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DVD-Besprechung - Der Vorleser (2-Disc Special Edition)
Story:
Sie ist rätselhaft und viel älter als er ... und sie wird seine erste Leidenschaft. Eines Tages ist Hanna (Kate Winslet) spurlos verschwunden. Erst Jahre später trifft Michael (David Kross / Ralph Fiennes) sie wieder - als Angeklagte im Gerichtssaal. Hier erfährt er von ihrem persönlichen Schicksal und von ihrer grausamen Vergangenheit als KZ-Aufseherin.
Meinung zum Film:
Michael Berg (David Kross, "Krabat") ist gerade 15, als er auf dem Heimweg von der Schule zusammenbricht und sich im Eingang eines Mietshauses übergeben muss. Zufällig kommt gerade eine der Anwohnerinnen (Kate Winslet, "Titanic") vorbei und hilft ihm, indem sie ihn nach Hause bringt. Dort stellt sich heraus, dass er an Scharlach leidet und die nächsten Monate im Bett verbringen muss. Als er seiner Mutter irgendwann von der Frau erzählt, die ihm geholfen hat, besteht sie darauf, dass er - sobald es ihm wieder besser geht - die Dame besucht, um sich bei ihr zu bedanken. Doch aus dem einmaligen Dankesbesuch wird schnell eine stürmische Affäre zwischen dem 15-Jährigen und der viel älteren Hanna, die ihn immer wieder darum bittet, ihr aus den Büchern vorzulesen, die er in der Schule durchnimmt. Immer inniger wird die Beziehung, bis Hanna eines Tages verschwunden ist und Michael nur noch ihre leere Wohnung vorfindet.
Einige Jahre später ... Michael studiert in Berlin Jura und besucht mit seiner Seminarsgruppe einen Prozess, bei dem Aufseherinnen des Konzentrationslagers Auschwitz vor Gericht stehen. Er traut seinen Augen kaum, als er dort auf der Anklagebank seine Jugendliebe Hanna sieht. Im Laufe des Verfahrens kommen immer weitere dramatische und unschöne Details aus Hannas Vergangenheit ans Tageslicht, doch im Gegensatz zu den Mitangeklagten streitet sie keinen der Vorwürfe ab. Als sie schließlich von den anderen ehemaligen Aufseherinnen beschuldigt wird, damals den Befehl gegeben zu haben, die Tore einer in Brand geratenen Scheune, in der man Juden untergebracht hatte, nicht zu öffnen und auch diejenige gewesen zu sein, die den späteren Bericht voller Falschaussagen geschrieben habe, muss Michael eine Entscheidung treffen, die sowohl für sein als auch für Hannas restliches Leben entscheidend sein wird. Denn er weiß etwas von ihr, das sonst niemand weiß ...
Nur selten gelingt es einem deutschen Schriftsteller, einen internationalen Bestseller zu landen. Patrick Süskind schaffte es in den 1980ern mit seinem "Parfum" und Bernhard Schlink in den 90ern mit "Der Vorleser". Der Debütroman des früheren Juristen war auf Anhieb ein weltweiter Erfolg und erreichte sogar den ersten Platz der Bestsellerliste der New York Times. Bereits bei Veröffentlichung sicherte sich der inzwischen verstorbene Produzent Anthony Minghella ("Der englische Patient") die Filmrechte, doch es dauerte über zehn Jahre, bis es "Der Vorleser" schließlich auf die Leinwand schaffte. Minghella wollte ursprünglich sowohl selbst das Drehbuch schreiben als auch Regie führen, fand aber nie die Zeit dazu, bis er sich schließlich entschied, beide Aufgaben abzugeben und lediglich als Produzent zu fungieren. "Der Vorleser" wurde für fünf Oscars nominiert, was wieder einmal beweist, dass sich die Academy doch eher auf Themen als auf filmische Qualität fixiert. Der Film ist sicherlich nicht schlecht, allerdings auch nicht so herausragend, dass er beispielsweise eine Nominierung als "bester Film" verdient hätte. Problematisch ist vor allem die im Vergleich zur Romanvorlage sehr oberflächliche Charakterzeichnung. Zwar sind die Darsteller durchaus überzeugend (und der Oscar für Kate Winslet kam auch nicht wirklich unverdient), doch die Zerrissenheit der Figuren, die sich im Roman so intensiv nachvollziehen lässt, wird im Film kaum spürbar. Die erste Dreiviertelstunde besteht nahezu ausschließlich aus Sexszenen zwischen David Kross und Kate Winslet, die zwar einerseits nötig sind, um die spätere Motivation Michaels zu verstehen, andererseits aber bei einem insgesamt knapp zweistündigen Film im Gesamtbild letztlich viel zu viel Raum einnehmen. Der Gerichtsprozess wirkt hingegen schnell und oberflächlich abgehandelt, was in Anbetracht des doch sehr komplexen Themas etwas unangebracht wirkt. So hält sich der Film zwar - mit Ausnahme einiger Kleinigkeiten - relativ treu an die Buchvorlage, setzt seine Prioritäten aber leider an den falschen Stellen, sodass das Endergebnis nicht in jeder Hinsicht überzeugen kann.
Digitale Aufarbeitung:
Die technische Qualität der DVD ist im oberen guten Bereich anzusiedeln. Das Bild könnte bei der Detailzeichnung etwas schärfer sein, wirkt aber ansonsten klar und sauber und bietet natürliche Farben. Der Ton liegt auf Deutsch und Englisch in Dolby Digital 5.1 vor. Die Dialoge sind jederzeit klar verständlich, genrebedingt bleibt der Sound allerdings recht frontlastig. Die Rears werden lediglich ab und zu für die Hintergrundmusik verwendet.
Als Bonusmaterial gibt es auf der Filmdisc eine Hörfilmfassung sowie einen Audiokommentar des deutschen Produzenten. Letzterer ist zwar ganz interessant, aber leider etwas lahm vorgetragen. Die Bonusdisc enthält diverse weitere Extras. Unter anderem kann man sich zahlreiche entfernte Szenen ansehen, es gibt ein 20-minütiges Making of, Gespräche mit David Kross, Kate Winslet, dem Komponisten der Musik und der Ausstattungsdesignerin sowie einen Blick hinter die Kulissen und Drehorte. Der Trailer zum Film rundet schließlich das recht umfangreiche Bonusmaterial ab.
Fazit:
"Der Vorleser" ist ein handwerklich sicherlich gut inszenierter Film, schafft es aber leider nicht, die Qualität und Intensität der Romanvorlage zu erreichen. Dazu legt das Drehbuch zu oft falsche Prioritäten, die es den Charakteren schwer machen, ihre Handlungen für den Zuschauer im gleichen Umfang mitfühlbar werden zu lassen, wie das beim Roman der Fall ist. Die technische Qualität der DVD bietet hingegen keinen Grund zur Beanstandung und auch das Bonusmaterial ist reichhaltig und interessant ausgefallen.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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119:06 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 | Hörfilm-Fassung Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Audiokommentar des Produzenten
- Entfernte Szenen
- Making of
- Gespräch zwischen Stephen Daldry und David Kross
- Kate Winslet über die Kunst des Alterns
- Porträt des Komponisten Nico Muhly
- Ausstattungsdesignerin Brigitte Broch über die "Darstellung der Vergangenheit"
- Traumfabrik Görliwood (kommentiert von Location-Manager Matthias Braun)
- Trailer
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Der Vorleser
The Reader
Prinzipiell gute Romanverfilmung mit Schwächen beim Drehbuch
Autor der Besprechung:
Jano Rohleder
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA / Deutschland, 2008 Regie: Stephen Daldry
Drehbuch: David Hare Darsteller: Ralph Fiennes, Jeanette Hain, David Kross, Kate Winslet, Susanne Lothar
Label :
Senator Home Entertainment
Verkaufsstart : 04.09.2009
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