Splashpages  Home Movies  Rezensionen  Rezension  Don Quichotte
Partner von Entertain Web
http://www.splashmovies.de/php/images/spacer.gif
Das TodesspielEine ganz heiße NummerDas Haus der Geheimnisse

In der Datenbank befinden sich derzeit 3.897 Rezensionen. Alle Rezensionen anzeigen...

DVD-Besprechung - Don Quichotte

Story:
Alonso Quixano (Nikolai Cherkasov) ist ein armer Landadeliger und nicht mehr der Jüngste, hält sich aber aufgrund seines massiven Konsums von mittelalterlichen Ritterromanen selbst für den untadeligen Rittersmann Don Quichotte de la Mancha. Mit seinem neugierigen, aber auch ziemlich feigen Knappen Sancho Pansa (Yuri Tolubeyev) bricht er regelmäßig zu phantastischen Abenteuern auf, die sich allerdings zum größten Teil nur in seinem Kopf abspielen und somit eine verzerrte Wahrnehmung der Realität verursachen. Seine Familie ist hingegen bemüht den verwirrten aber tugendhaften Onkel von seiner "Spinnerei" zu heilen.

Meinung zum Film:
"Don Quichotte" aus dem Jahr 1957 ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans, gängiger als "Don Quijote", des spanischen Nationaldichters Miguel de Cervantes Saavedra. Der erste Teil des zweibändigen Romans erschien erstmals 1605, der zweite Teil feierte im Jahr 1615 seine Premiere. Der Roman ist wohl eines der meistadaptierten Bücher der Filmgeschichte. Die bekanntesten Fassungen beinhalten "Don Quixote" von Georg Wilhelm Pabst ("Die 3-Groschen-Oper") aus dem Jahr 1933, den ZDF-Abenteuer-Vierteiler "Don Quijote von der Mancha" aus dem Jahr 1965, oder auch die Musicalfassung "Der Mann von La Mancha" aus dem Jahr 1972 mit Peter O'Toole ("Im Land der langen Schatten") und Sophia Loren ("Mamma Lucia"). Orson Welles ("Othello") und Terry Gilliam ("Time Bandits") scheiterten bei ihren Bemühungen, das Werk auf die große Leinwand zu bringen. Regie führte in der vorliegenden sowjetischen Produktion der u.a. für seine Shakespeare-Verfilmungen bekannte, russische Vorzeigeregisseur Grigori Kozintsev ("Das Neue Babylon"). Das Drehbuch schrieb Yevgeni Shvarts ("Die Schneekönigin"). In den Hauptrollen agieren Nikolai Cherkasov ("Iwan der Schreckliche, Teil 2") und Yuri Tolubeyev ("Hamlet"). Die Laufzeit der Originalfassung wird im Internet übereinstimmend mit 110 Minuten angegeben, hingegen läuft die vorliegende, deutsche Fassung lediglich 93:45 Minuten. Selbst unter Berücksichtigung der Umwandlung vom NTSC- ins PAL-Format ergibt sich somit immer noch eine Differenz von mehr als 10 Minuten, gleichbedeutend mit deshalb anzunehmenden, erheblichen Kürzungen in der hier besprochenen Fassung.

"Don Quichotte" präsentiert sich in der vorliegenden Fassung vor allem als zum Scheitern verurteilter Versuch eines naiven Gutmenschen, gegen das Unrecht und die Tyrannei des amoralischen Adels zu kämpfen. In seiner Traumwelt ist Don Quichotte ein strahlender Held, in der Realität des Jahres 1605 ist er hingegen nur der "Ritter von der traurigen Gestalt" und kämpft im wahrsten Sinne des Wortes gegen Windmühlen. Allerdings ist hier eigentlich, trotz seiner übersteigerten, längst überholten, mittelalterlichen Ritterlichkeit, nicht Don Quichotte verrückt, sondern vielmehr gehorcht die Realität, bzw. seine Umgebung Gesetzen, die jedem gesunden Menschenverstand spotten. Jedoch sind seine Mitmenschen nicht in der Verfassung, ihre eigene, prekäre Lage zu erkennen und verspotten regelmäßig Don Quichotte, der diese ausbleibende Selbstreflektion mit einem Unwissenheitszauber des Magiers Freston erklärt.  

Gegenüber der Romanvorlage erlaubt sich Kozintsev durchaus einige Freiheiten und ideologisch bedingte Umdichtungen. Don Quichotte ist, wie oben angeführt, längst nicht so verrückt wie im Roman. Dadurch wird aber auch der dort zentrale Wahrnehmungskonflikt zwischen Traum und Realität entschärft und auch der satirisch-parodistische Ansatz des Buches verbleibt eher unterentwickelt. Stattdessen wird der Unterdrückungsaspekt durch die herrschende, natürlich dekadente Klasse stärker herausgearbeitet. Handwerklich bietet "Don Quichotte" keinen Grund zur Klage, optisch wirkt der Film wie ein zum Leben erwachtes, zeitgenössisches Gemälde. Die Kostüme und Locations wirken dementsprechend äußerst opulent und phantasievoll. Die herausragenden Hauptdarsteller könnten direkt dem Roman entsprungen sein und stellen eine Idealbesetzung dar. Besonders Cherkasov vollzieht hier sehr überzeugend der Spagat zwischen würdevoller Darstellung und unfreiwilliger Komik.

Digitale Aufarbeitung:
 Vor dem Beginn des Films wird eine Warnung für den Zuschauer eingeblendet, die um Verständnis für Einschränkung bei der Bild- und Tonqualität der DVD wirbt, trotz angeblich bestmöglicher Bearbeitung und Restaurierung. Sobald der Zuschauer allerdings das Endergebnis zu sehen bekommt, wird offensichtlich, dass hier sicherlich niemand irgendwelche Restaurierungsbemühungen in die mehr als 50 Jahre alte Vorlage gesteckt hat. Sehr negativ fällt gleich zu Beginn das falsche Vollbildformat ins Gewicht. Die vorliegende filmische Adaption war nämlich die erste in Farbe und im Breitbildformat (2,35:1). Das Bild weist aber noch zahllose weitere Schwächen auf. Der Bildstand ist unruhig, es gibt immer wieder deutliche Helligkeitsschwankungen, außerdem ist der Kontrast suboptimal ausgefallen und weist starke Überstrahlungen auf. Bei dunklen Szenen sind hingegen fast gar keine Details mehr auszumachen. Die Kompression bewegt sich auf einem guten Niveau, das Bild wird aber von einem starken Rauschen und diversen Verschmutzungen begleitet, während sich Defekte, Laufstreifen und Jump-Cuts noch in vertretbaren Grenzen bewegen. Die Farbgebung wirkt sehr ausdrucksstark und kann noch am ehesten überzeugen, wirkt aber auch teilweise etwas verblichen. Auf die Originaltonspur muß der Käufer mal wieder verzichten und auch der deutsche Monoton weist deutliche Alterserscheinungen auf. Es knackt und knistert wie am Kaminfeuer und auch ein fortwährendes, deutlich vernehmbares Rauschen ist nicht zu überhören. Die Dialoge klingen zudem etwas verzerrt, insgesamt ist aber trotzdem noch eine gute Verständlichkeit gegeben. Untertitel gibt es nicht.  

Auf der DVD befindet sich lediglich eine kurze Bio- und Filmographie des Regisseurs Grigori Kozintsev in Textform im Umfang von sechs Seiten, und eine Bildergalerie zum Film.

Fazit:
Technisch entpuppt sich die vorliegende DVD von "Don Quichotte" als herbe Enttäuschung. Falsches Bildformat, eine offensichtlich gekürzte Fassung, diverse technische Mängel, fehlender Originalton, keine Untertitel und unbefriedigendes Bonusmaterial ergeben insgesamt eine äußerst schwache Präsentation dieses Klassikers. Dagegen kann die mittlerweile mehr als 50 Jahre alte Literaturverfilmung auch heute noch überzeugen und ist, trotz einiger literarischer Freiheiten und Umdichtungen, gerade handwerklich herausragend geraten.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
1,33:1
1,33:1
93:45 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Bio- und Filmographie von Grigori Kozintsev
  • Bildergalerie
Don Quichotte - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Don Quichotte
Don Kikhot

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Russischer Klassiker, der leider in technisch trauriger Gestalt präsentiert wird


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Sowjetunion, 1957
Regie:
Grigori Kozintsev
Drehbuch:
Yevgeni Shvarts (basierend auf dem Roman von Miguel de Cervantes Saavedra)
Darsteller:
Nikolai Cherkasov, Yuri Tolubeyev, Tamilla Agamirova, Bruno Frejndlikh, S. Tsomayev, Serafima Birman

Label Deutschland :
Icestorm Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
19.11.2009