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Kino-Besprechung - Antichrist
Story:
Ein trauerndes Paar zieht sich in ihre einsame Hütte, "Eden", in den
Wäldern zurück. Sie (Charlotte Gainsbourg) kämpft nach dem Tod des kleinen Sohnes mit Trauer
und Schuldgefühlen, die in ihr eine tiefe Depression und Panikattacken hervorrufen. Er (Willem Dafoe) ist
Psychiater und will sie dort im Wald, vor dem sie sich so sehr
fürchtet, therapieren. Doch er muss bald erkennen, dass sehr viel mehr
hinter dem Verhalten seiner Frau steckt, und beide stürzen in der
Abgeschiedenheit der Hütte in eine Spirale aus Sex und Gewalt.
Meinung zum Film:
Lars von Triers ("Dogville") Filme sind immer extrem, sehr künstlerisch und eigensinnig und spalten das Publikum in Hasser und Verehrer. In "Antichrist" treibt er dies auf die Spitze. Zum einen ist der Inhalt des Films nicht gerade einfach zu begreifen. Den eigentlichen Geschehnissen zu folgen ist relativ einfach, die psychologische Dimension und vor allem die Aussage des Films erschließen sich einem jedoch nicht ohne Weiteres. Nach einmaligem Sehen wird kaum jemand eine schlüssige Interpretation des Films zusammenstellen können. Vieles bleibt offen, der Film lässt mehrere Lesarten zu, von denen einige sicher nicht jedem behagen. Der andere Punkt, der bei vielen Zuschauern Unbehagen oder gar Abscheu verursachen wird, sind die pornografischen Sexszenen und die Gewaltdarstellung, die an den "Torture Porn" der "Hostel"-Filme heranreicht, durch die psychologische Komponente jedoch noch weitaus aufreibender wirkt als in den etwas trashigen Killer-Streifen, in denen sich solche Bilder sonst finden lassen.
Trotz der abstoßenden Bilder ist der Film jedoch von einer verstörenden Schönheit. Die Bilder, mit denen von Trier und sein Kameramann Anthony Dod Mantle ("Slumdog Millionaire") den Abstieg der Charaktere in den Wahnsinn dokumentieren, fesseln einen und sind ungewöhnlich und einfallsreich. Besonders stark prägt sich der Prolog ein, der komplett in Schwarzweiß und Zeitlupe gehalten ist. Untermalt von einer Opern-Arie sieht man das Paar beim ekstatischen Liebesakt, während sich ihr kleiner Sohn aus seinem Gitterbett befreit und durchs offene Fenster in den Tod stürzt. Und auch später im Film sind die nebligen Wälder um die Hütte "Eden" mit mystischen Bildern wunderbar passend und zutiefst unheimlich in Szene gesetzt. Durch die atemberaubende Schönheit dieser Bilder wirkt die Grausamkeit der Geschehnisse umso erschreckender. Der Film mag kein Horrorfilm, wie man ihn erwartet, sein, versetzt den Zuschauer jedoch durch die Bilder und die Atmosphäre sowie die menschlichen Abgründe, die sich auftun, in Angst und Schrecken und verdient somit dennoch diese Bezeichnung – vielleicht mehr als viele andere "echte" Horrorfilme.
Ganz gleich, was man vom restlichen Film halten mag, eines muss man eingestehen: die Hauptdarsteller liefern hier Leistungen ab, die an Mut und Intensität fast nicht zu übertreffen sind. Sowohl in körperlicher Hinsicht als auch psychisch sind die Rollen wirklich extrem und die beiden verkörpern die namenlosen Figuren mit unvergleichlicher Intensität. Besonders Charlotte Gainsbourgs ("Science of Sleep") Darstellung hätte zweifellos einen Oscar verdient, wenngleich der Film und die Rolle der Academy wahrscheinlich zu extrem und ungewöhnlich ist. Willem Dafoes ("American Psycho") Spiel ist kaum weniger beeindruckend, nur verlangt seine Rolle etwas mehr Zurückhaltung. Außer den beiden hat der Film keine weitere Sprechrolle (wenn man von einem sprechenden Fuchs absieht).
Fazit:
Lars von Triers "Antichrist" ist ein verstörendes Kunstwerk, dass niemanden kalt lässt. Der Film ist jedoch äußerst schwer verdaulich, nicht nur wegen der überaus extremen Sex- und Gewalt-Darstellungen, und deswegen nicht für jeden etwas.
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Antichrist
Antichrist
ein verstörendes Kunstwerk
Autor der Besprechung:
Adrian vom Baur
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Dänemark, Deutschland, Frankreich, Schweden, Italien, Polen, 2009 Regie: Lars von Trier Drehbuch: Lars von Trier Darsteller: Willem Dafoe, Charlotte Gainsbourg
Verleiher:
MFA+
Kinostart : 10.09.2009
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