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Blu-ray-Besprechung - U2 - Rattle and Hum

Story:
"Rattle and Hum" begleitet U2 – auf und hinter der Bühne – während ihrer Joshua-Tree-Tour quer durch Amerika, beobachtet, wie sie neue Einflüsse testet und mit dem legendären B.B. King spielt. Diese Reise führt von Dublin nach Graceland, von San Francisco zu den Straßen von Harlem, von "The Joshua Tree" zu "Rattle and Hum".

Meinung zum Film:
U2 ist nach wie vor eine der beliebtesten und erfolgreichsten Bands der Welt und schafft es immer wieder, selbst die größten Stadien innerhalb von Minuten auszuverkaufen. Ende der 1980er stand die Band auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs und so ist es kein Wunder, dass 1989 mit "Rattle and Hum" ein Film über die Tour zum gleichnamigen Album entstand. Allerdings müssen selbst Hardcore-U2-Fans eingestehen, dass das, was diese Spielfilm-Dokumentation liefert, nicht unbedingt überragend sehenswert ist. Vielleicht liegt es daran, dass die Band zu dieser Zeit etwas zu sehr den Boden unter den Füßen verloren hatte und sich selbst ein gutes Stück zu ernst nahm. Die filmische Qualität selbst leistet allerdings auch ihren Beitrag dazu, dass der Zuschauer eher verwirrt als verwöhnt wird ...

Eine "musikalische Reise" sollte der Film sein, ein intimes Porträt der Band während ihrer Tour, doch ist das Projekt ganz offensichtlich gescheitert. Die vier U2-Jungs sind hinter den Kulissen eigentlich nur dumm-albern herumlachend zu sehen, während Regisseur Phil Joanou sie zu interviewen versucht. Nicht mal der sonst immer so überpräsente Bono schien sich zu dieser Zeit vor der Kamera wohlzufühlen, wenn er nicht auf der Bühne stand, und so sind die sehr kurzen Interview-Sequenzen (nach denen immer ein schneller Cut zum nächsten Song folgt) auch für den Zuschauer unergiebig und noch dazu unangenehm anzuschauen.

Ein weiteres Problem ist die viel zu pompöse Inszenierung Joanous. Er fängt die Band nicht in Bildern ein, die eine Rockband darstellen, sondern vielmehr schon etwas Über-Religiöses haben. Die gigantischen Krankamera-Fahrten und das ständige Anstrahlen der Bandmitglieder, die in riesigen Spotlights stehen, wirken in diesem Zusammenhang einfach unangemessen - noch viel mehr, wenn man sich die lustlosen Szenen ansieht, die hinter den Kulissen spielen. Hier wäre ein etwas ironischerer Ansatz, der Bonos aufgeblasenem Ego dieser Zeit ein bisschen die Luft aus den Segeln nimmt, sicherlich besser gewesen. Zum Glück hat die Band später, in ihrer selbstironischen "Zoo TV"- und "Popmart"-Zeit, wieder die Kurve bekommen. "Rattle and Hum" bleibt aber dadurch leider insgesamt ein Werk, dass man sich zwar mal anhören kann, das aber nicht unbedingt sehenswert ist. Und selbst im Bereich der Musik ist "Rattle and Hum" alles andere als ein Meilenstein, da diese Experimentierphase der Band, in der sie sich Inspiration von unter anderem R'n'B und Gospel holte, keine wirklich erinnernswerten Stücke hervorbrachte.

Digitale Aufarbeitung:
"Rattle and Hum" ist auch technisch weit von Referenzniveau entfernt, was vor allem auch an der Vorlage liegen dürfte. Der MPEG-2-Transfer zeigt den Film sehr verrauscht und grobkörnig, am Ausgangsmaterial hat deutlich der Zahn der Zeit genagt. Immer wieder tauchen Verschmutzungen auf, Kontrast und Schärfe schwanken immer wieder von akzeptabel bis grausam. Die Schwarzweiß-Szenen schaffen es zwar zum Teil, etwas Tiefe zu vermitteln (hier ist besonders "Bad" hervorzuheben), insgesamt ist das Bild aber alles andere als beeindruckend. Der Ton liegt auf Englisch in Dolby Digital 5.1 EX sowie dts 6.1 vor. Zumindest in diesem Bereich kann man nicht über die Qualität klagen. Die Instrumente und Bonos stimmen kommen klar und kraftvoll rüber, die Vocals sind harmonisch in den Gesamtsound eingemischt. Im Surround-Bereich herrscht allerdings eher Sparflamme. Von den Zuschauern ist so gut wie gar nichts zu hören und auch insgesamt bleiben die Rears größtenteils inaktiv.

Als Bonusmaterial gibt es lediglich den Teaser-Trailer zum Film.

Fazit:
"U2: Rattle and Hum" ist ein Film, der ganz offensichtlich zu falschen Zeit entstand. Grundsätzlich bietet er eine sehr nette Idee, doch war die Band 1989 wohl nicht bereit für solch ein Projekt, zumal sie sich auch gerade in einer Phase befand, in der sie sich selbst viel zu ernst nahm. Die Backstage-Szenen sind unergiebig und uninteressant, auch die Setlist dieser Konzerttour ist nichts wirklich Besonderes. So kann man "Rattle and Hum" zwar mal im Hintergrund laufen lassen, zwingend anschauen muss man sich den Film allerdings nicht ... zumal auch die Bildqualität eher mau ist.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,85:1
1,85:1
98:52 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
DTS 5.1
DTS 5.1
Untertitel:
Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Spanisch
Bonusmaterial:
  • Teaser-Trailer
U2 - Rattle and Hum - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
U2: Rattle and Hum
U2: Rattle and Hum

Bild unseres Mitarbeiters Jano Rohleder
Uninteressante und uninspirierte Konzertdoku


Autor der Besprechung:
Jano Rohleder

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1988
Regie:
Phil Joanou
Darsteller:
Bono, The Edge, Adam Clayton, Larry Mullen Jr.

Label Deutschland :
Paramount Home Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
08.10.2009