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DVD-Besprechung - Zufällig verheiratet

Story:
Dr. Emma Lloyd (Uma Thurman) bietet in ihrer Radioshow Hilfe für alle Liebeslagen. Eine Hilfesuchende war Sofia (Justina Machado), die kurz vor der Heirat mit Feuerwehrmann Patrick Sullivan (Jeffrey Dean Morgan) stand. Doch auf Grund des therapeutischen Ratschlages von Emma ließ sie die Hochzeit kurzer Hand platzen. Patrick ist natürlich alles andere als glücklich über diese Entwicklung und er sinnt auf Rache. So lässt er einen im Umgang mit Computern begabten Nachbarn in das Netzwerk der Stadt einhacken und sich als legitimer Ehemann von Dr. Emma Lloyd im Register eintragen. Dies sorgt nun bei der Moderatorin für reichlich Probleme, da diese sich gerade mit Richard Bratton (Colin Firth) verheiraten wollte. Also zieht sie los, um die Sache zu klären, was allerdings nur noch zu weiteren Komplikationen führt.

Meinung zum Film:
„Zufällig verheiratet“ von Regisseur Griffin Dunne („Zauberhafte Schwestern“) hat auf den ersten Blick alles, was eine locker-leichte Liebesdramödie zum Gelingen braucht. Mit Colin Firth („Bridget Jones“) und Jeffrey Dean Morgan („Grey’s Anatomy“) stehen zwei Männer in der Darstellerliste, die beide schon bewiesen haben, dass so manches Frauenherz in ihrer Bildschirmgegenwart höher schlägt. Uma Thurman („Kill Bill“) ist die gewohnt kühle Blonde, die perfekt auf die Rolle der Liebestherapeutin geimpft zu sein scheint, die für Gefühle nicht viel über hat und die Sache eher rationell angeht. Auch der Plot gibt sicherlich einiges her, um daraus ein erfüllendes Geflecht aus reichlich Romantik und Gags zu zaubern. Was dem Film dann letzten Endes allerdings fehlt, ist ein erfahrenes Autorenteam. Das Dreigestirn bestehend aus Mimi Hare, Clare Naylor und Bonnie Sikowitz hat abgesehen von letztgenannter keinerlei Erfahrung im Schreiben von Skripten, doch selbst diese hat bis dato lediglich 6 Drehbücher für TV-Serien beigesteuert. Und die fehlende Erfahrung macht sich letzten Endes in der mangelhaften Dramatisierung und Charakterisierung höchst negativ bemerkbar.

Das größte Problem stellt dabei sicherlich die Figur der Emma Lloyd dar. Zu Beginn funktioniert sie noch wunderbar in der Rolle der nüchternen Analystin, die die Hände über den Kopf zusammen schlägt, als sie hört, dass Sofia ihren Patrick heiraten möchte, obwohl sie diesen erst 5 Monate kennt. Natürlich ist in diesem Moment schon jedem klar, dass Emma sich selbst in den nächsten Tagen und Wochen in Patrick verlieben wird, weil die Funktionsweise des Genres es nun einmal so vorgibt. Die Geschichte verkuppelt beide dann auch mehr schlecht als recht und doch geht es dabei genauso nüchtern zu, wie zuvor in der Radioshow. Der Funke zwischen dem charmanten Patrick Sullivan und der stets etwas kühl-distanzierten Emma Lloyds springt niemals richtig über. Das mag zum Einen daran liegen, dass die beiden Darsteller miteinander nicht funktionieren wollen, zum Anderen aber sicherlich auch daran, dass das Drehbuch maximal die Charaktertiefe einer Screwball-Komödie aufbauen kann, was für den Film einer der Todesstöße ist. Colin Firth kann einem in seiner Rolle richtig Leid tun, da er von Beginn an nur der treudoofe Ex-in-Spe ist, der seine geliebte Emma dadurch glücklich machen wird, indem er sich selbst in die Trauer stürzt.

Auch die Gags wollen nur teilweise zünden. Einiges ist einfach nur platt, anderes wirkt etwas deplatziert, wie zum Beispiel eine beim Bollywood entliehene Hochzeit. Isabella Rossllini („Blue Velvet“) stolziert als Greta Bollenbecker, eine reiche, aus Bayern stammende Industriellengattin durch die Gegend. Wenn ihr Gatte Karl (Keir Dullea) anfängt über Fußball zu reden, denkt man erst noch, es wäre vielleicht ein Lokalisierungsproblem bei der Übersetzung. Doch es ist nah am Original, wenn Karl sich als Besitzer von Bayern München ausgibt und er mit Patrick darüber fachsimpelt, ob Podolski mehr von Klinsmann eingesetzt werden müsse und Klose nicht auch mal defensiv ran sollte. Dabei sind, meine lieben Drehbuchschreiberinnen, ganz anders als bei euch in den USA, Profivereine im deutschen Fußball nicht im Besitz von Privatpersonen. Doch diesen Patzer hätte man sicherlich hinnehmen können, ohne dass es einer romantisch-komischen Grundstimmung weiter geschadet hätte. Doch leider stimmt es auf der romantischen Seite überhaupt nicht und auch die witzigen Momenten sind leicht überschaubar. Am Ende des Films wird sich wahrscheinlich bei den Meisten die Erkenntnis breit machen, dass es ganz sicher deutlich schlechtere Filme gibt, aber „Zufällig verheiratet“ auch nicht über ein „zufällig ganz nett“ hinaus kommt.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild erreicht nur untere Durchschnittswerte. Stellenweise wirkt es etwas weich gezeichnet und die Detailschärfe könnte ebenfalls besser sein. Die Farben fallen insgesamt recht kräftig aus, was teils zu etwas unnatürlicher Farbgebung führt. Der deutsche Ton in Dolby Digital 5.1 ist sehr gut verständlich ausgefallen, findet aber wie bei anderen Produktion in diesem Genre fast durchweg in der Front statt.

Als einziges Extra gibt es neben dem Trailer nur rund eine Viertelstunde Interviews, die meist aber sehr promolastig ausfallen und nur am Rande interessante Informationen liefern.

Fazit:
„Zufällig verheiratet“ ist keine große Bereicherung für das Genre der Liebesdramödie. Zum Einen fehlt es an der Chemie zwischen den Darstellern, zum Anderen aber vor allem auch an Dramaturgie und Charakterisierung, die das Drehbuch weitgehend vermissen lässt. Insgesamt kein Film, den man unbedingt gesehen haben muss.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
1,85:1
1,85:1
86:53 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Interviews mit Cast & Crew
  • Trailer
Zufällig verheiratet - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Zufällig verheiratet
The accidental husband

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Zufällig überhaupt nicht komisch und schon gar nicht romantisch


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA / GB, 2008
Regie:
Griffin Dunne
Drehbuch:
Mimi Hare, Clare Naylor, Bonnie Sikowitz
Darsteller:
Uma Thurman, Jeffrey Dean Morgan, Colin Firth, Sam Shepard, Justina Machado, Lindsay Sloane, Ajay Naidu, Brooke Adams, Isabella Rossellini, Keir Dullea

Label Deutschland :
Buena Vista Home Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
13.08.2009