 |
DVD-Besprechung - Milk
Story:
Harvey Milk (Sean Penn) ist homosexuell, lebt zurückgezogen und leidet unter der gesellschaftlichen Diskriminierung des Jahres 1972. An seinem 40. Geburtstag entschließt er sich sein Leben zu ändern und etwas zu tun, worauf er stolz sein kann. Zusammen mit seinem neuen Freund Scott Smith (James Franco) zieht Milk in San Franciscos Arbeiterviertel Castro und eröffnet dort ein Fotogeschäft, das rasch zum anziehenden Sammelpunkt für Schwule wird. Kurz drauf beginnt Milk sein politisches Engagement für die Bürgerrechte und Gleichberechtigung aller Homosexuellen und avanciert zur historischen Figur der Schwulenbewegung.
Meinung zum Film:
Regisseur Gus Van Sant ("Good Will Hunting") zeigt in "Milk" Harevy Milks (Sean Penn / "Dead Man Walking") Jahre als politischer Aktivist und Schwulenrechtler, der als 40-Jähriger die amerikanische Ostküste verlässt um in San Francisco für die Rechte aller Homosexuellen und anderer Minderheiten politisch einzutreten. Mit der Hilfe seines Partners Scott (James Franco / "Spiderman 1-3"), seines späteren Beraters Cleve Jones (Emile Hirsch / "Into the Wild") seiner Wahlkampfhelferin Anne Kronenberg (Alison Pill / "Dear Wendy") und enormer Unterstützung aus der Szene wird Milk nach mehreren erfolglosen Kandidaturen als erster Homosexueller in einem öffentlichen Amt Amerikas zum Stadtrat gewählt. Im Zuge seiner politischen Arbeit lernt er in Dan White (Josh Brolin / "W") einen harten politischen Gegner kennen, während Harvey mit Bürgermeister George Moscone (Victor Garber / "Titanic") einen Unterstützer für seine Sache gewinnt.
Welche Aktualität auch 30 Jahre nach den Ereignissen des Films das Thema besitzt, zeigt die Proposition 8, die Ende 2008 die Anerkennung homosexueller Ehen in Kalifornien abschaffte. Die im Film erwähnte konservative und gegen die Schwulen zu Felde ziehende Sängerin Anita Bryant wurde im zurückliegenden Wahlkapf durch Sarah Palin lobend erwähnt.
Den erzählerischen Rahmen seines Films schafft Van Sant, indem er seine Hauptfigur bei der Anfertigung einer Tonbandaufnahme zeigt. Dem Film dient diese als Anker für die chronologisch in Episoden erzählten Ereignisse. Filmanfang und -ende zeigen Harvey Milk alleine am Küchentisch, über alles Geschehene emotional sinnierend und Wünsche nach Gleichberechtigung äußernd. Einen besseren Einstieg hätte Gus Van Sant seinem Film nicht bescheren können.
Diese emotionalen Szenen sind es, die der Figur Harvey Milk die notwendige Tiefe verleihen, Elemente, die für einem solchen Film unschätzbar wichtig sind. Der Film zeigt unter welchen Schikanen des konservativen Bürgertums Homosexuelle zu leiden hatten und die Willkür der Gesetzgeber, die allen gleichgeschlechtlich Orientierten ein freies Leben und ihre Bürgerrechte versagten. Die Handlungsmotive Milks werden zunehmend deutlicher, mit jedem Schlag gegen die Homosexuellenszene erhöht sich seine Kampfbereitschaft. Diese Persönlichkeitsentwicklung manifestiert sich an der überzeugenden und herausragenden Schauspiel-Leistung Sean Penns, der den charismatischen Milk mit einer beeindruckenden Intensität und akribischer Genauigkeit verkörpert, dass man fast meinen mag, eine Dokumentation zu sehen. Penn erhielt für seine grandiose Performance seinen zweiten Oscar, nachdem er diesen bereits 2004 für die Hauptrolle in Clint Eastwoods "Mystic River" gewonnen hatte. Dass neben Penn agierende Schauspielerensemble um James Franco, Emile Hirsch und Josh Brolin überzeugt gleichermaßen.
Digitale Aufarbeitung:
Das scharfe Bild ist durch die künstliche Anpassung an eine stellenweise körnige 70er-Jahre-Optik leicht farbreduziert und bietet daher eine etwas ungewohnte Optik. Auf der DVD sind 5.1-Dolby-Digital-Tonspuren auf Deutsch und Englisch, sowie deutsche Untertitel für Hörgeschädigte enthalten.
Als Extras hat diese DVD vier Featurettes zu bieten, die Hintergrundinformationen über die Person Harvey Milk, die Dreharbeiten und die Bedeutung Milks für die Schwulenbewegung vermitteln. Hinzu kommen drei Deleted Scenes und Interviews mit den Darstellern sowie Texttafeln, die deren Filmographien enthalten.
Fazit:
"Milk" zeigt aufwühlend und mitreißend das große Engagement und den politischen Kampf eines Mannes gegen Diskriminierung und Endwürdigung homosexueller Menschen. Gus Van Sants Film ist niemals schwülstiges Mitleidskino, sondern ein gekonnt erzähltes, dokumentierendes und gefühlvolles Portrait, welches seine Figuren mit aller Tiefe charakterisiert.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,85:1
|
122:56 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
|
Untertitel:
|
|
Deutsch für Hörgeschädigte |
|
Bonusmaterial:
|
- Marsch für Gleichberechtigung
- Erinnerungen an Harvey Milk
- Hollywood kommt nach San Francisco
- Blick hinter die Kulissen
- Deleted Scenes
- Interviews
- Texttafeln mit Darstellerinformationen
|
|  |
Milk
Milk
Ein aufwühlendes Biopic-Drama über den Aktivist Harvey Milk
Autor der Besprechung:
Marcus Offermanns
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2008 Regie: Gus Van Sant Drehbuch: Dustin Lance Black Darsteller: Sean Penn, Emile Hirsch, Josh Brolin, Diego Luna, James Franco, Kelvin Yu
Label :
Constantin Film
Verkaufsstart : 13.10.2009
Vertrieb :
Rainbow Home Entertainment AG Verkaufsstart : 13.10.2009
|