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DVD-Besprechung - Nordsee ist Mordsee

Story:
Uwe (Uwe Bohm) lebt in einer Hochhaussiedlung in Hamburg. Sein Vater (Marquard Bohm) ist immer wieder betrunken und schlägt den Jungen, bis dieser eines Tages auf die Idee kommt, abzuhauen. Zusammen mit seinem neuen Freund Dschingis (Dschingis Bowakow) will er auf einem Floß die Elbe hinunter, hin zur Nordsee. Doch das Ausreißen ist nicht so einfach, wie es sich die beiden Jugendlichen gedacht haben und so brechen sie in einen Kiosk ein und klauen ein Segelboot. Sie genießen die scheinbare Freiheit, doch sie wissen, dass sie mit Sicherheit aufgegriffen werden.

Meinung zum Film:
„Nordsee ist Mordsee“ ist ein kritischer Jugendfilm, der viele Situationen aufnimmt, mit denen Heranwachsende konfrontiert werden können. Häusliche Gewalt, Jugendkriminalität oder auch Rassismus sind feste Bestandteile des Films von Hark Bohm („Yasemin“). Da Bohm auch die Geschichte selbst geschrieben hat, konnte er das Maß an Moral selbst steuern. Ohne den Finger mahnend zu erheben, erlebt seine Hauptfigur Uwe eine Läuterung und im Hinblick auf Vorurteile sogar eine volle Kehrtwende. Es werden Mechanismen gezeigt, wie Kinder bzw. Jugendliche bestimmte Verhaltensmuster annehmen. Uwes Vater ist regelmäßig betrunken und in diesem Zustand aggressiv. Er schlägt seinen Jungen unbegründet und erniedrigt ihn mit seiner Gewalt. Uwe hingegen spielt sich zum Anführer einer kleinen Gruppe von Jugendlichen auf und kommt auf kleinkriminelle Ideen.  

Da Uwe seinen Frust loswerden will, richtet sich sein Fokus auf den Asiaten Dschingis. Mit Spott und Häme macht sich die Gruppe über ihn lustig, wobei Uwe stets der Wortführer ist. Der entscheidende Punkt ist dann eine körperliche Auseinandersetzung zwischen ihm und Dschingis, die letzterer für sich entscheidet. Und als der Sieger Uwe zwingt, mit ihm ein zerstörtes Floß gemeinsam zu reparieren, erwächst eine Freundschaft zwischen den beiden Jungs. Auch wenn der Film schon von 1976 ist, so sind die Probleme doch 1:1 auf die heutige Zeit übertragbar. Während Uwes Flucht angesichts seines prügelnden Vaters verständlich sind, so ist Dschingis Motiv eher harmlos, aber auch nicht ohne, denn als er von seiner Mutter Unterstützung erwartet, erhält er sie nicht. Sie hat zwar alle guten Gründe auf ihrer Seite, doch ein Heranwachsender lässt nun mal echte Argumente nicht gelten.  

Die Bilder, die Hark Bohm anbietet, sind authentisch und bilden u.a. eine Art Zeitdokument und mit einer schwachen Erinnerung nimmt der Zuschauer wahr, dass beim Imbiss das halbe Hähnchen für 3,90 DM angeboten wurde. Neben den guten bildlichen Eindrücken besingt im Hintergrund Panikrocker Udo Lindenberg den Film. Die Lieder sind melancholisch und handeln vom Weglaufen, von einer verzweifelten Jugend. Somit passen sie vorzüglich zur Geschichte von Uwe und Dschingis. Auch die schauspielerische Leistung kann sich sehen lassen, denn hier fällt keiner aus der Rolle und vor allem Uwes Clique sticht herrlich schnodderig heraus.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild wirkt überraschend ordentlich und die Farben sind realistisch. Der Kontrast ist gut und lediglich das deutliche Bildrauschen lässt erahnen, auf welchem älteren Bildmaterial das Bild beruht. Beim Ton wurde nicht viel Aufwand betrieben, was sich aber nicht negativ auswirkt. Die Dialoge sind stets gut verständlich und es gibt nichts zu bemängeln.

Extras gibt es nicht.

Fazit:
„Nordsee ist Mordsee“ ist ein sehr guter Jugendfilm, der es wert ist, gesehen zu werden. Es kommt kein Moralhammer, aber die Einsicht, dass sich etwas ändern kann. Bild und Ton sind zwar älter, aber in Ordnung.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,66:1
1,66:1
82:14 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
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Nordsee ist Mordsee - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Nordsee ist Mordsee
Nordsee ist Mordsee

Bild unseres Mitarbeiters Jörg Hesse
Sehenswerter Jugendfilm, der immer noch aktuell ist


Autor der Besprechung:
Jörg Hesse

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 1976
Regie:
Hark Bohm
Drehbuch:
Hark Bohm
Darsteller:
Uwe Bohm, Dschingis Bowakow, Marquard Bohm, Herma Koehn, Katja Bowakow

Label Deutschland :
Arthaus
Verkaufsstart Deutschland :
16.10.2009