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Blu-ray-Besprechung - Die Päpstin (Premium Edition)

Story:
War der Papst Johannes Anglicus VIII, der im Jahre 855 für kurze Zeit im Vatikan auf dem Thron gesessen haben soll, in Wahrheit eine Frau? "Die Päpstin" erzählt die Geschichte der Johanna von Ingelheim (Johanna Wokalek), die als Kind heimlich lesen und schreiben lernte und nach dem Tod ihres älteren Bruders an seiner Statt die Domschule in Dorstadt besuchte. Dort lernte sie den Grafen Gerold (David Wenham) kennen und lieben, der jedoch bald in den Krieg ziehen musste. Anschließend verkleidete sie sich als Mann, ging unter dem Namen "Johannes" in ein Kloster und gelangte im Folgenden auf Umwegen nach Rom, wo sie zum Leibarzt des Papstes (John Goodman) aufstieg und schließlich selbst die höchste Macht des Kirchenstaates erlangte. Doch sollte ihr ihre geheime Liebe zu Gerold zum Verhängnis werden?

Meinung zum Film:
Schon im Jahr 1996 erschien der internationale Bestseller "Die Päpstin" der amerikanischen Autorin Donna Woolfolk Cross. Beinahe verwunderlich ist es daher, dass eine Verfilmung dieses enorm erfolgreichen Historienromans erst jetzt ins Kino kommt. Doch die Umsetzung des Filmes hat sich als nicht unkompliziert erwiesen, nachdem der ursprüngliche Regisseur Volker Schlöndorff ("Die Blechtrommel") und Hauptdarstellerin Franka Potente ("Lola rennt") abgesprungen waren. Für die beiden sind schließlich Sönke Wortmann ("Das Wunder von Bern") und Johanna Wokalek ("Der Baader-Meinhof-Komplex") eingesprungen, um die europäische Großproduktion umzusetzen. Wie bei den vergleichbaren Produktionen "Luther" und "Das Parfum" hat man auch hier keine Kosten gescheut, um das Projekt mit umwerfenden historischen Kulissen und Kostümen sowie internationalen Filmstars auszustaffieren.

Doch auch wenn die Filmcrew bei der Ausstattung und Besetzung nicht gespart hat, ist man an die Adaption des Stoffes doch eher zaghaft herangegangen. 566 Romanseiten wollten auf circa 150 Kinominuten eingedampft werden und statt die Handlung in filmisch möglichst wirksame Momente umzumünzen, haben die Autoren Sönke Wortmann und Heinrich Hadding ("Hangtime – kein leichtes Spiel") einfach versucht, alles in den Film zu packen. Was nicht gepasst hat, liest die Erzählerstimme vor. Die Geschichte wird chronologisch erzählt und hakt die einzelnen Stationen in Johannas bewegtem Leben zügig ab, ohne jemals tiefergehend auf die Charaktere einzugehen. Das ist alles kompetent gemacht und sieht wie gesagt sehr gut aus, ein wirklich überzeugender und mitreißender Film entsteht auf diese Weise jedoch nicht. Dass viele Handlungselemente auf unglaubwürdig unwahrscheinlichen Zufällen beruhen, hilft natürlich auch nicht gerade, da dies in der komprimierten Erzählweise des Films besonders stark zur Geltung kommt. Man merkt der "Päpstin" leider auch an, dass es sich um einen sogenannten "Amphibienfilm" handelt, also eine Kino- und TV-Produktion in einem. Eine Weile nach dem Kinostart wird der Film als Zweiteiler im Fernsehen zweitverwertet und muss sich somit schon bei der Produktion ein Stück weit den konservativen Konventionen des offentlich-rechtlichen TV-Mehrteilers anpassen.

Die Darsteller liefern alle sehr gute Arbeit ab, auch wenn die Charaktere nicht immer gleichermaßen überzeugend sind. David Wenhams ("Der Herr der Ringe") Graf Gerold zum Beispiel ist auf seine Rolle als gutaussehender Ritter in weißer Rüstung beschränkt und erhält kaum Tiefe, auch wenn der Schauspieler sich redlich bemüht. Bemerkenswert ist dagegen John Goodmans ("The Big Lebowski") belebtes Spiel als Papst Sergius und die junge Lotte Flack, die als jugendliche Johanna auftritt und nicht nur Johanna Wokalek erstaunlich ähnlich sieht, sondern auch schaupielerisch mit den erwachsenen Darstellern mühelos mithalten kann. Johanna Wokalek selbst spielt zwar sehr gut und gibt ihr bestes, sieht jedoch eigentlich immer zu weiblich aus, als dass man glauben könnte, dass sie tatsächlich von ihren Zeitgenossen für einen Mann gehalten wird. Zudem spielt sie die Figur über eine sehr große Zeitspanne, was dazu führt, dass sie anfangs zu alt aussieht und gegen Ende des Films deutlich zu jung. Dies und die Tatsache, dass ein Großteil von Johannas Charakterentwicklung über die Monologe der Erzählerstimme statt über die Handlungen der Figur auf der Leinwand abgehandelt wird, sorgt dafür, dass man sich als Zuschauer nie wirklich in sie hineinversetzen und mit ihr mitfühlen kann.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild macht einen sehr guten Eindruck. Die Details sind vielfach zu sehen und der Schärfegrad ist sehr hoch. Die Farben wirken teils ein klein wenig dreckig, was aber den mittelalterlichen Charakter verstärkt. Der deutsche Ton in Dolby Digital High Resolution 5.1 verfügt über eine gute Dialogverständlichkeit und in den wenigen Momenten, wo die Szenen es hergeben, wird auch von den Surroundmöglichkeiten reger Gebrauch gemacht.

Bei den Extras gibt es zunächst einen Audiokommentar mit Regisseur und Drehbuchautor Sönke Wortmann und Kameramann Tom Fährmann, der sich sehr sachlich mit den technischen Aspekten der Umsetzung befasst. In erster Linie ist hierbei der Regisseur zu hören, Tom Fährmann hat nur gelegentlich etwas beizutragen. Auf der ersten Disc befindet sich zusätzlich noch ein rund halbstündiges Making Of, das sich mit verschiedenen Momenten des Drehs beschäftigt und einen runden Überblick zu der Entstehung bietet. Es folgen noch zwei separate Making Ofs, die sich zum Einen mit dem Set-Design und zum Anderen mit der Filmmusik beschäftigen. Der Premium Edition enthält noch eine weitere Blu-ray, die zusätzliches Bonusmaterial bereithält. In den Beiträgen auf der Sonderdisk geht es unter anderem um die Kostüme, den Schnitt, die Umsetzung der Schlacht von Mansfeld und die digitale Farbkorrektur. Zwei weitere Extras kümmern sich um die digitalen Effekte, sowie Köpfungen und Auspeitschungen. Den jungen Darstellern ist ein eigener Beitrag gewidmet und Hauptdarstellerin Johanna Wokalek erzählt in einem ausführlichen Interview von ihren Eindrücken zum Dreh und vom Film. Abschließend gibt es noch einen Beitrag über die große Pressekonferenz zum Filmstart.  

Der Premium Edition, die als Digipak im Schuber ausgeliefert wird, liegt zusätzlich noch die DVD-Version des Films bei. (MT)

Fazit:
"Die Päpstin" ist eine relativ vorlagentreue und sehr aufwändig umgesetzte Bestseller-Adaption, die jedoch auch etwas risikoscheu wirkt und in ihrer konventionellen Inszenierung emotionale Tiefe und eine eigenständige künstlerische Handschrift vermissen lässt. Fans von Historienschinken können aber mal einen Blick riskieren, wenn sie ihre Erwartungen in Grenzen halten.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
2,35:1
2,35:1
148:17 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
DTS-HD High Resolution 5.1
DTS-HD High Resolution 5.1
Englisch
DTS-HD High Resolution 5.1
DTS-HD High Resolution 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar mit Regisseur und Drehbuchautor Sönke Wortmann und Kamermann Tom Fährmann
  • Making Of
  • Die Entstehung der Filmmusik
  • Das Setdesign
  • Die Kostüme
  • Interview mit Johanna Wokalek
  • Die Schlacht von Mansfeld
  • SFX: Köpfen & Auspeitschen
  • Der Schnitt
  • Die jungen Darsteller
  • Pressekonferenz
  • Making of Visual Effects
  • Digitale Farbkorrektur
  • DVD-Version des Films
Die Päpstin (Premium Edition) - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Die Päpstin
Die Päpstin

Bild unseres Mitarbeiters Adrian vom Baur
Eine aufwändige, aber konventionell inszenierte Bestseller-Adaption


Autor der Besprechung:
Adrian vom Baur

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland / Italien / Spanien, 2009
Regie:
Sönke Wortmann
Drehbuch:
Heinrich Hadding, Sönke Wortmann (basierend auf dem Roman von Donna W. Cross)
Darsteller:
Johanna Wokalek, David Wenham, John Goodman, Iain Glen, Lotte Flack, Edward Petherbridge, Anatole Taubman, Richard van Weyden, Branko Tomovic, Lenn Kudrjawizki, Tigerlily Hutchinson

Label Deutschland :
Constantin Film
Verleihstart Deutschland :
08.04.2010
Verkaufsstart Deutschland :
08.04.2010

Vertrieb Schweiz :
Rainbow Home Entertainment AG
Verleihstart Schweiz :
08.04.2010
Verkaufsstart Schweiz :
08.04.2010