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DVD-Besprechung - John Rabe

Story:
John Rabe (Ulrich Tukur) ist seit 27 Jahren Leiter der Siemens-Niederlassung in Nanking, China. Im Jahr 1937 soll das Werk aufgrund der deutschen Verbündung mit Japan, welches kurz vor einem Krieg gegen China steht, geschlossen werden. Rabe soll am Vorabend des zweiten Weltkrieges nach Deutschland zurückkehren. Als Japan seine Attacken beginnt, ist schnell klar, dass die Chinesen dieser Übermacht nichts entgegenzusetzen haben. John Rabe entscheidet sich gegen die geplante Abreise und beginnt sein humanitäres Engagement für die unter dem Krieg leidende chinesische Zivilbewölkung: Er baut zusammen mit einigen Verbündeten eine Schutzzone um sein Siemens-Werk herum auf, in der 200.000 Zivilisten Schutz finden. Die Situation wird mit zunehmender skrupelloser Gewaltbereitschaft der japanischen Militärs immer ernster, sodass sich bald auch die Helfer in akkuter Lebensgefahr befinden.

Meinung zum Film:
Oskarpreisträger Florian Gallenberger ("Quiero ser (I want to be ...)") erzählt in seinem Drama "John Rabe" von den wahren Geschehnissen um den in China lebenden Deutschen John Rabe (Ulrich Tukur/"Das weiße Band"), der zwischen 1911 und 1938 bei der chinesischen Siemens-Niederlassung in der damaligen Hauptstadt Chinas Nanking arbeitete und seit 1931 deren Geschäftsführer war. Während des japanisch-chinesischen Krieges im Vorfeld des zweiten Weltkrieges, rettete das NSDAP-Mitglied und Hitler-Verehrer mehr als 200.000 Zivilisten das Leben, indem er eine Schutzzone um das Siemens-Werk errichten ließ. Dort konnten er und andere humanitäre Helfer die leidende Zivilbevölkerung durch medizinische Versorgung und Nahrungsmittelrationen unterstützten. Im Laufe des Konfliktes muss Rabe jedoch erkennen, mit welcher Unmenschlichkeit die japanischen Militärs vorgehen und selbst Zivilisten nicht vor brutalen Gräueltaten verschonen. Überzeugt von Hitlers Regime versucht der Helfer nach seiner Rückkehr in Deutschland die NS-Führung dazu zu bewegen, die verbündeten Japaner im Umgang mit der chinesischen Zivilbevölkerung zurechtzuweisen, erntet dafür aber nur Ablehnung und Missachtung, wird gar als Verräter im nationalsozialistischen Sinne gebrandmarkt. Er starb am 5. Januar 1950 in Berlin und erst Jahre nach seinem Tod wurde ihm durch diverse Einrichtungen und Denkmaler die nachträgliche Ehrung für seine Leistungen erwiesen.

Soweit geht der Film Gallenbergers allerdings nicht. Dieser erzählt die kurze, aber sicher bewegendste Zeitspanne aus den China-Jahres des John Rabe: Die Monate zwischen Kriegsbeginn und Einrichtung der Schutzzone, wie dem letztendlichen Verlassen Chinas. Rabe wird zu Beginn als sturer Geschäftsmann und strenger Vorgesetzter eingeführt, der mit Zunahme der Gewalttätigkeit gegen die Chinesen sein Mitgefühl für diese entdeckt und helfend einschreitet. Rabe verzichtet auf die angebotene Ausreise und legt seine komplette Kraft in die Rettung der Menschen. Durch seinen Einfluss gelingt die Einrichtung einer Schutzzone, in der er 200.000 Menschen versorgen kann. Doch auch John Rabe ist den rücksichtslosen Japanern ausgesetzt, denen er ein Dorn im Auge ist und beginnen, Rabe mit den verfeindeten Chinesen gleichzusetzen. Die Dramatik nimmt immer mehr zu und erreicht ihren traurigen Höhepunkt, als die japanischen Truppen Nanking eingenommen haben und durch diverse Gräueltaten ihre Überlegenheit demonstrieren. Der Film zeigt diese Brutalität des japanischem Militärs schonungslos und offen. Aus einer gewissen Einseitigkeit heraus, nämlich die der chinesischen Perspektive, inszeniert Regisseur Gallenberger stilsicher und ohne große Experimente. Die Geschichte wird geradlinig auf der Grundlage des Tagebuchs erzählt, das Rabe während seiner Zeit in China verfasste. Dies funktioniert sehr gut, da das Nachvollziehen dieser stringenten Erzählform einfach gelingt. Allerdings fallen die Vorkommnisse, die zum Konflikt führten und die Geschehnisse nach Rabes Ausreise nicht in den Rahmen des Films.

Als sehr gelungen müssen die Leistungen der Schauspieler beschrieben werden. Allen voran liefert Ulrich Tukur in der Titelrolle eine großartige Leistung ab. Der zu Beginn des Films in preußischer Überheblichkeit agierende Rabe wandelt sich durch Tukurs detailreiche Spielweise absolut glaubhaft zum aufopferungsvollen Helfer voller Menschlichkeit. Die weiteren Figuren der humanitären Helfer neben Rabe sind mit Daniel Brühl ("Die Fetten Jahre sind vorbei"), Anne Consigny ("Schmetterling und Taucherglocke") und Steve Buscemi ("Interview") hervorragend besetzt. Gerade Buscemi als britischer Arzt Wilson, der eine Hass-Liebe zu Rabe entwickelt, spielt diese innerlich zerrissene Figur äußerst eindrucksvoll, während Brühl als deutsch-jüdischer Diplomat Rosen viele Denkanstöße in Richtung Hitler-Verehrer Rabe entsendet und die antisemitische Haltung in der deutschen Heimat ein ums andere Mal kritisiert.

Digitale Aufarbeitung:
Bild und Ton dieser DVD sind als überdurchschnittlich zu bezeichnen. Gerade dunkle Sequenzen sind gut zu erkennen, Kontrast und Bildschärfe sind beim gesamten Film gut umgesetzt. Die Tonspuren sind so abgemischt, dass alle Surround-Boxen ordentlich angesteuert werden, die Dialoge aber jederzeit verständlich bleiben.

Die Specials dieser Disc sind sehr umfangreich ausgefallen. Neben dem "Making of - Ein vergessener Held" gibt es ein Visual Effects - Making of und eine kurze Featurette über den Deutschen Filmpreis. Des Weiteren sind der Originaltrailer und entfallene Szenen enthalten, sowie die informative Kommentarspur, auf der Ulrich Tukur, Daniel Brühl, Anne Consigny, Regisseur Florian Gallenberger, Produzent Benjamin Herrmann und Creative Assistant David Dietl ihre Erfahrungen vom Dreh ausplaudern.

Fazit:
"John Rabe" ist ein erschütterndes Drama über die Vorgänge im japanisch-chinesischen Krieg und zeigt die brutale Vorgehensweise des japanischen Militärs gegenüber der chinesischen Zivilbevölkerung während der Angriffe auf Nanking. Der Film zeigt das humanitäre Engagement John Rabes, welches zur Einrichtung einer Schutzzone führte und damit 200.000 Menschen vor dem sicheren Tod bewahrte. Diese bewegende Geschichte ist filmisch mitreißend inszeniert und bietet hochklassige Schauspielleistungen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
2,35:1
2,35:1
129:01 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Chinesisch, Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch
Bonusmaterial:
  • Ein vergessener Held - Making of
  • Und der Gewinner ist... Featurette vom Deutschen Filmpreis 2009
  • Visual Effects - Making of
  • Entfallene Szenen
  • Kinotrailer
John Rabe - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
John Rabe
John Rabe

Bild unseres Mitarbeiters Marcus Offermanns
Bewegendes Drama über den "Oskar Schindler Chinas"


Autor der Besprechung:
Marcus Offermanns

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
China / Deutschland / Frankreich , 2009
Regie:
Florian Gallenberger
Drehbuch:
Florian Gallenberger
Darsteller:
Ulrich Tukur, Daniel Brühl, Steve Buscemi, Zhang Jingchu, Anne Consigny, Dagmar Manzel, Gottfried John

Label Deutschland :
Majestic Filmverleih
Verkaufsstart Deutschland :
02.10.2009