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DVD-Besprechung - In die Hand geschrieben
Story:
Maria (Irma Schmitt) und ihr Mann Walter (Klaus Lehmann) ziehen gemeinsam in das Haus von Marias Vater, der kürzlich einen Schlaganfall erlitt und deshalb fortan rund um die Uhr von ihr betreut werden muss. Sie fühlt sich jedoch zunehmend als Gefangene im eigenen Heim, die einerseits den Launen ihres Vaters ausgesetzt ist, dessen Pflege sie psychisch überfordert, und die andererseits für ihren tief religiösen Mann nur als Vorzeigehausfrau und williges Lustobjekt gesehen wird. Maria beginnt sich jedoch Schritt für Schritt zu verändern, nachdem sie geheimnisvolle Telefonanrufe von einem Unbekannten erhält, der alles über sie zu wissen scheint, und beginnt nach und nach aus ihrem Käfig auszubrechen.
Meinung zum Film:
"In die Hand geschrieben" war der erste Spielfilm des Berliner Regisseurs Rouven Blankenfeld ("lieben") und wurde an der Kunsthochschule für Medien in Köln mit einem Budget von lediglich 4000 Euro realisiert. Seine Premiere feierte der Film beim Internationalen Filmfestival in San Sebastian im September 2004. Wie bereits bei seinem Abschlussfilm "lieben" nahm Blankenfeld nicht nur auf dem Regiestuhl Platz, sondern schrieb auch das Drehbuch. Die Darstellerriege weist keine wirklich bekannten Namen auf, es handelt sich hier aber durchgehend um Profis, was für einen Film dieser Preisklasse keine Selbstverständlichkeit darstellt. Zumindest Daniel Wiemer dürften Fans deutscher Comedy allerdings aus Produktionen wie Anke Engelkes "Ladykracher" oder Axel Steins "Axel!" kennen.
Hinsichtlich der Filmoptik sollte sich der geneigte Zuschauer keine großen Illusionen machen. Der Spar-Look des Films bewegt sich auf dem Niveau eines äußerst kostengünstigen TV-Films. Erschwerend kommt noch hinzu, dass sich der Film gewollterweise zum Großteil in der tristen, altmodischen Wohnung von Marias Vater abspielt. Der Kameramann macht zwar einen professionellen Job und es gibt auch durchaus pointierte Kameraeinstellungen, großes Kino wird hier aber mit Sicherheit nicht geboten. Ganz im Gegensatz dazu muss den Darstellern ein sehr guter Job attestiert werden. Ihre Leistung könnte sich auch in einer deutlich teureren Produktion durchaus sehen lassen. Problematisch ist jedoch, dass der Film vom Vertrieb in einer Art und Weise beworben wird, die ihm in keiner Weise gerecht wird. Reißerische Attribute wie "Psycho-Thriller" oder deutlich zu hoch gesetzte Messlatten wie "Cronenberg trifft Fassbinder" wecken lediglich falsche Erwartungen bei potentiellen Interessenten, genau wie die völlig übertriebene Altersfreigabe ab 16 Jahren.
Zunächst ist "In die Hand geschrieben" ein, gerade im Vergleich zum späteren Werk "lieben", sehr konventionell anmutendes Drama über eine einsame Frau, die mit ihrer gegenwärtigen Situation gerade emotional vollkommen überfordert ist. Der Erzählfluss ist bewusst sehr gemächlich und ereignisarm gehalten. Blankenfeld stellt damit die Tristesse und Ausweglosigkeit von Marias Alltag in den Vordergrund. Als sie jedoch mysteriöse Anrufe erhält, beginnt sie aus ihren festgefahrenen, auch religiösen Alltagsmustern auszubrechen. Religiösität ist, neben der Ausübung von Macht gegenüber anderen Menschen als Mittel der Selbstbestimmung, ein zentrales Thema des Films, wobei sie hier vor allem negativ konnotiert wird. Sie wirkt einerseits als Beschränkung von Individualität, bzw. der eigenen Handlungsoptionen, und andererseits als sicherer Rückzugsort verlogener, bürgerlicher Doppelmoral. Leider weist der Film jedoch keine wirkliche inhaltliche Tiefe auf. Die Charaktere sind extrem eindimensional sowie klischeehaft ausgefallen und die Dialoge wirken gleichsam seltsam weltfremd und naiv. Außerdem verläuft die Handlung und auch Marias finaler Ausbruch aus der Normalität bis ins Detail vorhersehbar.
Digitale Aufarbeitung:
"In die Hand geschrieben" musste aufgrund des geringen Budgets kostengünstig realisiert werden, was sich auch im verwendeten Equipment, einer Mini35-Kamera, niederschlug. Dementsprechend dürfen hier von der Bildqualität keine Wunder erwartet werden. Zwar bewegt sich die Kompression auf einem hohen Niveau, das Bild wirkt aber nicht sonderlich detailliert und etwas matschig. Die Farben sind zwar absichtlich zurückgenommen, erscheinen aber trotzdem teilweise ziemlich ausdruckslos. Auch ein deutliches Bildrauschen ist wahrnehmbar. Die Tonspur rauscht deutlich und ist weitgehend effektfrei, eine gute Verständlichkeit ist aber stets gegeben.
Anders als bei der Veröffentlichung von Rouven Blankenfelds "lieben" wirkt das Bonusmaterial der vorliegenden Veröffentlichung von epiX eher lieblos. So findet sich auf dieser DVD wie schon bei "lieben" erneut Blankenfelds Kurzfilm "Tag der Umkehr" (14:25) aus dem Jahr 2001, der in der Zwischenzeit zudem auch nicht wirklich besser geworden ist. Weiterhin gibt es auch noch einige bisher nicht veröffentlichte Kurzfilme des Regisseurs, die allein schon aus diesem Grund sicherlich interessanter gewesen wären. Es handelt sich bei diesem Kurzfilm um eine wenig überzeugende, fiktive TV-Dokumentation über einen Gewalttäter, der meint, mit Hilfe Gottes auf den rechten Weg zurückgefunden zu haben. Ansonsten gibt es lediglich noch einen Trailer zum Film, einen Trailer zu "lieben" und einen Projekttrailer zu "Kazumi". Dieser Trailer stammt bereits aus dem Jahr 2003, das Projekt wurde aber bis heute nicht realisiert.
Fazit:
"In die Hand geschrieben" ist für sein niedriges Budget sicherlich eine beachtenswerte Produktion und lässt auch bereits ein gewisses Können des Regisseurs erkennen, das er mit "lieben" dann später deutlich ausbauen konnte. Als Vollpreisprodukt bewegt sich der Film jedoch auf sehr dünnem Eis und wird zudem völlig unpassend beworben. Das größte Problem des Films, trotz seiner handwerklich ordentlichen Machart und überzeugenden Darstellern, sind vor allem die nur unzureichend ausgearbeiteten Hauptfiguren, schwache Dialoge und ein übertriebener Handlungsleerlauf mit deutlich zu hoher Laufzeit. Für einen Low-Budget-Film ist die technische Präsentation der DVD auf jeden Fall ordentlich geraten, das Bonusmaterial wirkt jedoch eher lieblos.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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74:42 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine Untertitel vorhanden. |
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Bonusmaterial:
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- Kurzfilm "Tag der Umkehr" von Rouven Blankenfeld
- Film-Trailer zu "In die Hand geschrieben" und "lieben"
- Projekt-Trailer zu "Kazumi"
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In die Hand geschrieben
In die Hand geschrieben
Eher ein konventionell anmutendes Drama mit geringem Budget, als ein kontroverser und spannender Psychothriller
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2003 Regie: Rouven Blankenfeld Drehbuch: Rouven Blankenfeld Darsteller: Irma Schmitt, Klaus Lehmann, Hans-Peter Deppe, Daniel Wiemer, Heidrun Grote
Label :
Epix
Verkaufsstart : 28.08.2009
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