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DVD-Besprechung - Bonjour Sagan

Story:
Françoise Sagan (Sylvie Testud) wird im Frankreich der 50er Jahre über Nacht zum glänzenden Stern am Himmel der Autoren. Im Alter von noch nicht einmal 20 Jahren landet sie gleich mit ihrem Debütroman "Bonjour Tristesse" einen Riesenhit. Fortan publiziert die gefeierte Autorin ein Buch nach dem anderen, verdient schnell viel Geld und lebt das berauschende Leben der Reichen. Nach einem Autounfall beginnt ein verheerender Hang zu Alkohol und Drogen, aus dem Sagan nie herauskommen wird. In ihrem großen Haus, stets von vielen Freunden begleitet, lebt die exzentrische Autorin vor sich hin – wird aber nie wirklich glücklich. Mehrere Ehen scheitern, die gesuchte Geborgenheit findet sie nie, das Verhältnis zum Sohn ist von Beginn an gestört und zusätzlich machen der labilen Autorin Finanzprobleme und Schreibblockaden das Leben schwer. Selbst im Alter kann sich Françoise Sagan nicht von der starken Alkohol- und Drogenabhängigkeit lösen und lässt die falschen Leute in ihr Leben.

Meinung zum Film:
In "Bonjour Sagan" beschreibt Regisseurin Diane Kurys ("After Love") das Leben der französischen Schriftstellerin Françoise Sagan (Sylvie Testud, "La vie en rose"), die im Teenageralter gleich mit ihrem ersten Roman einen Hit landete, reich und berühmt wurde und deren ausschweifendes Leben Boulevardpresse wie Leser faszinierte. Kurys zeigt zu Beginn ihres Biopics die Protagonistin im fortgeschrittenen Alter, gezeichnet von Drogen und Alkohol, über ihr Leben nachdenkend. Der Film arbeitet mit Rückblicken in verschiedene zeitlich voneinander getrennte Lebensabschnitte, die von der "alten" Sagan mit durch einen Off-Kommentar begleitet werden. Hauptdarstellerin Sylvie Testud spielt beeindruckend und versteht es, die innerlich zerrissene Protagonistin in all ihren Launen authentisch darzustellen. Sie passt vortrefflich in diese Rolle, wobei angemerkt werden muss, dass Testud in den frühen Phasen des 18. 19. Lebensjahres der Sagan nicht wie eine Frau diesen Alters aussieht. Doch diesen Mangel egalisieren die Stylisten im Verlauf des Films. Das zunehmende Alter wie auch die äußeren Veränderungen durch den beachtlichen Drogenkonsum sind zu jeder Zeit im Gesicht der Testud erkennbar. Der langsame Niedergang von Körpers und Geist der Autorin werden durch die gute Arbeit der Stylisten und das treffende Schauspiel Sylvie Testuds sehr glaubhaft umgesetzt.

Nach dem Riesenerfolg von "Bonjour Tristesse" wird Sagan zum „Wunderkind der französischen Nachkriegsliteratur“, wie sie von Kritikern und Fans gerne genannt wird. Sie kauft eine große Villa und lebt dort zusammen mit vielen (sogenannten) "Freunden", die im Laufe des Films von diversen Personen auch als Schmarotzer bezeichnet werden. Berauschende Partys und das Leben im Überfluss gehen einher mit Sagans nächsten erfolgreichen Werken. 1957 beginnt, ausgelöst durch einen schweren Autounfall, der lebenslange Hang zu Drogen und dem Alkohol. Es folgen zwei gescheiterte Ehen, aus der letzten stammt ein Sohn, zudem Sagan nie ein gutes Verhältnis aufbauen könnte. Später folgten Beziehungen zu Männern und Frauen gleichermaßen. Auch ihre langjährige Partnerin Peggy Roche (Jeanne Balibar, "Das Mädchen von Monaco") kann nicht verhindern, dass die labile und insgeheim nach Liebe, Nähe und Zuneigung suchende Schriftstellerin mehr und mehr in einen verheerenden Sumpf von Rauschmitteln abdriftet. Nach der Welle des Erfolges folgen die schweren Zeiten. Finanzprobleme, Schreibblockade und ihre unerfüllten Sehnsüchte zehren an Sagan. Schließlich bricht sie aus. Hals über Kopf fliegt Sagan nach Südamerika und versucht so den Alltagsstress hinter sich zu lassen. Mit wenig Erfolg. Nach einem Zusammenbruch wird sie in ein Krankenhaus eingeliefert.  

Das strikte Drogen- und Trinkverbot ignoriert Sagan nach ihrer Rückkehr. Immer mehr falsche Leute dringen in das Leben der mittlerweile fast ausschließlich durch ihre Eskapaden bekannten Autorin. Einst eine angesehene Persönlichkeit, die durch ihre Art zu Leben viele Menschen inspirierte, lernt der Zuschauer durch die Rückblicke, wie es zu der alten und gebrechlichen Frau kommen konnte, die zu Filmbeginn die Einführung vornimmt. Diese interessante und fesselnde Lebensgeschichte erzählt der Film hervorragend und zeitlich kongruent. Leider kommt es dennoch zu Passagen, in denen nicht ganz klar ist, von welcher Stelle im Leben der Sagan gerade erzählt wird. Die Sprünge zwischen den Lebensabschnitten sind teilweise sehr schnell und verhindern das lückenlose Verstehen. Außerdem kommen gerade in der ersten Hälfte des Films viele Personen vor, deren Bedeutung vom Film nicht immer zufriedenstellend gezeigt wird. Dies trägt zur stellenweisen Desorientierung des Zuschauers bei. Das einmal außen vor gelassen, vermag es "Bonjour Sagan" die Hauptperson und deren Leiden gut darzustellen. Bei den Nebenfiguren gelingt dies allerdings nicht, viele werden nur halbherzig eingeführt und so kann deren Funktion in der Geschichte vom Zuschauer nicht vollständig erfasst werden. So erzählt "Bonjour Sagan" umfassend vom Leben seiner Hauptperson, überzeugt aber unter filmischen Gesichtspunkten nicht vollkommend zufriedenstellend. Doch gerade aufgrund der guten Schauspielleistung Sylvie Testud sowie der bewegenden Lebensgeschichte Françoise Sagans ist Diane Kurys Film sehenswert.

Digitale Aufarbeitung:
Erschreckend ist das in hohem maße vorhandene Bildrauschen. Für einen Film von 2008 ist die DVD-Umsetzung nicht akzeptabel. Da können auch die satten Farben und der ordentliche Kontrast nicht drüber hinwegtäuschen. In Sachen Tonspuren kann allerdings nichts kritisiert werden. Die deutsche Synchronisation wie auch das französische Original sind sohl als Dolby-Digital-2.0-Spur enthalten, wie auch im Sourround-Format Dolby Digital 5.1. Zudem bietet die DVD optionale deutsche Untertitel.  

Als Extras bietet die DVD ein ca. 25 minütiges Making of an. Das französischsprachige Feature mit deutschen Untertiteln zeigt Impressionen vom Dreh und lässt Filmemacher und Beteiligte zu Wort kommen.

Fazit:
"Bonjour Sagan" zeigt das bewegte Leben der französischen Schriftstellerin Françoise Sagan in Form eines Biopics. Leider sind die Nebenfiguren nicht umfassend genug dargestellt, jedoch kann die Hauptfigur durch detaillierte Charakterisierung überzeugen. Vor allem macht Hauptdarstellerin Sylvie Testud einen tollen Job. Ärgerlich ist allerdings die schlechte Bildqualität.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,85:1
1,85:1
116:00 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Französisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Französisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Making of
Bonjour Sagan - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Bonjour Sagan
Sagan

Bild unseres Mitarbeiters Marcus Offermanns
Auf die Hauptfigur reduziertes Biopic


Autor der Besprechung:
Marcus Offermanns

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich, 2008
Regie:
Diane Kurys
Drehbuch:
Diane Kurys, Claire Lemaréchal
Darsteller:
Sylvie Testud, Pierre Palmade, Jeanne Balibar, Arielle Dombasle, William Miller

Label Deutschland :
Schwarz-Weiss Filmverleih
Verkaufsstart Deutschland :
04.12.2009