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DVD-Besprechung - Kategorie C

Story:
Die Polizei unterteilt Fußballfans in drei Kategorien. In die Kategorie A fallen normale, friedliche Fußballfans. Die Kategorie B umfasst gewaltbereite Fußballfans, die z.B. aufgrund überkochender Emotionen zu Gelegenheitsgewalttätern mutieren können. Vertreter der Kategorie C hingegen suchen mit Vorsatz die gewalttätige Auseinandersetzung und planen diese auch im voraus. Aufgrund der zunehmenden Sicherheitsvorkehrungen bei Fußballspielen im Profibereich verlagern sich die Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Gruppierungen der Kategorie C immer stärker in das Umfeld niederklassiger Begegnungen oder immer stärker fernab des eigentlichen Austragungsortes der Begegnungen.

Meinung zum Film:
Franziska Tenner ("No Exit") wagt sich mit der Dokumentation "Kategorie C" an ein heikles Thema, die Gewalt im Umfeld des Fußballs und deren Ausübung durch Hooligans. Diese Thematik ist spätestens seit dem brutalen Überfall auf Daniel Nivel im Rahmen der Fußball-WM 1998 in Deutschland ständig auf der Tagesordnung und sorgte gerade im Vorfeld der Fußball-WM 2006 in Deutschland für aufgeheizte Diskussionen. Die Diskussion um den Einsatz von Bundeswehrsoldaten im Inneren, um die Sicherheit bei der WM zu gewährleisten, war schließlich der Auslöser für Franziska Tenners Dokumentarfilmprojekt. Ihre eingangs formulierte Definition dieser Gewalttaten als Angriff auf das staatliche Gewaltmonopol verliert sie jedoch schon sehr früh aus den Augen. In "Kategorie C" konzentriert sich die Regisseurin auf den Dunstkreis der beiden Leipziger Traditionsclubs Lok Leipzig (früher VFB Leipzig) und Sachsen Leipzig (früher Chemie Leipzig), die mittlerweile fernab vergangener Glanzzeiten in der 5. Liga, bzw. Oberliga Nordost, kicken, und deren konkurrierende Hooligangruppierungen. Zu diesem Zweck interviewt Tenner jeweils zwei Hooligans beider Lager, und zwar einen jüngeren und einen älteren Vertreter dieser "Fanszene". Außerdem ist sie mit ihrem Kameramann bei Punktspielen vor Ort und versucht die aufgeheizte Lage am Standort zu filmen.

Die mediale Aufbereitung der Thematik Gewalt im Fußball schwankt immer wieder zwischen fachfremden Oberflächlichkeiten und künstlich geschürter Massenhysterie, wird der Sachlage aber nur selten gerecht. Gerade Pauschalisierungen der Medien gegenüber Fußballfans allgemein haben bereits dazu geführt, dass sich auch Faninitiativen der Zusammenarbeit mit der Presse verweigern oder sich zu Gegendarstellungen genötigt sehen, wie z.B. jüngst im Zusammenhang mit der Ausstrahlung der WDR-Sendung "Hier und Heute: Die Hooligan-Cops", in deren Verlauf die vermittelten Bilder und die eingespielten Kommentare selten deckungsgleich erschienen. Insofern hatte auch Frau Tenner damit zu kämpfen, dass sie keineswegs offene Türen einlief, und beispielsweise von "Ultra"-Gruppierungen, die übrigens im Film als eigene Kategorie beinahe völlig außen vor bleiben, regelrecht ausgesperrt wurden. Die Methodik der Regisseurin wirkt allerdings auch nicht wirklich überzeugend, so gibt sie sich einerseits, ohne Vorverurteilungen, offen für die Gedankenwelt ihrer Interviewpartner, hat sich aber andererseits schon darauf festgelegt, sich auf den soziologischen Zusammenhang von "Männlichkeit und Gewalt" zu versteifen. Aufgrund dieser Festlegung wurden beispielsweise von Anfang an politische Motive ausgeklammert, obwohl einer der Hooligans klar mit rechtem Gedankengut harmonisiert, schlichtweg mit der Begründung, Gewalt wäre zuerst dagewesen und Politik instrumentalisiere diese erst im Nachhinein.  

Diese eingeschränkte Sicht wird zudem durch die etwas naive Herangehensweise der im Hinblick auf den Rasensport und dessen Begleiterscheinungen eher fachfremden Regisseurin weiter trivialisiert. Kritische Nachfragen gegenüber den Interviewpartnern bleiben weitgehend aus, so dass diese sich hier mehr oder weniger verbal ausbreiten dürfen. Da wird viel über Ehre, Elitebewusstsein und Männlichkeitsrituale berichtet, erlittene Verletzungen werden marginalisiert und die zuvor noch negierte Existenz von Regeln im Verlauf der Auseinandersetzungen wird plötzlich durch einen angeblichen Ehrenkodex karikiert, der dafür sorgt, dass niemand über die Stränge schlägt. Es gelingt dem Film jedoch nie, solche zweifellos vorhandenen Widersprüche zur Sprache zu bringen oder diese wirklich zu betonen. Ein weiteres Indiz für die Oberflächlichkeit der Dokumentation ist die weitgehende Ausklammerung des sozialen Umfeldes der vier Hauptprotagonisten. Die Vereinsseite bekommt nie Gelegenheit, sich zur Problematik zu äußern, die Arbeit von Fanbetreuern bleibt außen vor und auch die Rolle des DFB und der Politik wird weitgehend ausgeklammert. Zudem wird die lange zurückreichende Rivalität der beiden Leipziger Vereine lediglich angerissen, wobei sich die innerstädtische Situation mittlerweile durch die mit Sponsorenmillionen von Red Bull begünstigte Formierung des "RB Leipzig" als potentiellem, neuem Feindbild für beide Gruppierungen grundsätzlich verschoben haben dürfte. Auch bei der Darstellung der Auseinandersetzungen gelingt es den Verantwortlichen nicht, aussagekräftiges Bildmaterial zu liefern, stattdessen wird auf die Privatarchive der Hooligans zurückgegriffen, die unscharfes und verwackeltes Material ihrer "Schlachten" beisteuern.

Digitale Aufarbeitung:
Die DVD bietet eine gute Schärfe, die Farbgebung wirkt natürlich, wenn auch etwas zurückhaltend, und die Kontrastwerte bewegen sich auf einem zufriedenstellenden Niveau. Die Kompression arbeitet ebenfalls unauffällig. Die Interviewsequenzen sind durchgehend gut verständlich, bei den eher hektischen Außendrehs gibt es aber naturgemäß auch Hintergrundgeräusche.

Das Interview mit Regisseurin Franziska Tenner (29:40) liefert zu Beginn ein paar interessante Einblicke in ihre Motivation für den Dreh der Produktion und über ihre Herangehensweise an das Thema, verliert sich dann aber irgendwo in eher naiv wirkenden, soziologischen Binsenweisheiten über die "Neudefinition von Männlichkeit". Das Interview mit Kameramann Matthias Tschiedel (15:15) thematisiert im Grunde nur dessen negative Erfahrungen, bzw. Anfeindungen, bei den Dreharbeiten, die doch etwas übertrieben ausgeschmückt werden. Die Deleted Scenes umfassen einen Polizeieinsatz in Bratislava (6:08), einen Polizeieinsatz beim Spiel Lok Leipzig und Aue (4:54) sowie die komplette Verhaftung des Hooligans Marcel L. (13:36), die aber auch fast komplett im Film enthalten ist, und wirken insgesamt wenig aussagekräftig. Im DVD-ROM-Bereich befindet sich nochmal das gleiche Interview mit der Regisseurin sowie eine Kategorisierung der Fußballfans, nebst weiteren Begriffsdefinitionen im PDF-Format.

Fazit:
Auch "Kategorie C" ist leider wieder nur eine oberflächliche Zusammenstellung bekannter Klischees zum Thema Gewalt im Umfeld des Fußballs. Die Dokumentation leidet vor allem unter der Festlegung auf die Gewalt als Männlichkeitsritual und klammert wichtige Aspekte, wie das soziale Umfeld oder politische Motivationen, weitgehend aus. Auch die präventive Arbeit der Vereine oder Faninitiativen wird ausgeklammert. Das verwendete Bildmaterial ist weder schockierend noch besonders spektakulär und gegen Ende begibt sich die Dokumentation mit dem Bildmaterial von der WM 2006, wie der Kameramann im Interview selbst zugibt, auf einen konzeptionellen Irrweg.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,78:1
1,78:1
84:19 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Interview mit Regisseurin Franziska Tenner
  • Interview mit Kamermann Matthias Tschiedel
  • Deleted Scenes
  • Interview mit Regisseurin Franziska Tenner (DVD-ROM)
  • Kategorisierung von Fußballfans (DVD-ROM)
Kategorie C - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Kategorie C
Kategorie C

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Keine neuen Erkenntnisse über das Wirken von Hooligans, dafür aber viele Oberflächlichkeiten und Klischeedenken


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2008
Regie:
Franziska Tenner
Drehbuch:
Franziska Tenner

Label Deutschland :
Epix
Verkaufsstart Deutschland :
23.10.2009