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DVD-Besprechung - Que Viva Mexiko - Es lebe Mexiko

Story:
Das Mexiko des Jahres 1931 hat sich nach langen und blutigen Revolutionswirren stabilisiert und der Diktator Porfirio Díaz, dessen Wahlbetrug im November 1910 die Mexikanische Revolution überhaupt erst auslöste, ist längst Geschichte. In der vorliegenden Dokumentation gewährt Sergei M. Eisenstein einen Einblick in die Kultur und Geschichte des mexikanischen Volkes, der sich vor allem auf Rituale, Bräuche und Traditionen konzentriert, also am ehesten einem kulturanthropologischen oder ethnologischen Ansatz folgt.

Meinung zum Film:
Im Jahr 1931, kurz nach seinem Scheitern in Hollywood, brach der sowjetische Vorzeigeregisseur und Kinorevolutionär Sergei Michailowitsch Eisenstein ("Panzerkreuzer Potemkin") als Anführer einer 3-Mann-Expedition nach Mexiko auf, um vor Ort einen unpolitischen Film zu drehen, der von dem US-Schrifsteller Upton Sinclair ("Der Sumpf") finanziert und produziert werden sollte. Eisensteins Begleiter waren sein Kameramann Eduard Tisse ("Alexander Newski") und sein Regiekollege Grigori Alexandrow ("Die Generallinie"). Zwischen Eisenstein und Sinclair gab es jedoch größere Differenzen und letzterer drehte schließlich den Geldhahn zu, was das Mexiko-Projekt endgültig scheitern ließ. Allerdings veröffentlichte Grigori Alexandrow im Jahr 1979 die vorliegende, eigene Version dieses Films. Sie verwendet Eisensteins Originalaufnahmen und soll im Einklang mit dessen Plänen und Aufzeichnungen, also in seinem Sinne, realisiert worden sein. Der eigentliche Film, bestehend aus dem neu montierten Archivmaterial, wird dabei von einer Einleitung sowie einem Prolog Alexandrows umschlossen. Akustisch wird der Film von einem sehr effektiven Soundtrack untermalt und von einem Erzähler begleitet. Ansonsten gibt es lediglich seltene Soundeffekte, wie Pferdehufe oder Pistolenschüsse, die jedoch alles andere als überzeugend wirken.  

"Que Viva Mexico - Es lebe Mexiko" ist ein filmhistorisches Kuriosum, denn Eisenstein reiste seinerzeit ohne ein klares Konzept für seinen Film nach Mexiko. Erst im Laufe der ersten Dreharbeiten entstand das Konzept einer sechsteiligen Erzählung, die die Geschichte des Landes, seiner Bewohner und die gesellschaftliche Weiterentwicklung umfassen sollte. Aber auch deren exakte Inhalte und Verbindungen untereinander wurden erst mit der Zeit ausgearbeitet und mündeten schließlich in vier Kapitel mit einem Pro- und Epilog. Allerdings wurde der Film nie fertiggestellt und Alexandrow schildert, abweichend von dem angedachten unpolitischen Charakter des Films, Pläne Eisensteins zu einer revolutionären Erzählung, von denen im neu montierten Film letztendlich allerdings nicht wirklich viel zu sehen ist. So konnte beispielsweise das Kapitel "Soldadera", eine Abhandlung über das im Bürgerkrieg befindliche Mexiko des Jahres 1910, nicht mehr realisiert werden.

Leider ist dem Werk die posthume Montage und die unfertige Konzeption deutlich anzumerken. Es ist aufgrund der Entstehungsgeschichte der vorliegenden Fassung müßig über die Schnittkünste Eisensteins zu philosophieren oder darüber zu rätseln, ob Eisensteins Version letztendlich so ausgesehen hätte. Letztendlich ist das zugrunde liegende, ausgewählte Archivmaterial des Films durchaus aussagekräftig und gerade im Zusammenspiel mit der gelungenen Musikuntermalung in Teilen sehr effektiv montiert worden. Allerdings steht den ausführlichen, visuellen Darstellungen von Ritualen, Bräuchen, Festivitäten und Gedenkfeiern der mexikanischen Ureinwohner eine gewaltige inhaltliche Leere gegenüber. Die Kommentare des Erzählers fallen äußerst spärlich aus und Auszeiten dauern durchaus schonmal geschlagene zehn Minuten. Sie dienen zudem häufiger dem Effekt als der Sache und wirken insgesamt, als Schilderung der originären, kulturellen Hintergründe, mehr als unzureichend. Auch ein wirklicher roter Faden zwischen den einzelnen Kapiteln ist schwerlich erkennbar. Falls der vorliegende Film, der aufgrund seiner eigentlich unnötigen, fiktiven "Personalisierungen" der Geschichte schwerlich eine vollwertige Dokumentation darstellt, tatsächlich einem eingängigen Konzept folgte, so ist es jedenfalls in dieser Fassung nicht mehr ableitbar.

Digitale Aufarbeitung:
Die Originalaufnahmen, die diesem Schwarz-Weiß-Film zugrunde liegen, stammen noch aus dem Jahr 1931 und schwanken zudem hinsichtlich ihrer Qualität. Insgesamt bewegt sich die Kompression auf einem angenehm unauffälligen Niveau. Bezüglich der Bildschärfe dürfen zwar keine Wunder erwartet werden, in Anbetracht des hohen Alters bietet sie jedoch immer noch ein gutes Niveau. Das Bild wirkt insgesamt eher blass, hinsichtlich der Kontrastwerte gibt es aber keine größeren Ausreißer. Der Bildstand ist relativ unruhig und diverse Verschmutzungen liegen ebenso vor, wie seltene Bildfehler und ein deutlich wahrnehmbares Rauschen. Auch bei dieser Icestorm-Veröffentlichung gibt es leider keine Originaltonspur. Das ist umso ärgerlicher, weil die deutsche Tonspur in den Passagen mit Alexandrow im Voice-over-Verfahren eingespielt wurde, wodurch sich beide Kommentare unschön überlappen. Im restlichen Film ist hingegen lediglich ein gut verständlicher, deutscher Erzähler zu hören. Untertitel gibt es nicht. Die deutsche Tonspur gibt sich technisch solide, knackt aber teilweise altersbedingt doch recht deutlich.  

Das Bonusmaterial der DVD ist extrem dürftig ausgefallen. Es gibt lediglich eine Bio- und Filmographie von Sergei M. Eisenstein im Umfang von elf Bildschirmseiten sowie eine Bildergalerie.

Fazit:
"Que Viva Mexico - Es lebe Mexiko" ist für Filmhistoriker, Eisenstein-Anhänger und Ethnologen aus unterschiedlichen Gründen sicherlich ein gefundenes Fressen, objektiv betrachtet kann die vorliegende Semi-Dokumentation jedoch weder optisch noch inhaltlich durchgehend überzeugen. Es fehlt dem Film schlichtweg an einem roten Faden und einem eingängigen Konzept, was angesichts der Entstehungsgeschichte nicht unbedingt verwundert. Weit weniger verzeihlich ist jedoch die ungenügende Aufarbeitung grundlegender, kultureller Hintergründe der behandelten Materie. Technisch ist die DVD durchaus zufriedenstellend, das Bonusmaterial ist jedoch sehr unbefriedigend ausgefallen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
84:01 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Bio- und Filmographie von Sergei M. Eisenstein
  • Bildergalerie
Que Viva Mexiko - Es lebe Mexiko - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Que Viva Mexiko - Es lebe Mexiko
¡Que Viva Mexico! - Da zdravstvuyet Meksika!

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Eine posthume Montage, die im Kern nur Filmhistoriker, Eisenstein-Anhänger und Ethnologen ansprechen dürfte


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Sowjetunion / USA / Mexiko, 1979
Regie:
Sergei M. Eisenstein
Drehbuch:
Grigori Alexandrow, Sergei M. Eisenstein
Darsteller:
Grigori Alexandrow und ein Haufen Mexikaner

Label Deutschland :
Icestorm Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
14.09.2009