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DVD-Besprechung - Wahnfried

Story:
Richard Wagner (Otto Sander) lebt und arbeitet in seinem Haus am Ufer des Vierwaldstättersee in der Schweiz. Nach jahrelanger Liebelei mit der verheirateten Cosima von Bülow (Tatja Seibt) zieht diese schließlich zu ihm und sie leben fortan zusammen – ganz gegen die damaligen gesellschaftlichen Sitten. Der Tabubruch bestimmt die Beziehung und die Wirkung nach außen. Bald zieht Wagner nach Bayreuth, wo er sein Ziel verfolgt, dort seine Festspiele zu organisieren.

Meinung zum Film:
"Wahnfried" ist Peter Patzaks Biopic über den Komponisten Richard Wagner aus dem Jahr 1987. Der Filmtitel bezieht sich auf Wagners Haus, welches durch ihn persönlich "Wahnfried" getauft wurde. Die Fernsehproduktion war im SWF und auf Eins Festival, einem Digitalkanal der ARD, zu sehen. Nun erscheint das fast dreistündige Werk auf DVD. Und an diesem Punkt setzt die Kritik an. Regisseur Peter Patzak ("Gefangen im Jemen") ergeht sich ein ums andere Mal in zu langen Sequenzen, welche weder die Handlung voran treiben, noch besonders unterhaltsam sind. Gerade die vielen Monologe Wagners, der zum Teil recht überzeichnet von Otto Sander ("Der Himmel über Berlin") dargestellt wird, ermüden mit andauernder Laufzeit den Zuschauer immens. Aber auch Cosima von Bülow (Tatja Seibt, "This Is Love") sowie Friedrich Nietzsche (Christoph Waltz, "Inglourious Basterds") haben einige schwülstige Sprachpassagen, denen eine Kürzung und die Reduktion auf Inhalte gut getan hätte

Der Film ist in zwei Teile aufgesplittet. Der erste Teil des Films handelt zum größten Teil von Cosima von Bülows Ankunft im Hause Wagner, damals Anfang 1867, noch am Vierwaldstättersee nahe Luzern in der Schweiz. Diese entscheidet sich als bereits verheiratete Frau und Mutter für das Leben bei Wagner, zur damaligen Zeit eine gesellschaftliches Novum und von Vielen kritisch beäugt. Später folgt die Scheidung von ihrem Mann Hans von Bülow (Peter Matic, "Alpenglühen") und die Heirat mit Wagner. Das Paar zieht nach Bayreuth, welches noch heute als Austragungsort der Wagner-Festspiele bekannt ist, die häufig für Schlagzeilen sorgen. Unnötig lang zeigt "Wahnfried" das Zusammenleben in mehr oder weniger harmonischen Verhältnissen. Einzig das Erscheinen Friedrich Nietzsches und das von Cosimas Ehemann, Hans von Bülow, bringt etwas Abwechselung in das überzeichnete Biopic. Erst im zweiten Abschnitt, nachdem die Wagner nach Bayreuth gezogen sind und Richard an seinen Festspielen arbeitet, kommt Fahrt auf.

Visuell zeichnet sich "Wahnfried" durch seine sehr einfallsreiche Verwendung diverser Farbfilter aus. So ist die Szene der Besteigung eines schneebedeckten Berges blau unterlegt, eine besondere Farb-Symbolik, die der prächtigen schweizerischen Berglandschaft eine völlig eigene Aura verleiht. Der Film beinhaltet zudem experimentell verspielte Traumsequenzen, die kontrastreich und bunt inszeniert wurden. Auch das Innere der Häuser ist prunkvoll und farbenfroh eingerichtet. Die Kostüme sind ebenfalls beeindruckend, so dass durchaus ein authentischer Eindruck der damaligen Zeit entstehen kann. Leider können die oben genannten Defizite das Werk trotz der tollen Ausstattung und der passenden Kulisse nicht soweit aufwerten, dass ein DVD-Kauf empfohlen werden kann. Die Schwächen der filmischen Erzählung und die Überzeichnungen im Schauspiel sowie der Inszenierung mindern den Eindruck zu sehr.

Digitale Aufarbeitung:
Bei der Bildqualität bemerkt man das Alter des Films. Zum Teil heftiges Bildrauschen ist bei der Sichtung nicht zu übersehen. Auch Bildfehler/Unsauberkeiten in Form von Linien oder Pünktchen sind zu erkennen. Dies sind keine digitalen Pixelfehler sondern eher Schwächen oder Beschädigungen im Quellmaterial. Der Kontrast ist hingegen sehr gut gelungen und stellt die Wirkung der prachtvollen Kulissen sicher. Die einzige Tonspur der DVD beinhaltet den deutsche Originalton in Dolby Digital 2.0.

Die Amary-Box befindet sich in einem edlen Pappschuber, der durch sein schlichtes Schwarz und der goldenen Aufschrift definitiv etwas für's Auge ist. Leider hat man sich bei der DVD-Umsetzung nicht so viel Mühe gegeben, wie bei der optischen Gestaltung der Hülle. Eine Unterteilung in Kapitel sowie Untertitel fehlen gänzlich. Letzteres ist besonders in den gerade im ersten Teil häufig vorkommenden französisch gesprochenen Passagen zu bemängeln. Da das Werk mit fast drei Stunden Spieldauer recht lang ist, kann das Weglassen einer Kapitelunterteilung nicht verstanden werden. Lediglich Teil eins und zwei sind separat auszuwählen, zu anderen Filmabschnitten muss gespult werden – man fühlt sich fast in die Zeit der VHS zurück versetzt. Nicht gerade zeitgemäß!

Fazit:
"Wahnfried" zeigt in seinen annähernd drei Stunden Länge das Zusammenleben Richard Wagners mit seiner späteren Frau Cosima. Leider zieht sich der Film durch zähe Monolog-Passagen zu sehr in die Länge, wodurch die Erzählung nicht flüssig erscheint. Die visuelle Gestaltung durch den Farbeinsatz und die beeindruckenden Kulissen durchaus gelungen, kann aber die Schwächen der Inszenierung sowie der zum Teil überzeichneten Schauspielerei nicht ausgleichen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 0 - ohne Altersbeschrae~nkung
1,33:1
1,33:1
168:39 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • keine
Wahnfried - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Wahnfried
Wahnfried

Bild unseres Mitarbeiters Marcus Offermanns
Zähes Richard Wagner Biopic


Autor der Besprechung:
Marcus Offermanns

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich / Westdeutschland , 1987
Regie:
Peter Patzak
Drehbuch:
Reinhard Baumgart
Darsteller:
Otto Sander, Tatja Seibt, Fabienne Babe, Peter Matic, Christoph Waltz

Label Deutschland :
Das Erste
Verkaufsstart Deutschland :
30.10.2009