 |
DVD-Besprechung - China Girl - Krieg in Chinatown
Story:
Manhattan in den 1980er Jahren. Die Stadtviertel Little Italy und Chinatown liegen nicht weit auseinander. Doch zwischen den Einwohnergruppen herrscht Feindseligkeit und gegenseitige Ablehnung, Übergriffe und Bandenkriege stehen auf der Tagesordnung. Trotz dieser biederen Umstände verlieben sich die Teenager Tony (Richard Panebianco) und Tye (Sari Chang) ineinander. Das Zusammensein wird jedoch von den älteren Brüdern verhindert, die als Anführer ihrer jeweiligen Gang verfeindet sind. Da Tye und Tony sich diesen Regeln nicht fügen wollen, steuern sie auf dramatische Auseinandersetzungen zu und geraten in den Fokus der Ausschreitungen.
Meinung zum Film:
"China Girl" ist ein Film aus dem Jahr 1987, der Völkerhass und die Schwierigkeiten des Zusammenlebens bzw. die Akzeptanz andersstämmiger Personen thematisiert und als moderne Fassung des "Romeo und Julia"-Motivs verstanden werden kann. Wie in William Shakespeares Tragödie von 1597 verlieben sich in "China Girl" zwei Menschen ineinander, die verfeindeten Lagern angehören. Daher können sie ihre Liebe nicht ausleben und eine "normale" Beziehung führen. Regisseur Abel Ferrara ("The Funeral") transportiert diesen klassischen Plot gekonnt in das New York der achtziger Jahre und transformiert die rivalisierenden Familien "Capulet" und "Montague" zu verfeindeten Bevölkerungsgruppen, präzise gesehen auf zwei rivalisierende Gangs, die um die Vorherrschaft in den Manhattaner Stadtteilen kämpfen.
Die Teenager Tony (Richard Panebianco, "NYPD Blue") und Tye (Sari Chang, "21 Jump Street") lernen sich in einer Disko kennen, finden sich sympathisch und kommen einander näher – bis ihre älteren Brüder dazwischen gehen und unmissverständlich klar machen, dass eine derartige Verbindung ein "no-go" sei. Um die Brisanz der Rivalität zu beschreiben, zeigt der Film zwischen der sich entwickelnden Lovestory mehrere Auseinandersetzungen zwischen den Banden und Szenen aus dem Alltag der Menschen in Chinatown und Little Italy, welches durch Anfeindungen und Übergriffe dauerhaft mit Spannungen belastet ist. Dieser Aufbau funktioniert hervorragend, da dem Publikum authentisch vermittelt wird, welcher gesellschaftliche Grundtenor herrscht und wie risikoreich Tony und Tyes geheime Treffen sind.
Ähnlich der berühmten Vorlage steuern die Hauptfiguren in der vorliegenden modernen Version auf dramatische Entwicklungen zu. Die Auseinandersetzungen der Banden nehmen immer brutalere Ausmaße an, schnell müssen beide Seiten erste Todesfälle verbuchen. Das Paar befindet sich inmitten dieser Entwicklungen, sträubt sich jedoch gegen die Forderung aller Seiten, ihre Beziehung zu beenden. Die immense Gefahr, in der sich Tye und Tony befinden, vermittelt der Film sehr glaubwürdig und schafft es ebenso, die Verzweiflung des Paars zu zeigen, die aller Gefahr trotzen, aber kaum etwas gegen die Feindlichkeiten ausrichten können. Die Darsteller agieren hervorragend und transportieren die Emotionen ihrer Figuren auf die Leinwand – sowohl das Liebespaar wie auch die aggressiven Bandenmitglieder schaffen durch ihre authentische Performance die Basis für das Funktionieren des Films. Der heute sehr bekannte "CSI"-Star David Caruso ist hier als aggressives Bandenmitglied in einer Nebenrolle besetzt, "China Girl" wurde komplett vor Ort auf Manhattan gedreht und spielte knappe 1,3 Millionen Dollar an den amerikanischen Kinokassen ein.
Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität ist für Material diesen Alters recht ordentlich. Farben und Kontrast sind gut umgesetzt, gerade die Szenen, in denen die dunklen Straßen Manhattans zu sehen sind, sehen klasse aus. Einzig am zum Teil starken Bildrauschen erkennt man das Alter des Films. Auf der DVD sind die Sprachfassungen Englisch und Deutsch als Dolby-Digital-2.0-Tonspur enthalten. Untertitel fehlen gänzlich.
Extras sind auf dem Silberling nicht vorhanden. Es gibt zudem keine Unterteilung in Kapitel, welche zur Navigationserleichterung heutzutage Standard geworden sind. Lediglich zwei Menüpunkte stehen zur Anwahl: Filmstart und die Toneinstellungen. Daher wirkt diese Veröffentlichung mehr wie die Verwertung zufällig ausgegrabenen Materials als einer überzeugten DVD-Umsetzung eines Klassikers.
Fazit:
"China Girl" funktioniert als moderne Fassung des Shakespeare-Dramas "Romeo und Julia" im New York der 1980er Jahre hervorragend und überzeugt vor allem durch die starken Darsteller. Das Motiv zweier Liebenden, die verfeindeten Gruppen angehören, wurde gekonnt auf die Bandenproblematik zwischen Chinesen aus dem Chinatown-Viertel und den in Little Italy lebenden Italienern umgelegt. Ohne Extras und Unterteilung in Kapitel wirkt die DVD leider sehr lieblos zusammengestellt.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,85:1
|
86:45 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 2.0 | Englisch Dolby Digital 2.0 |
|
Untertitel:
|
|
Keine |
|
Bonusmaterial:
|
|
|
|  |
China Girl - Krieg in Chinatown
China Girl
Starke Übertragung der "Romeo und Julia"-Vorlage ins New York der 1980er Jahre
Autor der Besprechung:
Marcus Offermanns
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1987 Regie: Abel Ferrara Drehbuch: Nicholas St. John Darsteller: James Russo, David Caruso, Judith Malina, Russell Wong, Robert Miano
Label :
Epix
Verkaufsstart : 23.10.2009
|