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Blu-ray-Besprechung - Der englische Patient (Special Edition)

Story:
Italien, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs. In einer verlassenen Klosterruine pflegt die Rotkreuzschwester Hana den ungarischen Grafen Almasy, der von den Nazis über der nordafrikanischen Wüste abgeschossen wurde und bis zur Unkenntlichkeit verbrannt ist. Weil er an Amnesie leidet und in einem britischen Flugzeug saß, gilt er nur als "der englische Patient". Doch allmählich erinnert sich Almasy an seine Identität, an die Wüstenexpedition und an seine tragische Liebesaffäre mit der verheirateten Engländerin Katherine ...

Meinung zum Film:
"Der englische Patient" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Michael Ondaatje. Erzählt wird die Geschichte von Erkundungsflieger Graf Almasy (Ralph Fiennes, "Harry Potter"), der gerade dabei ist, die ägyptische Wüste zu überfliegen, als er von deutschen Einheiten abgeschossen wird. Man sieht ihn in einer riesigen Feuerwolke aufgehen, doch wie durch ein Wunder hat er überlebt. Allerdings ist er völlig entstellt. Sein Gesicht wirkt wie eine Maske, geschmolzen und verzerrt. Auch seine Organe, unter anderem die Lunge, wurden stark beschädigt und Almasy kann sich zwar noch erinnern, was er gemacht hat, nicht aber daran, wer er ist. Daher nennt man ihn nur den "englischen Patienten".

Almasy wird von einem Rotkreuz-Hilfskonvoi aufgenommen, wo sich Schwester Hana (Juliette Binoche, "Chocolat") um ihn kümmert. Auf einem Transport wird Hanas Freundin von einer Mine getötet, wodurch die Krankenschwester einen psychischen Knacks bekommt, hatte es doch kurz vorher bereits ihren Freund erwischt. Mit Almasy als ihrem nunmehr einzigen Vertrauten beschließt sie, mit ihm in einem verlassenen Kloster in der Toskana zu bleiben und sich dort komplett der Pflege des Patienten zu widmen. Da man als Zuschauer immer noch nicht die Identität des Engländers kennt, gibt es immer wieder Erinnerungsblitze in Form von Rückblenden auf dessen früheres Leben und man findet mehr über den seltsamen Mann heraus. Ungarischer Aristokrat war er - und hatte eine Affäre mit einer verheirateten Frau.

Filmisch ist "Der englische Patient" sicherlich überaus gelungen. Regisseur Anthony Minghella ("Der talentierte Mr. Ripley"), der im März 2008 an den Folgen einer Blutung bei einer Operation starb, erzählt die Geschichte rund um den Grafen, Hana und die diversen Liebschaften und Beziehungen in großartigen Bildern. Das Problem an dem zweineinhalbstündigen Epos ist jedoch, dass es im Endeffekt tierisch langweilig bleibt und letztlich eine Hollywood-Soap vor Kriegshintergrund darstellt. Eine Soap auf hohem Niveau und mit einigen Tricks bei der Inszenierung (wie den diversen Erinnerungs-Rückblenden Almasys), letztlich geht es aber doch immer nur um die Frage: "Wer mit wem und wann und wieso jetzt überhaupt?" Fans von Liebesgeschichten werden an dem Film daher wahrscheinlich durchaus ihre Freude haben. Spannende oder unterhaltsame Elemente sollte man allerdings bei diesem neunfachen Oscar-Gewinner nicht erwarten.

Digitale Aufarbeitung:
Der HD-Transfer von "Der englische Patient" wurde offensichtlich vom gleichen Ausgangsmaterial abgetastet wie schon die 2008 veröffentlichte "Arthaus Premium"-Edition. Immer noch fällt der unruhige Bildstand negativ auf, der bereits bei den Einblendungen der Anfangstitel deutlich sichtbar wird. Echtes HD-Gefühl stellt sich leider zu keiner Zeit ein. Die Schärfe kann man zwar nicht bemängeln, Details sind allerdings gar nicht zu erkennen, alles wirkt ziemlich glattgebügelt. Blätter an Bäumen zeigen sich beispielsweise lediglich als große, matschige Masse. Das Bild rauscht sehr auffällig, hin und wieder sind zudem Verschmutzungen zu erkennen. Die Kompression macht sich ebenfalls deutlich bemerkbar, was vor allem bei einfarbigen Flächen in Form von Artefakten und verhältnismäßig starkem Blockrauschen zum Tragen kommt. Die Farben wirken über weite Strecken natürlich, Hauttöne sind aber manchmal etwas zu orange. Der Ton liegt auf Deutsch und Englisch in dts-HD Master Audio 5.1 vor. Die Dialoge sind jederzeit klar verständlich. Beide Spuren bieten gelungene Räumlichkeit sowie dezenten Basseinsatz.

Auch das Bonusmaterial wurde 1:1 von der Arthaus-Premium-Edition übernommen. Dabei fällt auf, dass diesmal die Hörfilmfassung für Sehbehinderte nun endlich tatsächlich als Tonspur während des laufenden Films verfügbar ist. Bei der Arthaus-DVD hatte man sich - vermutlich, weil die Filmdisc bereits mit zwei Tonspuren und zwei Audiokommentaren vollgestopft war - dazu entschieden, diese mit einem Standbild zu hinterlegen und auf die zweite Bonusdisc auszulagern. Die Audiokommentare sind natürlich auch auf der vorliegenden Blu-ray verfügbar. Im ersten meldet sich der Regisseur zu Wort, im zweiten haben auch der Produzent und der Romanautor ein Wörtchen mitzureden. Insgesamt ist das Bonusmaterial sehr umfangreich und deckt so ziemlich jeden Bereich ab, der den Zuschauer interessieren könnte. Es gibt ein Making-Of sowie Infos zum geschichtlichen Hintergrund, wichtige Crewmitglieder werden in Featuretten vorgestellt, die Filmemacher werden anderthalb Stunden lang interviewt und der Zuschauer bekommt auch noch rund 20 Minuten an entfernten Szenen zu sehen. Damit fällt das Bonusmaterial fast schon interessanter aus als der komplette Film.

Fazit:
"Der englische Patient" ist zwar von der Story her ziemlich langweilig, filmisch allerdings durchaus sehenswert. Die Geschichte wird in beeindruckenden Bildern in epischem Rahmen erzählt. Wer für zweieinhalb Stunden Liebesgeschichte ohne wirkliche Spannung oder Unterhaltung bereit ist, kann mit der vorliegenden Blu-ray-Disc nichts falsch machen. Leider lässt das Bild allerdings kein wirkliches HD-Feeling aufkommen und unterscheidet sich im direkten Vergleich nur marginal von der hochskalierten Arthaus-Premium-DVD. Der Ton leistet hingegen solide Arbeit und das Bonusmaterial ist zudem derart umfangreich, dass sich für Interessierte allein schon aus diesem Grund ein Kauf lohnen dürfte. Und auch wenn die technische Qualität nicht deutlich besser ist als die der DVD, kann man aufgrund des momentan minimalen Preisunterschieds bedenkenlos zur Blu-ray-Fassung greifen, wenn man sich für den Film interessiert.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,85:1
1,85:1
161:49 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Englisch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Untertitel:
Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial:
  • Trailer
  • "Trügerischer Sand - Auf der Spur des englischen Patienten"
  • "Verschollen im Meer der Trockenheit - Die Wüste des englischen Patienten"
  • Making of
  • Im Gespräch mit den Filmemachern 
  • Über den Romanautor Michael Ondraatje
  • Hörfilmfassung für Sehbehinderte
  • Deleted Scenes mit Erläuterungen von Anthony Minghella
  • Audiokommentare mit den Filmemachern
  • Interviews mit Cast und Crew
  • Über den Produzenten Saul Zaentz
  • Die Arbeit des Productiondesigners Stuart Craig
  • Die Augen des Standfotografen Phil Bray
  • Ein historischer Blick auf den realen Graf Almasy
Der englische Patient (Special Edition) - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Der englische Patient
The English Patient

Bild unseres Mitarbeiters Jano Rohleder
Tolle Bilder, langweilige Geschichte


Autor der Besprechung:
Jano Rohleder

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1996
Regie:
Anthony Minghella
Drehbuch:
Anthony Minghella
Darsteller:
Ralph Fiennes, Juliette Binoche, Willem Dafoe, Kristin Scott Thomas, Naveen Andrews

Label Deutschland :
Arthaus
Verkaufsstart Deutschland :
20.11.2009