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DVD-Besprechung - Coraline

Story:
Coraline Jones ist 11 Jahre alt und gerade mit ihren Eltern in ein großes Landhaus gezogen. Weil ihre Mutter und ihr Vater aber keine Zeit für sie haben, erkundet sie die Umgebung allein und macht die Bekanntschaft von einigen sehr verschrobenen Nachbarn, dem nervigen Enkel der Vermieterin und einer sehr merkwürdigen Katze. Und dann ist da noch eine geheimnisvolle Tür hinter der Tapete versteckt. Die führt in ein Landhaus wie ihres, mit Nachbarn und Eltern wie ihren, jeder ist nett zu ihr und kümmert sich um sie - merkwürdig ist nur, dass alle Knöpfe anstatt Augen im Gesicht haben.

Meinung zum Film:
An sich ist "Caroline" ein typischer Kindertraum - durch eine Tür hindurch in eine Welt zu gelangen, die teilweise vertraut, aber doch bunter, liebenswerter oder einfach interessanter ist. Und um eine Geschichte über so einen Kindertraum interessanter zu machen, darf diese Welt natürlich nicht das sein, was sie zu sein verspricht. So war es bei Carrolls "Alice im Wunderland" - dem Klassiker aller Parallelweltgeschichten, bei Lewis' "Narnia"-Zyklus, bei Guillermo Del Toros "Pans Labyrinth" - am dunklen Ende des Horrorspektrums - und so ist es auch bei Neil Gaimans "Coraline".  

Für Gaiman ist "Coraline" nach "Der Sternwanderer" der zweite seiner Romane, den er als Drehbuchautor auf die Leinwand bringt. Und obwohl sich beide stark unterscheiden - "Der Sternwander" ist eher ein Märchen und "Coraline" eine Gruselgeschichte - so sind Gaimans Stil, seine überbordernde Phantasie und sein Hang zum Morbiden unverkennbar. Liebhabern des Buches sei verraten, dass das Drehbuch teilweise deutlich von der Romanvorlage abweicht. So wurde beispielsweise mit Wybie, dem nervigen Nachbarsjungen, Coraline ein Gesprächspartner gegeben, damit man als Zuschauer nicht nur innere Monologe eines genervten Teenagers hören muss.  

Dass der Film mit seiner trüben Stop-Motion Gothic-Athmosphäre irgendwie an Tim Burton ("Corpse Bride") erinnert, mag nicht zuletzt an Regisseur Henry Selick liegen, der auch schon Burtons "Nightmare Before Christmas" drehte. Technisch gesehen ist "Coraline" auf dem neuesten Stand. Wurden 2005 in "Corpse Bride" noch handgefertigte Modelle eingesetzt, so wurden die Körper in "Coraline" auf modernsten 3D-Printern erstellt. Diese, zusammen mit effektvoller CGI-Nachbearbeitung verschmelzen zu einem teils knallbunten, teils schaurig schönen Gesamtkunstwerk, das in einem 3D-Kino natürlich am besten zur Geltung kommt.

Digitale Aufarbeitung:
Bei der Optik gibt sich die Veröffentlichung keine Blöße. Scharfe Konturen, eine natürliche Farbgebung und angenehme Kontrast- und Helligkeitswerte sorgen für gute Bildwerte. Die ebenfalls beiliegende 3D-Fassung fällt hinsichtlich der Schärfe und Farbgebung natürlich nicht ganz so perfekt aus, hat dafür aber einige sehr gute 3D-Effekte zu bieten. Der deutsche Ton in Dolby Digital 5.1 ist den kompletten Film über sehr gut zu verstehen, hält sich in Räumlichkeitseffekten aber meist dezent zurück. Lediglich ab und an, wie zum Beispiel bei einem anfänglichen Gewitter, wird eindrucksvoll die Möglichkeit von Surroundeffekten vorgeführt.  

Bei den Extras gibt es zunächst einen vor allem hinsichtlich der Technik recht interessanten Regiekommentar mit Regisseur Henry Selick und Komponist Bruno Coulais. An Filmbeiträgen gibt es lediglich knapp 9 Minuten nicht verwendeter Szenen, mit ausführlicher Erläuterung durch den Regisseur, sowie ein knapp 37-minütiges Making Of, das entweder am Stück oder nach bestimmten Themenbereiche sortiert angesehen werden kann. Das Making Of bietet einen sehr guten Einblick in die Entstehung von "Coraline", hätte an der ein oder anderen Stelle aber ruhig ein klein wenig ausführlicher ausfallen können. (MT)

Fazit:
"Coraline" war nie ein reines Kinderbuch und der Film ist ebenso wenig allein für Kinder gedacht, hat er doch das Potential zum echten Schocker - ganz ohne große Pyrotechnik und Splatter-Orgien. Ein sehr sehenswerter Gruselfilm für alle, die im Inneren irgendwo noch ein bisschen Kind geblieben sind.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
1,78:1
1,78:1
96:28 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Türkisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch, Englisch, Türkisch
Bonusmaterial:
  • 2D & 3D Version des Films
  • Filmkommentar mit Regisseur Henry Selick und Komponist Bruno Coulais
  • Unveröffentlichte Szenen
  • Das Making Of von "Coraline"
Coraline - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Coraline
Coraline

Bild unseres Mitarbeiters Falk Ebert
Alice heißt jetzt Coraline und die Herz-Königin ist ihre 'andere Mutter'


Autor der Besprechung:
Falk Ebert

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2009
Regie:
Henry Selick
Drehbuch:
Neil Gaiman
Darsteller:
Dakota Fanning, Teri Hatcher, Jennifer Saunders, Dawn French, Keith David, Ian McShane (Synchronstimmen im Original)

Label Deutschland :
Universal Pictures Germany
Verkaufsstart Deutschland :
17.12.2009