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DVD-Besprechung - Choke - Der Simulant
Story:
Victor Mancini (Sam Rockwell) ist ein sexsüchtiger Themenparkdarsteller und finanziert die Behandlung seiner demenzkranken Mutter Ira (Anjelica Huston) mit vorgetäuschten Erstickungsanfällen in Nobelrestaurants. Seine "Retter" sind für die Gelegenheit, einmal ein Held zu sein, nämlich dermaßen dankbar, dass sie ihm fortan finanziell unter die Arme greifen. Während sein bester Kumpel Denny (Brad William Henke) die Therapiesitzungen bei den Anonymen Sexsüchtigen sehr ernst nimmt, nutzt Victor diese Treffen nur, um willige Gespielinnen abzugreifen. Eines Tages fühlt er sich jedoch ausgerechnet zu der Ärztin seiner Mutter, Dr. Paige Marshall (Kelly Macdonald), hingezogen und hat plötzlich mit Potenzproblemen zu kämpfen.
Meinung zum Film:
"Choke - Der Simulant" ist die Verfilmung eines Romans des "Fight Club"-Autors Chuck Palahniuk, um den es nach der umjubelten Leinwandpremiere seines Erstlings im Filmgeschäft deutlich ruhiger wurde. Regisseur Clark Gregg ("Unbekannter Anrufer") wählte sich allerdings ausgerechnet für sein Regiedebüt Palahniuks "Choke", aus dem Jahr 2001, und schrieb auch das zugehörige Drehbuch. Die männliche Hauptrolle wurde mit Sam Rockwell besetzt, der ja bereits mit der Neufassung von "Per Anhalter durch die Galaxis" sein komödiantisches Talent unter Beweis stellen konnte. Weitere wichtige Rollen bekleiden Anjelica Huston ("Grifters"), die Schottin Kelly Macdonald ("No Country for Old Men") und Brad William Henke ("Attentat auf Richard Nixon"). "Choke" gewann beim Sundance Film Festival 2008 für die Leistung dieses Ensembles den Spezialpreis der Jury. Danach erwarb 20th Century Fox die Rechte an dem mit 3,5 Millionen US-Dollar eher bescheiden budgetierten Film, der es jedoch in Deutschland nicht einmal in die Lichtspielhäuser schaffte.
"Choke - Der Simulant" ist einer dieser Filme, bei denen sich der Zuschauer die Frage stellt, was er eigentlich gerne darstellen würde. In diesem Fall sind drei verschiedene Gestalten des Films auszumachen, eine eher derbe Sexkomödie, eine gegen die konservative Wertvorstellungen des "American Way of Life" gerichtete Satire und das Drama um einen Menschen, der selten wirkliche Zuneigung erfahren hat und diese nun wiederum seinerseits nicht ausleben kann. Im Hinblick auf die Sexkomödie bleibt der Film, angesichts der Thematik um einen Sexsüchtigen, jedoch erstaunlich harmlos, bzw. beinahe prüde. Von den häufig vorkommenden Geschlechtsakten ist quasi nichts zu sehen, ansonsten verirren sich in den Film lediglich ein paar entblößte Brüste, die jedoch zum Großteil lediglich Victors Vorstellung entspringen. Außerdem existieren im Film noch "Dirty Talk"-Sequenzen mit ein paar Rentnerinnen über ihre Geschlechtsorgane sowie eine Parodie auf Vergewaltigungsphantasien als gängige, sexuelle Praktik. Das mag sich im Ansatz noch recht subversiv und schwarzhumorig anhören, entpuppt sich aber im Film als im wahrsten Sinne des Wortes saft- und kraftlos inszenierter Akt. Dabei liefert Sam Rockwell in der Hauptrolle eine wirklich starke Leistung als stoischer und schamloser Lustmolch, den so leicht nichts aus der Ruhe bringen kann.
Leider wird, nicht zuletzt aufgrund der eingestreuten Kindheitsrückblenden mit Dramencharakter, nie so recht klar, ob der Zuschauer sich mit Victor amüsieren, ihn als Loser bemitleiden, oder ihn einfach als Person akzeptieren soll, die ihren ganz eigenen Weg geht, worauf das Ende hindeutet. Die Story verläuft jedenfalls, trotz der versammelten Sexsüchtigen, weitgehend höhepunktslos und fixiert sich vor allem auf Victor. Sein direktes Umfeld wird zwar darstellerisch durchaus treffend besetzt, die Einbindung der Charaktere erfolgt aber in einer Art und Weise, die es nicht erlaubt, das zweifellos vorhandene Potential der Charaktere wirklich auszureizen.
Digitale Aufarbeitung:
Die Bildschärfe des Films macht einen guten Eindruck, die Kontrastwerte sind ausgewogen und die Farbgebung macht einen natürlichen Eindruck. Für einen derart neuen Film ist das Bildrauschen aber sehr stark ausgefallen und dieser negative Eindruck wird durch auffällige, kompressionsbedingte Unruhen noch weiter verstärkt. Alle drei Tonspuren überzeugen mit guter Verständlichkeit und einer ausgewogenen Abmischung. Die DTS-Tonspur klingt etwas voluminöser, aufgrund der Effektarmut des eher ruhigen, dialoglastigen Films existieren aber ansonsten keine großartigen Vorteile.
Laut Hersteller befindet sich auf der DVD ein Audiokommentar mit Regisseur Clark Gregg und Darsteller Sam Rockwell. Dieser ist jedoch, anders als bei den ausländischen Veröffentlichungen des Films von 20th Century Fox, überhaupt nicht enthalten. Im Bonusbereich finden sich allerdings fünf Deleted Scenes mit einer Gesamtlaufzeit von 11:04 Minuten, die neben der englischen Tonspur auch über einen optionalen Audiokommentar verfügen. Obwohl die Feature-Titel im Menü teilweise sogar eingedeutscht wurden, muss das gesamte Bonusmaterial im englischen Originalton ohne jegliche Untertitel auskommen, nicht gerade vorbildlich für eine deutsche Veröffentlichung. Neben einer Gag Reel (1:43), findet sich im Bonusbereich noch "Die Liebe einer Mutter" (5:37), das sich oberflächlich mit Anjelica Hustons Charakter beschäftigt, und ein kurzes Interview mit Clark Gregg und Autor Chuck Palahniuk (10:34), das vor allem die Umsetzung der Buchvorlage betrifft, aber auch keine wirklich tiefgründigen Erkenntnisse ans Tageslicht bringt. "Mein Name ist Victor und ich bin sexsüchtig" (15:16) soll eine Art Making Of darstellen, enthält aber vor allem endlos recycelte Filmszenen, zudem kommen auch diverse Verantwortliche zu Wort, Szenen vom Dreh sind hingegen so gut wie keine enthalten. Vielmehr werden nochmal die Hauptcharaktere des Films vorgestellt, indem bereits bekannte Eigenschaften wiedergekäut werden. Die Aufnahmen vom L.A. Film Festival (3:51) bestehen lediglich aus zwei kurzen Podiumsansprachen des Regisseurs und des Buchautors. Den Abschluss des Bonusmaterials bilden der deutsche und der englische Trailer. Die DVD wird in einem rosa Digipak mit Schuber ausgeliefert. Das FSK-Logo befindet sich dabei auf der Front dieses Schubers.
Fazit:
"Choke - Der Simulant" ist, trotz zweier überraschender Wendungen gegen Ende, insgesamt ein ziemlich unspektakuläres Werk, das unentschlossen zwischen Sexkomödie, Satire und Drama hin- und herschwankt. Hauptdarsteller Sam Rockwell liefert eine äußerst starke Leistung ab, kann aber, genau wie die guten Nebendarsteller, gegen das wenig pointierte Drehbuch auch nicht mehr viel ausrichten. Das Bonusmaterial macht auf den ersten Blick einen umfangreichen Eindruck, wird aber lieblos präsentiert und ist qualitativ eine herbe Enttäuschung, zumal der angeführte Audiokommentar auf der DVD überhaupt nicht enthalten ist.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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88:01 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Deutsch DTS 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Deleted Scenes
- Gag Reel
- "Die Liebe einer Mutter"
- Interview mit Clark Gregg und Chuck Palahniuk
- "Mein Name ist Victor und ich bin sexsüchtig"
- Aufnahmen vom L.A. Film Festival
- Deutscher Trailer
- Englischer Trailer
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Choke - Der Simulant
Choke
Nicht überall wo Palahniuk draufsteht, wird auch gleich Kultpotential mitgeliefert
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2008 Regie: Clark Gregg Drehbuch: Clark Gregg (basierend auf einem Roman von Chuck Palahniuk) Darsteller: Sam Rockwell, Brad William Henke, Anjelica Huston, Kelly Macdonald, Jonah Bobo, Gillian Jacobs
Label :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart : 23.10.2009
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