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DVD-Besprechung - Jericho - Die komplette Serie

Story:
Jake Green (Skeet Ulrich) ist gerade nach längerer Abwesenheit in seine Heimatstadt Jericho zurückgekehrt, als ein riesiger Atompilz am Horizont zu sehen ist. Ohne zu wissen, ob es sich dabei um einen atomaren Unfall, einen Anschlag oder den Ausbruch eines Atomkriegs handelt, sehen sich die Bewohner der einst idyllischen Kleinstadt auf einmal mit Problemen konfrontiert, an die sie am Tag zuvor nicht einmal in ihren schlechtesten Träumen gedacht hätten. Von nun an geht es für sie nur noch darum, zu überleben.

Meinung zum Film:
Die TV-Serie „Jericho“ erinnert ein wenig an den 1983 von Regisseur Nicholas Meyer gedrehten „The Day After“. Meyer zeigte dort zum ersten Mal in größerem Ausmaß das post-nukleare Leben und ließ dadurch die Albträume, in Hinsicht auf einen atomaren Krieg und dessen Auswirkungen, die zu dieser Zeit viele Menschen belasteten, auf der Leinwand Realität werden. „Jericho“ greift dieses Thema ebenfalls auf, vermischt es mit Actionelementen, Soap-Themen und einer Prise Mystery und sorgt so für beste Unterhaltung. Die Grundstimmung der Serie ist aber bei weitem nicht so düster ausgefallen und auch die ein oder andere wissenschaftliche Auslegung ist wie bei Serien oftmals üblich, freundlich ausgedrückt, wohlwollend erfolgt, was hinsichtlich der Dramatik und der Kontinuität der Geschehnisse durchaus zu verzeihen ist. Nachdem „Jericho“ bereits in zwei Staffelboxen erschien, veröffentlicht Paramount die Serie nun auch als Komplettbox. Wer allerdings bereits im Besitz der Einzelveröffentlichungen ist, kann von einem Neukauf absehen. Der einzige Unterschied bei den Veröffentlichungen besteht darin, dass anstelle von zwei Umverpackungen die 5 Slim-Amarays nun in gemeinsam in einem Karton ausgeliefert werden. Wer bislang noch keine der beiden Boxen sein Eigen nennt und vielleicht noch gar nichts von der Serie gesehen hat, bekommt nun aber die Chance, sich das komplette Paket zu einem günstigen Preis ins Wohnzimmer zu holen.  

In den ersten Folgen wird in erster Linie gezeigt, wie die Menschen mit den neuen Lebensumständen klarkommen. Niemand weiß, was wirklich geschehen ist. Der gesehene Atompilz ist der einzige Anhaltspunkt, den die Bewohner haben, da sie nachrichtentechnisch von der Außenwelt abgeschnitten sind. So besteht auch eine große Unsicherheit darüber, was als nächstes folgen wird. Die Einwohner von Jericho müssen dem atomaren Fallout ausweichen, sie müssen die Versorgung mit Lebensmitteln und Wasser sicherstellen, das Stromnetz und die Elektronik aufrecht halten und dazu vor allem die Verfügbarkeit von Treibstoffen gewährleisten. Eine weitere Gefahr ist die Angst vor Plünderern, welche die weitgehend intakte Stadt angreifen könnten. Aus diesem Grund wagt man sich auch nicht aus der Stadt, aus Furcht, dadurch zwielichtige Gestalten auf sich aufmerksam zu machen. Nach und nach wird dann klar, dass es sich bei dem Atompilz nicht um einen Unfall handelte, sondern ein gezielter Angriff dahinter stecken muss. Daraus ergibt sich zusätzlich die Frage, ob es weitere Angriffe geben wird, welche Städte in den USA den bisherigen Angriffen zum Opfer fielen und was vom Land und der Regierung noch übrig ist. Der Spannungsbogen und die Dramatik, die aus den einzelnen Punkten entstehen, sind ähnlich angelegt wie bei der Erfolgsserie „Lost“. In beiden Fällen müssen die Menschen scheinbar abgeschieden von der Umwelt, auf sich allein gestellt klar kommen, ohne dabei zu wissen, welche Gefahren noch auf sie warten und welche Umstände genau für ihre derzeitige Situation verantwortlich sind.  

In Sachen Soap-Elementen wird ebenfalls für reichlich Material gesorgt. Von Eifersüchteleien über Machtspiele, von Intrigen bis hin zu Liebeskummer wird alles geboten, was das Serienherz begehrt. Der Mystery-Faktor wird in erster Linie durch die Frage über den Grund für den atomaren Angriff getragen, durch die Person des Robert Hawkins (Lennie James / „Sahara“) aber zusätzlich aufgewertet. Denn Hawkins ist erst kurz vor dem Anschlag in Jericho eingetroffen, er trichtert seiner Familie zu Beginn eine gemeinsame Vergangenheit ein und hat im Keller einen geheimen Arbeitsraum eingerichtet, in dem er brisante Informationen sammelt und mit der Außenwelt kommuniziert. Ob er zu den Guten oder Bösen gehört, bleibt lange Zeit im Dunklen. Die Vermutung, dass er an den Anschlägen beteiligt war, macht sich schnell bei einigen Bewohnern breit. Auch Jake Green (Skeet Ulrich / „Scream“) hat ein Geheimnis und erzählt nicht viel über die Jahre, in denen er Jericho den Rücken gekehrt hatte. Auch hier wird nach und nach erst aufgedeckt, wie er in den letzten Jahren lebte. Aber auch der ganz normale. langsame Aufbau von neuen Strukturen und das spätere Eingreifen des Staates in das Kleinstadtleben sorgen für reichlich Abwechslung. Es ist schade, dass die Serie bereits nach 29 Episoden beendet war. Denn bis dahin sind einem die Bewohner längst ans Herz gewachsen und es gibt sicherlich nicht wenige, die gerne noch mehr Abenteuer mit ihnen erlebt hätten, auch wenn die Spannung zum Ende hin bereits ein klein wenig nachlässt.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild macht einen guten Eindruck für eine TV-Serie. Es gibt zwar in dunkleren Szenen Rauschen zu erkennen, was aber durch die gute Schärfe und die kräftige Farbgebung problemlos ausgeglichen werden kann. Der deutsche Ton liegt in Dolby Surround vor, spielt sich aber die meiste Zeit über in der Front ab.

Als Extra gibt es über die einzelnen Disks verteilt zu einigen Episoden nicht verwendete Szenen. Auf der jeweils letzten Disk der Staffeln sind zusätzlich noch Filmbeiträge zu finden. Zur Staffel 1 ist dies ein knapp 25-minütiges Making Of, in dem über die Entstehung, das Konzept und die Dreharbeiten von „Jericho“ berichtet wird. Anschließend wirft „Was wäre wenn“ noch einen Blick auf die nukleare Bedrohung in der realen Welt und wie sich Atomwaffen auf die Weltstimmung ausgewirkt haben. Bei den Extras zur 2. Staffel findet sich zunächst wieder ein rund 26-minütiges Making Of, das in ähnlicher Weise auf die Entstehung eingeht, wie es schon bei der 1. Staffel der Fall war. Weiterhin gibt es einen knapp 10-minütigen Bericht mit dem Namen „Der Verrückte“, der sich mit Fans beschäftigt, die alles daran setzten, um die Serie mit einer kreativen Idee vor dem Aus nach der 1. Staffel zu retten und als Druckmittel Nüsse einsetzten. Abschließend folgt noch ein nicht gesendetes, 25-minütiges Serienfinale mit alternativem Ende. Die auf der Box angegebene Bonus-Disc mit weiteren Extras konnte in der Box nicht gefunden werden.



Fazit:
„Jericho“ ist eine äußerst gelungene, post-nukleare Serie, die eine ähnliche Dramaturgie und Spannung vorzuweisen hat wie „Lost“. Wer die beiden Einzelboxen hat, kann die inhaltlich identische Komplettbox in den Regalen stehen lassen. Wer den Bewohnern der Kleinstadt bislang aber noch nicht bei der Bewältigung des neuen Alltags zugesehen hat, sollte jetzt zugreifen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,78:1
1,78:1
29 Episoden á ca. 22 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Surround
Dolby Surround
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Französisch
Dolby Surround
Dolby Surround
Italienisch
Dolby Surround
Dolby Surround
Spanisch
Dolby Surround
Dolby Surround
Untertitel:
Dänisch, Deutsch, Englisch, Finnisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Norwegisch, Schwedisch, Spanisch
Bonusmaterial:
  • Gelöschte Szenen
  • Die Entstehung von Jericho
  • Was wäre wenn?
  • Der Wiederaufbau von Jericho
  • Der Verrückte
  • Patriots and Tyrants - Serienfinale mit nicht gesendetem alternativem Ende
Jericho - Die komplette Serie - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Jericho - Staffel 1 / Staffel 2
Jericho - Season 1 / Season 2

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Eine post-nukleare Mystery-Thriller-Serie, die bestens zu unterhalten weiß


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2006 / 2008
Regie:
Diverse
Drehbuch:
Diverse
Darsteller:
Skeet Ulrich, Ashley Scott, Lennie James, Pamela Reed, Shoshannah Stern, Gerald McRaney, Kenneth Mitchell, Sprague Grayden, April D. Parker, Alicia Coppola, Brad Beyer, Beth Grant, Bob Stephenson, Clare Carey, Michael Gaston

Label Deutschland :
Paramount Home Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
15.10.2009