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DVD-Besprechung - Crips and Bloods

Story:
In Los Angeles, Kalifornien, genauer South Central, existiert ein riesiger, sozialer Brennpunkt. In diesem Gebiet herrscht das Gesetz der Straße und es existieren bürgerkriegsähnliche Zustände. Hier bekämpfen sich seit den 1960er Jahren die rivalisierenden afro-amerikanischen Gangs der "Bloods" und der "Crips". Die perspektivlosen Jugendlichen dieser Viertel werden direkt in einen brutalen Überlebenskampf hineingeboren und werden über kurz oder lang selbst zu kriminellen Gangmitgliedern. Die staatlichen Institutionen sind an einer Beseitigung dieses Schwelbrandes aber offensichtlich nicht interessiert und beschränken sich darauf diese Problematik von den Wohnvierteln der bessergestellten Bevölkerung fernzuhalten.

Meinung zum Film:
"Crips and Bloods", im Original wesentlich treffender als "Made in America" benannt, stammt aus der Feder des ehemaligen Skateboarders und heutigen Dokumentarfilmers Stacy Peralta ("Dogtown and Z-Boys"). Entgegen der etwas deplaziert wirkenden deutschen Marketingkampagne geht es in "Crips and Bloods" keineswegs um die "härtesten Gangs der Welt" oder eine Glorifizierung der Coolness von Ganggewalt, sondern vielmehr handelt es sich hier um einen Appell an die Außenwelt, das traurige Schicksal der Jugendlichen in diesen Vierteln nicht zu ignorieren und sie nicht nur pauschal als asoziale Kriminelle zu verurteilen. Die Dokumentation bemüht sich allerdings nicht um eine detaillierte Nachzeichnung der Konflikte zwischen "Bloods" und "Crips" oder um eine Offenlegung deren interner Strukturen und kriminellen Aktivitäten. Vielmehr befaßt sich die Dokumentation damit die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen nachzuzeichnen, die erst die Entstehung von schwarzen Ghettos und die Gründung dieser Gangs ermöglichten bzw. förderten.

Die gewählte Perspektive des Films ist dabei die der afro-amerikanischen Bewohner dieser sozialen Brennpunkte. So gibt es im Verlauf der Dokumentation immer wieder Kommentare von Gangmitgliedern, Anwohnern und Gangaussteigern, aber auch regelmäßig Einschätzungen externer Fachleute sowie statistische Erhebungen zur Problematik. Neben diesen aktuellen Aufnahmen besteht die Dokumentation aus zeitgenössischem Archivmaterial in Form von Videos und Fotos. Dieses Bild- und Tonmaterial wird äußerst effektiv und stylisch montiert und zudem mit einer ansprechenden, musikalischen Kulisse unterlegt. Die Dokumentation richtet sich stilistisch offensichtlich an ein jüngeres oder junggebliebenes Publikum und bewegt sich dabei in einer Schiene mit Produktionen wie "Cocaine Cowboys", wobei im Falle von "Crips and Bloods" allerdings deutlich weniger auf vordergründige Effekthascherei gesetzt wird.

Die Dokumentation beschränkt sich aber nicht auf eine simple Darstellung der trostlosen Zustände und legt auch nicht nur Ursachen dafür, wie z.B. kulturelle Orientierungslosigkeit, Abstumpfung, Mangel eines intakten familiären Umfelds, oder verbaute Bildungschancen, offen, sondern bemüht sich auch privat finanzierte Lösungsansätze und Initiativen vorzustellen und für deren Unterstützung zu werben. Aufgrund der staatlichen Zurückhaltung handelt es sich hier im Normalfall um Basisarbeit, gerade von ehemaligen Gangmitgliedern, denen die Schattenseiten dieser Existenz nur zu gut bekannt sind, die jedoch den Ausstieg geschafft haben, oft mit fremder Hilfe, und diese Erfahrungen jetzt selbst an andere weitergeben möchten. Im Verlauf der Dokumentation gibt es einige emotional sehr aufreibende Sequenzen. Dabei handelt es sich beispielsweise um eine Kamerafahrt vorbei an weinenden Müttern, die um ihre durch Ganggewalt ums Leben gekommenen Söhne trauern. Jedoch werden die Gefühle der Beteiligten nie plakativ ausgeschlachtet, sondern folgen stets der aufrüttelnden Zielsetzung des Films.

Digitale Aufarbeitung:
Die aktuellen Aufnahmen der Dokumentation bewegen sich erwartungsgemäß auf einem qualitativ guten Niveau. Die Bildqualität des Archivmaterials aus unterschiedlichen Quellen schwankt hingegen und ist nicht immer auf der Höhe der Zeit, unterstützt aber die intendierte Aussage der jeweiligen Filmpassage. Die deutschen Tonspuren präsentieren die Dokumentation im Voice-over Verfahren. Der deutsche Erzähler und die einzelnen Sprecher wirken professionell und sind stets gut verständlich. Zudem wird der Film durch stimmungsvolle Musik stets ansprechend untermalt. Wer den englischen Originalton, bzw. die Sprecher im Originalslang, bevorzugt, nutzt die optionalen deutschen Untertitel.

Im Bonusmaterial der DVD befindet sich das gelungene Making of zum Film (27:10). Hier kommen die Macher der Dokumentation zu Wort und informieren über die Stoßrichtung des Films, berichten über den brisanten Dreh an Originalschauplätzen sowie die Zusammenarbeit mit dem "Viertel". Außerdem gibt es Details zur Produktionsweise des Films und Impressionen zur Premiere der Dokumentation beim Sundance Festival. "Gangsta Rap & the Spread of the Gangs" (30:57) ist hingegen eher ein etwas beliebig wirkender Zusammenschnitt von Interviewmaterial, das es nicht in den eigentlichen Film geschafft hat. Zwar gibt es thematische Schwerpunkte wie "Strafvollzug" oder "Überlegungen zur Gewalt" unter denen die verschiedenen Statements gruppiert werden, trotzdem wirkt diese Zusammenstellung nicht sehr homogen und ist auch nicht wirklich tiefschürfend. Beide Features verfügen über deutsche Untertitel. Neben einem sehr ausführlichen, deutschen Trailer (4:47) gibt es noch zwei kurze, entbehrliche Interviews mit den Rappern Lil Wayne (2:22) und Snoop Dogg (4:27), die den Film quasi promoten. Die DVD besitzt ein Wendecover.

Fazit:
"Crips and Bloods" bewegt sich fernab von naiver und kommerziell motivierter Glorifizierung von Ganggewalt und bemüht sich vielmehr um eine Nachzeichnung historischer und gesellschaftlicher Ursachen für Ghettoisierung und soziale Mißstände in amerikanischen Problemvierteln. Die Dokumentation nimmt dabei die Perspektive der direkt Betroffenen ein und bemüht sich auch um eine Würdigung von Initiativen, die sich der Bekämpfung dieser sozialen Mißstände verschrieben haben, beschränkt sich also nicht nur auf eine Darstellung der trostlosen Zustände, sondern zeigt auch Lösungsansätze auf und fordert ein gesellschaftliches Umdenken. Technisch bietet die DVD eine gute Qualität und verfügt zudem über interessantes Bonusmaterial.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,78:1
1,78:1
89:16 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Making Of
  • "Gangsta Rap & the Spread of the Gangs"
  • Interviews mit Lil Wayne und Snoop Dogg
  • Deutscher Trailer
Crips and Bloods - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Crips and Bloods
Made in America

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Engagierter Appell gegen Ganggewalt und für eine Beseitigung sozialer Mißstände in amerikanischen Problemvierteln


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2008
Regie:
Stacy Peralta
Drehbuch:
Stacy Peralta, Sam George

Label Deutschland :
Sunfilm Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
14.08.2008