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DVD-Besprechung - Aufstieg
Story:
Im Auftrag ihrer im Umland operierenden Einheit werden die beiden Partisanen Sotnikov (Boris Plotnikov) und Rybak (Vladimir Gostyukhin) mit der dringend notwendigen Beschaffung von Lebensmitteln betraut. Bei ihrer Mission geraten sie jedoch in ein Feuergefecht mit den nationalsozialistischen, deutschen Invasoren. Kurz darauf werden sie von einheimischen Hilfstruppen der Deutschen gefasst und fortan von dem Verhörspezialisten Portnov (Anatoli Solonitsyn) gehörig in die Mangel genommen. In dieser Situation werden beide Männer mit einem moralischen Dilemma konfrontiert und müssen ihr eigenes Leben, das ihrer Freunde, Verbündeten und unschuldiger Beteiligter gegeneinander abwägen.
Meinung zum Film:
Das sowjetische Antikriegsdrama "Aufstieg" stammt aus dem Jahr 1976 und entstand unter der Regie von Larisa Shepitko ("Flügel"), die auch am Drehbuch beteiligt war. Mit diesem Film gewann sie 1977 den "Goldenen Bären" und den "FIPRESCI"-Preis bei den Internationalen Filmfestspielen von Berlin. Es sollte jedoch Shepitkos letzter großer Film bleiben, denn sie starb kurz nach dem Start ihres neuen Projekts, "Abschied von Matjora", bei einem tödlichen Autounfall. Das Drehbuch von Yuri Klepikov ("Der Siebente Trabant") folgt Motiven der Novelle "Die Schlinge" von einem der bedeutendsten weißrussischen Schriftsteller, Wassil Bykau ("Der Obelisk"), einem Gegner des Regimes von Präsident Lukaschenko. Er verstarb im Juni des Jahres 2003 und war zu dieser Zeit Kandidat für den Literatur-Nobelpreis.
"Aufstieg" ist ein wertungs- und ideologiefreier Antikriegsfilm, der sich auf das moralische Dilemma seiner beiden Hauptfiguren konzentriert, die jeder für sich einen völlig anderen Weg wählen, um ihrer Extremsituation, sie befinden sich in der Hand eines brutalen Verhörexperten der Nazis, zu entgehen. Die Handlung des Films ist sicherlich keine Offenbarung und äußert sich auch in der einzigen, echten Schwäche des Films, der doch etwas übertriebenen Laufzeit, die einer gewissen Straffung bedurft hätte. Auf der anderen Seite entfaltet "Aufstieg" aber in mitreißender Manier ein aufwühlendes, menschliches Drama, das von einer durchgehend überzeugenden Darstellerriege getragen wird. Besonders die dichte Inszenierung bürgt für ein emotional aufgeladenes, psychologisches und physiologisches Martyrium vor dem Hintergrund des Russlandfeldzuges. Shepitko kontrastiert hier lange Weitwinkeleinstellungen der menschenfeindlichen, russischen Eiswüste mit extremen Nahaufnahmen der Hauptdarsteller, deren somit eingefangene, nuancierte, ausdrucksstarke Mimik tiefe Einblicke in deren innere Zerrissenheit und Seelenpein gewährt.
Auch die schwermütige Musikuntermalung und das unheimliche Rauschen der eisigen Winde steuern ihren Teil zur dramaturgischen Verdichtung des Films bei. Die an sich wenig spektakuläre Handlung erreicht im Verlauf des Films eine ungeheure Intensität, die den Druck, der auf den gefangenen Partisanen lastet, sehr direkt an die Zuschauer vermittelt. Während Sotnikov den Weg der Würde und Standhaftigkeit einschlägt, wählt Rybak den Weg des Überlebens. Der Film endet mit einer bedrückenden Einstellung, die klare Parallelen zu christlichen Kreuzigungsszenen Jesu aufweist und in der Rybak als "Judas" firmiert.
Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität dieses über 30 Jahre alten Schwarz-Weiß-Films aus sowjetischer Produktion kann durchaus überzeugen. Zwar wurde das Ausgangsmaterial offensichtlich, wie so oft, nicht optimal gelagert, weshalb diverse Verschmutzungen, Beschädigungen, Laufstreifen und ein stärkeres Rauschen vorhanden sind, die eigentliche Bildschärfe sowie die Kontrastwerte bewegen sich dafür aber auf einem guten Niveau.Die deutsche Tonspur bietet zwar aufgrund der Machart des Films kein Effektgewitter, die musikalische Untermalung wurde aber effektiv abgemischt und die hochwertig von der DEFA synchronisierten Dialoge überzeugen stets mit guter Verständlichkeit. Leichte altersbedingte Spuren wie das dezente Hintergrundrauschen wirken sich nicht wirklich störend aus.
Auf der DVD befindet sich unter dem Titel "...er saß auf meiner Couch" (13:00) ein Interview mit Norbert Randow, der zum schriftstellerischen Wirken des weißrussischen Autors Wassil Bykau, dem Verfasser der Drehbuchvorlage, Stellung nimmt, mit dem er selbst eng befreundet war. Norbert Randow, Träger des Bundesverdienstkreuzes und Koryphäe für weißrussische Literatur in Deutschland, vermittelt hier einige interessante Informationen zur persönlichen Situation des Autors und der wesentlichen Stoßrichtung seiner Werke. Jedoch wäre für dieses Feature wirklich eine deutlich längere Laufzeit, nebst erweiterter inhaltlicher Tiefe, wünschenswert gewesen. Ansonsten gibt es lediglich eine brauchbare Bio- und Filmographie von Larisa Shepitko in Textform (7 Seiten) sowie eine Bildergalerie zum Film.
Fazit:
"Aufstieg" ist ein sehr dicht inszeniertes Antikriegsdrama, das neben moralischen Fragen auch das traurige Schicksal der Bevölkerung thematisiert, die in Kriegszeiten der Willkür beider Seiten ausgeliefert ist. Handwerklich ist der Film ohne Fehl und Tadel und die Schauspielerriege überzeugt mit beeindruckend, tiefschürfenden Darstellungen, was die teilweise etwas träge Handlung mehr als kompensiert. Die technische Qualität der DVD ist gut, leider ist das durchaus interessante Bonusmaterial aber etwas schmal ausgefallen.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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105:01 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine Untertitel vorhanden. |
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Bonusmaterial:
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- "...er saß auf meiner Couch" - Norbert Randow über den weißrussischen Autoren Wassil Bykau
- Bio- und Filmographie von Larisa Shepitko
- Bildergalerie zum Film
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Aufstieg
Voskhozhdeniye
Aufwühlendes, russisches Antikriegsdrama über Fragen der Moral und der Menschenwürde
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Sowjetunion, 1976 Regie: Larisa Shepitko Drehbuch: Yuri Klepikov, Larisa Shepitko (basierend auf einer Novelle von Wassil Bykau) Darsteller: Boris Plotnikov, Vladimir Gostyukhin, Sergei Yakovlev, Lyudmila Polyakova, Viktoriya Goldentul, Anatoli Solonitsyn
Label :
Icestorm Entertainment
Verkaufsstart : 17.07.2009
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