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DVD-Besprechung - Hans im Glück aus Herne 2

Story:
 Hans Koletka (Peter Danneberg) wohnt Anfang der 80er Jahre in der Herne 2 in der Emscherstraße und ist ein Jugendlicher wie viele andere auch. Damit hat er auch dieselben Probleme wie alle anderen. Eine Mutter, die motzt, eine Schwester, die nervt und eine Lehrstelle als Schreiner, die er sucht. So lebt Hans in den Tag und sucht mehr oder weniger begeistert sowohl nach der Lehrstelle als auch nach Geld. Mit dem Bau von selbst gemachten Boxen verdient er sich nebenbei etwas dazu, aber eine echte Perspektive sieht er nicht.

Meinung zum Film:
„Hans im Glück aus Herne 2“ spielt mitten im Ruhrgebiet und das Ruhrgebiet ist Kult. Die Industriebauten, die Zechenhäuser und die Menschen bilden eine Einheit, die vielen anderen Deutschen suspekt vorkommen. Vor allem die Ruhrpottler werden immer mal wieder schräg betrachtet und als stur eingestuft, dabei sind sie das gar nicht. Hier hat man in der Kneipe schneller mal ein Bier in der Hand, als man es bestellt hat. Gut, der Ruhrgebietler an sich ist manchmal etwas bollerig, aber er hat Herz und schließt andere gern in ein solches. Die Serie „Hans im Glück aus Herne 2“ zeigt dieses Ruhrgebiet und seine Menschen, wobei ein wenig zu sehr auf typische Montan-Optik abgestellt wird. Sicherlich gab es Anfang der 80er Jahre auch noch die in der Serie gezeigten Schmuddelecken, doch auch damals überwog schon der grüne Anteil in den Städten. Insofern zeigt die Sendereihe natürlich authentische Bilder aus dem Pott, aber eben nicht alle Facetten die er zu bieten hat. Inhaltlich begleitet die Geschichte den 16-jährigen Hans der eine Lehrstelle sucht.  

Regisseur Roland Gall hat die meisten Rollen mit Laiendarstellern besetzt und verzichtete bei den Dreharbeiten weitgehend auf Regieanweisungen. Dadurch bekommt die Kurzserie einen gewissen Charme und trotz Inszenierung wirkt das Geschehen echt. Es ist nichts Spektakuläres, was da gezeigt wird, dafür gibt es Leben pur. Und hier versucht Hans seine Position in der Gesellschaft zu finden, was allerdings schon Anfang der 80er durchaus ein Problem sein konnte. Lehrstellenmangel gab es auch schon vor fast 30 Jahren und Probleme in der Familie sind auch heute noch aktuell. Bei genauerer Betrachtung hat sich für die Jugend nichts verändert, nur die Optik der Klamotten. Damals gab es Jeansjacken mit selbst aufgenähten Adlern mit „Zündapp“-Schriftzug, die Hosen waren unten etwas weiter und eine Lederkutte mit Jeansweste gehörte zum optischen Alltag. Wer in dieser Zeit groß geworden ist, für den ist die Serie ein waschechter Retrotrip. Doch dies ist keine Bedingung für eine Spielreihe die überzeugend eine Art Zeitdokument eingefangen hat.  

Das „Herne 2“ im Titel ist eine Art Insider für Pottler, denn im Prinzip weiß jeder, dass sich dahinter Wanne-Eickel verbirgt, welches im Zuge der Gebietsreform 1975 seine Kreisfreiheit verlor und der Stadt Herne angegliedert wurde. Und so tauchen auch immer wieder mal Symbole und Wahrzeichen des Ruhrgebiets auf, die man sich am besten selbst ansieht. Auch die verschiedenen Personen wie der Budenbesitzer, die nörgelnde ältere Dame und die Gruppen, die sich um den Kiosk herum ansammeln, sind authentisch. Die sieben Episoden sind schnell gesehen und der Vergangenheits-Trip ist viel zu schnell vorbei.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität entspricht der eines Fernsehspiels. Sie ist angesichts des Alters akzeptabel auch wenn die Optik manchmal etwas grob wirkt und ein Bildrauschen permanent vorhanden ist. Die Farben wirken echt und alles andere als überfrachtet. Der Ton ist in Ordnung und die Dialoge sind gut verständlich,

 Die Extras sind sehr üppig und interessant. Zunächst zeigt das Filmtagebuch unmittelbar nach den Dreharbeiten, welche Eindrücke die jungen Nachwuchs- bzw. Laienschauspieler gewonnen haben. Danach kommt dann der große Rückblick nach 30 Jahren. Es ist interessant zu sehen was aus den Menschen geworden ist. Das nächste Extra widmet sich der Filmmusik und sämtliche Stücke aus der Miniserie können abgespielt werden. Danach folgen mehrere Bildergalerien, die nach verschiedenen Anlässen sortiert wurden und der Originaltrailer. Zum Schluss folgen noch Texttafeln zu Roland Gall und Tana Schanzara. Als Beilage wartet noch ein 16-seitiges Booklet.

Fazit:
 „Hans im Glück aus Herne 2“ zeigt Leben in Reinkultur und das macht diese Sendereihe aus dem Anfang der 80er Jahre so sehenswert. Roland Gall tat gut daran, seine Laienschauspieler nicht an das Drehbuch zu fesseln, sondern ihnen freie Hand zu geben. Technisch ist die DVD alles andere als überragend, doch die Extras sind mehr als umfangreich.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
7 Folgen a ca. 45 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Tagebuch - Ein Film nach den Dreharbeiten
  • 30 Jahre danach
  • Die Filmmusik
  • Bildergalerien
  • Originaltrailer
  • Roland Gall
  • Tana Schanzara
  • 16-seitiges Booklet
Hans im Glück aus Herne 2 - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Hans im Glück aus Herne 2
Hans im Glück aus Herne 2

Bild unseres Mitarbeiters Jörg Hesse
Ruhrkultur für alle


Autor der Besprechung:
Jörg Hesse

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 1983
Regie:
Roland Gall
Drehbuch:
Roland Gall, Willi Thomczyk
Darsteller:
Peter Danneberg, Frank Schlosinski, Claudia Minervino, Tana Schanzara, Hildegard Wolf

Label Deutschland :
e-m-s
Verkaufsstart Deutschland :
30.08.2009