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DVD-Besprechung - Vinyan
Story:
Paul (Rufus Sewell) und Jeanne Bellmer (Emmanuelle Béart) haben bei einer Tsunami-Katastrophe in Thailand ihren Sohn Joshua verloren. Jeanne glaubt jedoch nicht an seinen Tod und meint eines Tages auf einem Video, das obdachlose Kinder in Burma zeigt, ihren Sohn wiederzuerkennen. Diese Überzeugung steigert sich bei ihr zu einer krankhaften Obsession und mündet gegen den Willen ihres Mannes in einer Dschungelexpedition in diese Region. Die Reise ist jedoch äußerst beschwerlich, ihr Führer erweist sich als unzuverlässig und ihre finanziellen Reserven werden durch ständige Nachforderungen extrem strapaziert.
Meinung zum Film:
"Vinyan" ist der zweite Langfilm des belgischen Regisseurs Fabrice Du Welz, der mit seinem unkonventionellen, verstörenden aber auch experimentellen Erstling "Calvaire - Tortur des Wahnsinns" im Jahr 2004 einiges Aufsehen erregen konnte. Das Drehbuch zu der vorliegenden belgisch-britisch-französischen Koproduktion schrieb Du Welz gemeinsam mit Oliver Blackburn ("Donkey Punch") und David Greig ("The Architect"). In den Hauptrollen agieren die Französin Emmanuelle Béart ("Disco") und der Engländer Rufus Sewell ("Dark City"), der in letzter Zeit fast nur noch in TV-Serien, wie "Burn Notice", agierte. Der Film wurde an Originalschauplätzen in Thailand gedreht.
"Vinyan" ist von Anfang an eine einzige Tortur, und zwar nicht nur für das zerrüttete Ehepaar auf der strapaziösen, von Anfang an sinnlos erscheinenden Suche nach ihrem Sohn, sondern leider auch für die Zuschauer. Fabrice Du Welz vernachlässigt bewusst jede Art von glaubwürdiger Charakterzeichnung und Logik, erspart sich jeden fortlaufenden, erzählerischen Ansatz und kümmert sich einen feuchten Kehricht um den Aufbau eines irgendwie gearteten Spannungsbogens. Auch die menschliche Kommunikation in Form von Dialogen spielt kaum eine Rolle. Stattdessen bekommt der Zuschauer endlose Reisesequenzen durch den Dschungel geboten oder wird mit mystisch-spiritistischen Andeutungen überschwemmt. Letztendlich wirkt "Vinyan" dadurch wie ein unausgegorener, experimenteller Arthouse-Film, der gerne mit einzelnen, besonders ausdrucksstarken Sequenzen, jenseits gängiger Sehgewohnheiten punkten würde. Allerdings misslingt auch dieser Ansatz, denn mit einigen netten Naturaufnahmen allein ist kein Blumentopf zu gewinnen, vor allem dann nicht, wenn sich vieles im Halbdunkel abspielt, oder die Kamera gerne mit hektischen, unruhigen Bewegungen Dynamik erzeugen möchte.
Überhaupt stellt sich die Frage, wo hier eigentlich die Linie zwischen Kunst und Exploitation gezogen werden soll. So gibt es im Verlauf des Films immer wieder unnötige Oben-Ohne-Sequenzen, gegen Ende eine ziemlich überzogene Ausweidung, die eher an Romeros Zombie-Filme erinnert, und die Schlusssequenz wirkt, als würde hier ziemlich unverhohlen "Apocalypse Now" kopiert. Die Hauptdarsteller haben durch die künstlerische und lediglich auf einzelne, potentiell besonders intensive Szenen zugespitze Inszenierung alles andere als einen leichten Job. Verstärkt wird diese Problematik noch dadurch, dass ihre Charaktere vollkommen unglaubwürdig agieren. Jeanne ist offensichtlich bereits zu Beginn des Films ein emotionales Wrack und kaum noch zurechnungsfähig. Trotzdem lässt sich Paul auf diese Reise ins Nirgendwo ein, dabei war auf dem Video lediglich ein Junge im Manchester United-Trikot kurz von hinten zu sehen. Natürlich vertrauen beide Eltern daraufhin ihre kompletten Ersparnisse einem dubiosen, einheimischen Führer an, den sie nicht kennen. Und auch im Verlauf der Reise ignoriert Paul jegliche Anzeichen des Wahnsinns bei Jeanne. Diesen Wahnsinn entfaltet Emmanuelle Béart in einer Art und Weise, die mit ernsthafter Schauspielkunst wahrlich wenig gemeinsam hat, sondern vielmehr als hemmungsloses Over-acting zu bezeichnen ist. Dem steht Rufus Sewell mit einer enttäuschend blassen Darbietung gegenüber und verliert sich als Figur irgendwo zwischen dem allgegenwärtigen Nebel und Dauerregen.
Digitale Aufarbeitung:
Die Bildschärfe der DVD ist für einen aktuellen Film gut, aber nicht überragend. Wie schon "Choke - Der Simulant" weist auch diese DVD aus dem Hause Koch Media ein teilweise sehr starkes Bildrauschen auf. Die Kontrastwerte sind ebenfalls nicht optimal, bei hellen Einstellungen neigt das Bild zu Überstrahlungen, während bei dunklen Szenen viele Details verloren gehen. Die Farbgebung wurde als Stilmittel leicht verfremdet, macht aber insgesamt einen recht ausdrucksstarken Eindruck. Alle drei Tonspuren bieten zu jeder Zeit eine gute Verständlichkeit und sind ausgewogen abgemischt. Der Film ist insgesamt eher frontlastig ausgefallen, die DTS-Tonspur wirkt allerdings etwas dynamischer.
Das Herzstück des Bonusmaterials ist das deutsch untertitelte Making Of (49:37). Es stellt im Grunde einer Art Videotagebuch von den Dreharbeiten dar und umfasst den Zeitraum vom ersten Drehtag, am 11.06.2007, bis zum abschließenden 42. Drehtag, wobei natürlich nicht von jedem Tag Material enthalten ist. In dem Feature kommen u.a. der Produzent, der Regisseur und die wichtigsten Darsteller zu Wort, während das Team von Location zu Location reist und den Zuschauern tiefere Einblicke in die schwierigen Drehbedingungen gewährt. Somit ist das Making Of durchaus anschaulich ausgefallen, allerdings fehlen ausführliche, hintergründige oder erläuternde Kommentare. Ansonsten befinden sich auf der DVD lediglich noch der deutsche Trailer und der Originaltrailer. Die DVD wird in einem Digipak ausgeliefert, das sich in einem Schuber befindet, auf dessen Front sich wiederum das FSK-Logo befindet.
Fazit:
"Vinyan" ist wohl einer der zuschauerunfreundlichsten Filme, die je gedreht wurden, und verzichtet fast komplett auf jede Form von Dramaturgie, Dialogführung, glaubhafte Figurenzeichnung und Logik. Aber auch die exotischen Impressionen Thailands oder die entrückten Traumsequenzen wirken optisch nicht gerade monumental und gerade letztere wirken eher experimentell als ausgeklügelt. Unter dem Strich bleibt ein unglaublich öder Film mit pseudo-künstlerischem Anspruch, der eigentlich eher dem Genre des Dramas als dem des Horrorfilms zugeordnet werden kann, dessen DVD-Umsetzung technisch nicht voll überzeugen kann.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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92:24 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Deutsch DTS 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Making Of
- Deutscher Trailer
- Originaltrailer
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Vinyan
Vinyan
Im Dschungel hört dich keiner Gähnen!
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Belgien / Frankreich / Großbritannien, 2008 Regie: Fabrice Du Welz Drehbuch: Oliver Blackburn, Fabrice Du Welz, David Greig Darsteller: Emmanuelle Béart, Rufus Sewell, Petch Osathanugrah, Julie Dreifus, Amporn Pankratok, Josse De Pauw
Label :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart : 23.10.2009
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