2009