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Das TodesspielEine ganz heiße NummerDas Haus der Geheimnisse

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DVD-Besprechung - Effi Briest

Story:
Effi von Briest (Julia Jentsch) wird bereits mit gerademal siebzehn Jahren an den 38-jährigen Baron Geert Freiherr von Innstetten (Sebastian Koch) verheiratet. In ihrer neuen Heimat, einem kleinen Ostsee-Küstenort, erwartet die lebensfrohe Effi jedoch ein abwechslungsarmes Leben. Zudem entwickelt sich das neue Heim für die nervlich angegriffene Effi zum Spukhaus, während ihr Mann seinen politischen Ambitionen hinterherjagt und dementsprechend häufig durch Abwesenheit glänzt. In dieser Situation beginnt Effi eine leidenschaftliche Affäre mit dem Frauenschwarm Major von Crampas (Misel Maticevic) und begeht damit eine folgenschwere, gesellschaftliche Todsünde.

Meinung zum Film:
"Effi Briest" basiert auf dem gleichnamigen Romanklassiker Theodor Fontanes aus dem Jahr 1895. Das Werk wird in der Literaturgeschichte dem poetischen Realismus zugerechnet und ist zugleich Gesellschaftsdrama und Sittengemälde vor dem Hintergrund der wilhelminischen Zeit. Es thematisiert das heikle Thema des Ehebruchs in einer sittenstrengen Zeit. Die vorliegende Fassung stellt bereits die fünfte Verfilmung dar. Die erste Adaption für die große Leinwand erfolgte 1939 durch Gustaf Gründgens ("Die Finanzen des Großherzogs"). Am bekanntesten ist allerdings die Verfilmung von Rainer Werner Fassbinder ("Angst essen Seele auf") aus dem Jahr 1974 mit Hanna Schygulla ("Auf der anderen Seite") in der titelgebenden, weiblichen Hauptrolle. Für das Prestigeprojekt einer modernisierten Verfilmung des Romans flossen erwartungsgemäß einige Förrdermittel und ermöglichten letztendlich ein Budget von immerhin 6,5 Millionen Euro. Dementsprechend geben sich hier, selbst in kleineren Rollen, deutsche Stars die Klinke in die Hand. Das Ensemble umfasst in den Hauptrollen Julia Jentsch ("Sophie Scholl - Die letzten Tage"), Sebastian Koch ("Black Book"), Misel Maticevic ("Eine Stadt wird erpresst"), in kleineren Rollen, außerdem Barbara Auer ("Ich bin die Andere"), Rüdiger Vogler ("Die Bleierne Zeit"), Juliane Köhler ("Anonyma - Eine Frau in Berlin"), Thomas Thieme ("Das Leben der Anderen") und Andrè Hennicke ("Der Freie Wille").

  Die Regisseurin Hermine Huntgeburth ("Teufelsbraten") und ihr Drehbuchautor Volker Einrauch ("Das Trio") verstehen ihre Neuverfilmung als zeitgemäße Interpretation mit emanzipatorischer Ausrichtung. Effi Briest wird zu einer modernen Frauenfigur hochstilisiert, die jedoch in ein altmodisches, gesellschaftliches Umfeld projiziert wird. Zur Notwendigkeit der Modernisierung klassischer Romane, die ja immer im Kontext ihrer Zeit gesehen werden müssen, gibt es sicherlich sehr gegensätzliche Ansichten. Zu der vorliegenden Neuinterpretation der literarischen Vorlage kann es aber eigentlich keine zwei Meinungen geben. Der Film schafft es nämlich konsequent, alle Stärken der Vorlage über Bord zu werfen. Die vielschichtigen Charaktere werden auf das wesentlichste reduziert und die ausgeklügelten Figurenkonstellationen werden stark vereinfacht sowie teilweise auch ohne erkennbaren Sinn abgewandelt. Gerade den zentralen, dominanten Fixpunkt der Erzählung, das preußische Wertesystem bzw. dessen gesellschaftliches Konventionsgefüge, bestehend aus Pflicht, Disziplin, Ehre, Gehorsam, Anstand und sittlicher Beherrschung, durch welches das Individuum ja erst in eine Zwangslage jenseits selbstbestimmter, unbeschwerter Lebensgestaltung gerückt wird, vernachlässigt der Film geradezu sträflich. Auch die sprachliche Tiefe und poetische Leichtigkeit der Vorlage sucht man in der Verfilmung vergebens, vielmehr kommunzieren alle Figuren so, als wären Personen der Gegenwart in historische Kostüme gezwängt worden, wobei deren primitive, sprachliche Ausformungen auch nach heutigen Standards fernab des Bildungsbürgertums verortet wären.

Ein Lob kann lediglich den Kostümbildnern und Requisiteuren sowie hinsichtlich der Auswahl der Spielorte ausgesprochen werden. Die Auswahl von Julia Jentsch für die Hauptrolle ist hingegen eine grandiose Fehlbesetzung in mehrfacher Hinsicht. Bereits die Idee, die Figur einer 17-jährigen mit einer Schauspielerin zu besetzen, die bereits die 30er-Grenze überschritten hat, erschließt sich dem Verfasser dieser Zeilen nicht. Das erklärt allerdings zumindest, wieso das innige Verhältnis zur Mutter völlig ausgeblendet, und diese zur Nebenfigur degradiert wird. Denn dieser ist die Film-Effi, bezüglich ihres Alters, somit näher als ihrer eigenen, literarischen Person. In Effis Darstellung ist ferner auch nichts Damenhaftes zu entdecken. Dafür erwecken überflüssige, schwülstige Sexszenen vollends den Eindruck eines schmonzettenhaften Groschenromans, wo sich die Vorlage doch lediglich mit subtilen Andeutungen begnügte.

Digitale Aufarbeitung:
 Die Farbgebung des Films wirkt, wohl beabsichtigt, sehr blass und zurückgenommen, in Verbindung mit den schlecht ausgeleuchteten Innenaufnahmen und der nicht überragenden Bildschärfe, jedoch einen etwas unrunden Eindruck hinterlässt. Zudem wird das Bild auch von einem deutlichen Rauschen begleitet. Die DVD enthält lediglich eine deutsche Tonspur, bei der jedoch die aufdringliche Musikuntermalung und zu laute Umgebungsgeräusche häufiger die Verständlichkeit der Dialoge erschweren. Die angeblichen Untertitel für Hörgeschädigte sind eher unzureichend ausgefallen, ignorieren sie doch diverse Geräusche oder verzichten auf eine Erläuterung des Tonfalls der Dialoge.  

  Auf der DVD befindet sich ein relativ umfangreiches Making Of (28:40), das sich ausführlich mit den Locations, der Interpretation der Figuren sowie der sorgfältigen Rekonstruktion historischer Details beschäftigt. Insgesamt bietet dieses Feature einen durchaus interessanten Blick hinter die Kulissen. Die vier Deleted Scenes (5:57) sind eher entbehrlich ausgefallen. Die "Interviews" mit Julia Jentsch (2:55), Sebastian Koch (2:19), Misel Maticevic (1:33), Thomas Tieme (1:56) und Regisseurin Hermine Huntgeburth (2:28) sind extrem knapp ausgefallen und größtenteils bereits im Making Of enthalten. Die beiden Features "Die Etikette - Arbeit mit den Schauspielern" (2:38) und "Der Geräuschemacher bei der Arbeit" (3:35) sind schlichtweg zu kurz ausgefallen, um einen wirklich bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Die DVD besitzt leider kein Wendecover.

Fazit:
 Die Neuverfilmung von "Effi Briest" negiert gekonnt alle Stärken der literarischen Vorlage und zeugt vor allem vom völligen Unverständnis eben jener. Der emanzipatorische Aspekt des Films, mit Effi als moderner Frauenfigur, verharrt zudem in schlecht ausgearbeiteten Ansätzen und äußert sich nachdrücklich lediglich im komplett abgeänderten, eher fragwürdigen Abschluss der Geschichte. Rein filmisch betrachtet verärgert "Effi Briest" mit seiner oberflächlich-holprigen Erzählweise und lässt sich letztendlich auf ein seichtes Kostümfilmchen voller ausschweifender Landschaftsaufnahmen reduzieren.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
2,35:1
2,35:1
112:37 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Making Of
  • Deleted Scenes
  • Interviews
  • Die Etikette - Arbeit mit den Schauspielern
  • Joern Poetzl - Der Geräuschemacher bei der Arbeit
Effi Briest - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Effi Briest
Effi Briest

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Fontane kann sich leider nicht mehr gegen diese missglückte Neuinterpretation seines Romanklassikers wehren


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2009
Regie:
Hermine Huntgeburth
Drehbuch:
Volker Einrauch (basierend auf einem Roman von Theodor Fontane)
Darsteller:
Julia Jentsch, Sebastian Koch, Juliane Köhler, Misel Maticevic, Barbara Auer, Margarita Broich, Rüdiger Vogler

Label Deutschland :
Constantin Film
Verkaufsstart Deutschland :
23.07.2009