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DVD-Besprechung - King of B-Movies

Story:
Marty Fineman (Jerry Stiller) ist B-Movie-Regisseur aus Leidenschaft und hat in seiner langen Karriere bereits 427 Filme gedreht. Alle beinhalteten die Elemente, die von den Zuschauern wirklich gewürdigt werden, nämlich "Titten, Ärsche und Explosionen". Die Filme enthielten aber auch sozialkritische Botschaften und das Ziel seines Schaffens war immer, mit seinen Kreationen zumindest soviel Geld zu verdienen, dass der weiteren Filmproduktion nichts im Wege stände. Gegenwärtig steht Fineman jedoch vor dem Ruin und es droht sogar der Ausverkauf seines Filmstocks zu Ramschpreisen. Ein Lichtblick am Horizont sind lediglich die Exklusivrechte für die Verfilmung des Lebens von William Henry Ellis (Larry Hankin), eines durchgeknallten Serienkillers, und eine Retrospektive seines Lebenswerks im Rahmen des High Desert Film Festivals.

Meinung zum Film:
"King of B-Movies" ist eine Komödie im Stil einer fiktiven Dokumentation über das Leben Marty Finemans, also eine sogenannte "Mockumentary". Der Film ist bereits neun Jahre alt, erscheint aber erst jetzt erstmals in Deutschland. Das ist ein wenig verwunderlich, wo doch die Hauptrolle mit dem kauzigen Jerry Stiller, in Deutschland bestens bekannt durch "King of Queens" oder "Seinfield", und außerdem der Vater von Ben Stiller ("Tropic Thunder"), relativ prominent besetzt wurde. Regisseur Stephen Kessler, der auch am Drehbuch beteiligt war, trat hingegen bisher lediglich mit der Komödie "Viva Las Vegas", der dritten Fortsetzung der Abenteuer um Familie Griswald aus dem National Lampoons-Universum, in Erscheinung. Für die "Glaubwürdigkeit" der Inszenierung konnten außerdem zahlreiche Regisseure gewonnen werden, die sich über das Werk ihres Kollegen Fineman auslassen. Deren Riege umfasst Namen wie Roger Corman ("Der Mann mit den Röntgenaugen"), Ron Howard ("Car Crash Auto 2") und Peter Bogdanovich ("Bewegliche Ziele"). Zudem kommen Genreschauspieler wie Fred Williamson ("Inglorious Bastards") oder Karen Black ("Landhaus der toten Seelen") zu Wort oder agieren in den fiktiven Filmtrailern.

Die Idee, eine fiktive Dokumentation über einen Regisseur aus der Königsklasse des Films, dem B-Movie, zu drehen, birgt eine Menge humoristisches Potential. Und wenn diese Hauptrolle dann auch noch mit einem talentierten Komiker wie Jerry Stiller besetzt wird, sollte eigentlich nicht mehr viel schiefgehen. Allerdings birgt dessen Besetzung auch schon direkt einen Nachteil. So kokettieren Mockumentaries wie Werner Herzogs "Incident at Loch Ness" beispielsweise immer auch mit der Realität und beide Ebenen überlagern sich. "King of B-Movies" trägt hingegen von Anfang an viel zu dick auf und Jerry Stillers Gesicht ist zu bekannt, um einen solchen Effekt zu erzielen. Leider entpuppt sich auch die Story des Films als sehr unspektakulär und fällt eher in die Kategorie "ganz nett", trägt den Film aber leider nicht wirklich. Gerade der vielversprechendste Handlungsstrang, die heikle Verfilmung der Serienkillerbiographie von William Henry Ellis, findet schon recht bald ein sehr überraschendes, aber auch abruptes Ende.  

Die ersten 40 Minuten des Films werden hingegen noch weitgehend unterhaltsam präsentiert. Das liegt aber weniger an der Rahmengeschichte um den Alltag des Regisseurs oder an den eingestreuten Interviews mit wichtigen Köpfen der Filmbranche, die leider selten wirklich pointiert erscheinen, sondern vielmehr an den Filmausschnitten einiger "Fineman-Klassiker". Diese erinnern hinsichtlich ihres Humors ein wenig an "Weird Al" Yankovics Komödienklassiker "UHF - Sender mit beschränkter Hoffnung" aus dem Jahr 1989. So kämpfen bei Fineman z.B. weibliche Bikergangs wie die "Ökoengel", frei nach dem Motto "Schon die Umwelt, dusch mit einem Freund", für ein ökologisches Bewusstsein. Sehr amüsant gestaltet sich auch seine makabre Aufarbeitung des Vietnamtraumas mit Antikriegsbotschaft. Darin werden zwei siamesische Zwillinge, der eine Patriot, der andere Pazifist, gemeinsam nach Vietnam versetzt. Der pazifistische Zwilling stirbt im Einsatz. Sein Bruder kehrt zurück, mutiert zum Hippie, spricht fortan auf Antikriegsdemos und ist dabei weiterhin mit seinem toten Bruder untrennbar verbunden. Nach etwas mehr als 40 Minuten ist die Luft dann allerdings auch raus und auch Jerry Stiller ist nicht so kauzig, wie man das von einem B-Film-Gott erwarten würde. Der Film driftet dann auch zunehmend ins Melodramatische ab. Alles worüber sich der Film zuvor augenzwinkernd lustig gemacht hat, muss plötzlich zwanghaft als visionäres Kino gewürdigt werden und dadurch steht auch einem versöhnlichen, aber unglaubwürdigen Happy End nichts mehr im Wege.

Digitale Aufarbeitung:
Die DVD bietet eine gute Schärfe und kräftige, natürliche Farben. Die Kompression verhält sich unauffällig, es ist aber ein deutliches Bildrauschen erkennbar. Hinsichtlich der Kontrastwerte neigt der Film zu leichten Überstrahlungen. Die deutsche Tonspur bietet zu jeder Zeit eine gute Verständlichkeit. Die deutsche Synchronisation ist sehr professionell ausgefallen und beinhaltet Jerry Stillers gewohnte Synchronstimme. Die O-Töne der Filmschaffenden werden als deutsches Voice-over präsentiert. Die englische Tonspur wirkt weniger kräftig, ist aber ansonsten ebenfalls gut verständlich.

Die Extras sind sehr übersichtlich ausgefallen und bestehen lediglich aus sechs kurzen Deleted Scenes (6:59), einem Making Of des Titelsongs von Nancy Sinatra (5:14) sowie einer Bio- und Filmographie von Jerry Stiller in Textform, im Umfang von fünf Bildschirmseiten.

Fazit:
"King of B-Movies" besitzt als Mockumentary einiges humoristisches Potential, leidet aber unter einem schwachen, eher einfallslosen Drehbuch und der Tatsache, dass sich Jerry Stiller in seiner Rolle nicht wirklich entfalten kann und zu bodenständig wirkt. In den ersten 40 Minuten überdecken die teilweise durchaus amüsanten Parodien auf typische B-Filme noch diese Schwächen, danach geht dem Film aber zunehmend die Puste aus und der Schwenk ins melodramatische Fach wirkt aufgesetzt und zieht den letztendlich bestenfalls "ganz netten" Film nur unnötig in die Länge. Technisch ist die DVD durchaus zufriedenstellend ausgefallen, das Bonusmaterial kann aber nicht überzeugen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,78:1
1,78:1
85:02 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Sechs Deleted Scenes
  • Making Of des Titelsongs von Nancy Sinatra
  • Bio- und Filmographie von Jerry Stiller
King of B-Movies - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
King of B-Movies
The Independent

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Mockumentary über einen kauzigen B-Movie-Regisseur, die ihr Potential leider zu selten abruft


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2000
Regie:
Stephen Kessler
Drehbuch:
Stephen Kessler, Mike Wilkins
Darsteller:
Jerry Stiller, Janeane Garofalo, Max Perlich, Peter Bogdanovich, Ron Howard, Roger Corman, Fred Williamson, Karen Black

Label Deutschland :
Epix
Verkaufsstart Deutschland :
23.10.2009