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DVD-Besprechung - Schuld & Sühne

Story:
Der Jura-Student Rodion Romanowitsch Raskolnikov (Georgi Taratorkin) verfügt über einen überdurchschnittlichen Intellekt, lebt aber in materieller Armut. Aus einem inneren Überlegenheitsgefühl heraus plant und vollzieht er den Mord an seiner Pfandleiherin. Er untermauert damit seine Theorie, nach der "außergewöhnliche" Menschen in besonderen Situationen das Recht haben, sich über das Gesetz zu stellen, wenn sie dabei auf Kosten minderwertiger Menschen einen größeren Nutzen realisieren. Nach der Tat plagen ihn jedoch Gewissenbisse, Fieber und Verfolgungswahn, obwohl ein "außergewöhnlicher Mensch" im Bewußtsein seiner geistigen und moralischen Überlegenheit die Ruhe bewahren müsste. Trotz perfekter Durchführung kommt ihm bald der ermittelnde Beamte Porfiry Petrovitch (Innokenti Smoktunovsky) auf die Schliche. Beide liefern sich ein intellektuelles Katz-und-Maus-Spiel, bei dem Rodion unter dem zunehmenden, moralischen Druck seiner Schuld am Rande des Zusammenbruchs wandelt.

Meinung zum Film:
Nur zwei Monate nach dem Erscheinen von "Der Idiot" veröffentlicht das Label "Icestorm Entertainment" mit dem Titel "Schuld und Sühne" bereits die nächste hochwertige, russische Verfilmung eines Romanklassikers von Fjodor Michailowitsch Dostojewski. Es handelt sich hierbei um die Adaption des ersten großen Werks von Dostojewski mit einem Umfang von fast 900 Seiten aus dem Jahr 1866. Regie führte Lev Kulidzhanov ("Das Vaterhaus") und das Drehbuch schrieb er gemeinsam mit Nikolai Figurovsky, der auch die Vorlage zu seinem Film "Als die Bäume groß waren" lieferte. In den Hauptrollen agieren unter anderem Georgi Taratorkin ("Abweichung Null"), Innokenti Smoktunovsky ("Start zur Kassiopeia") und Yevgeni Lebedev ("Blockade"). Um der literarischen Vorlage und ihrem Umfang gerecht zu werden, besteht der Film aus zwei Teilen mit einer Gesamtlaufzeit von mehr als drei Stunden (208:48 Minuten). Der erste Teil läuft dabei 105:59 Minuten und der zweite Teil 102:49 Minuten.

Die Verfilmung von "Schuld und Sühne" zerfällt auch inhaltlich, entsprechend der formalen Struktur, in zwei unterschiedliche Teile. Im ersten Teil des Films wird der Zuschauer Zeuge des Mordes, bei dem entgegen der Planung auch eine unschuldige Zeugin getötet wird, und verfolgt fortan den seelischen und körperlichen Niedergang Raskolnikovs, der von Fieber, Ohnmachtsanfällen und vor allem seinem Gewissen geplagt wird. Im zweiten Teil schließlich kommt es zum Aufeinandertreffen mit dem Ermittler Petrovitch, der von ihrer ersten Begegnung an keinen Zweifel daran lässt, dass er Raskolnikov für den Täter hält, und das trotz fehlender Beweise. Raskolnikov reagiert zunehmend empfindlicher auf Petrovitchs unterschwellige Andeutungen und versucht sich immer wieder auf formaljuristische Verfahrensweisen zu berufen. Petrovitch läßt sich darauf jedoch nicht ein, unternimmt formal keine Schritte gegen ihn, erhöht jedoch stetig den psychologischen Druck auf Raskolnikov und lässt ihn nicht zur Ruhe kommen. Sein Ziel ist es, dass er schließlich zu ihm kommt und die Morde gesteht. Neben diesen Hauptthemen des Films, dem Seelenleben des innerlich zerrissenen Mörders und dem psychologischen Duell zwischen Ermittler und Täter, beinhaltet das Werk aber auch ein vielschichtiges Personengeflecht mit zahlreichen Nebenhandlungssträngen.  

So wird beispielsweise Raskolnikovs Schwester von zwei reichen Männern umworben, deren Motive aber in beiden Fällen nicht ganz koscher erscheinen. Immer wieder spielen hier materielle Interessen eine gewichtige Rolle, die mit übergeordneten, ideellen Motiven konkurrieren. Währenddessen versucht Raskolnikov seine Schuld auch dadurch abzutragen, dass er sich für andere einsetzt, seine Suche nach Erlösung lässt ihm den eigenen Fehltritt jedoch nur umso deutlicher gewahr werden. Letztendlich handelt es sich hier um eine inhaltlich äußerst komplexe und subtile Verfilmung der Vorlage, die aber auch handwerklich voll überzeugen kann. Die Geschichte entfaltet sich im Rahmen einer äußerst düsteren aber stimmungsvollen Bildsprache. So wirkt beispielsweise Raskolnikovs Wohnung geradezu klaustrophobisch und sargähnlich. Sie spiegelt damit das Seelenleben seines Bewohners wieder, der auch seine eigene Persönlichkeit ermordet hat. Armut und Leid sind in den Einstellungen allgegenwärtig und jeder der Protagonisten trägt seinen inneren Dämon mit sich herum. Der Film setzt auf ruhige Einstellungen ist dabei aber immer sehr dicht an den Gesichtern seiner Protagonisten. Verstärkt durch das Spiel von Licht und Schatten bietet hier das gesamte Darstellerensemble, auch in Mimik und Gestik, eine herausragende, ausdrucksstarke Vorstellung ab. Besonders in Georgi Taratorkins Gesicht ist sein innerer Konflikt zu jeder Zeit ablesbar und auch körperlich wirkt er beeindruckend wandelbar.

Digitale Aufarbeitung:
Das Schwarz-Weiß-Bild dieses fast 40 Jahre alten Films macht insgesamt einen wirklich guten Eindruck. "Schuld und Sühne" wird im korrekten Bildformat (2,35:1) präsentiert und bietet eine gute Bildschärfe und einen ausgewogenen Kontrast. Die Vorlage wurde offensichtlich digital aufbereitet und weist keine Beschädigungen und nur leichte Verschmutzungen auf, auch Bildrauschen ist nur in sehr geringem Ausmaß vorhanden. Der deutsche Ton bietet weiterhin zu jeder Zeit eine gute Verständlichkeit ohne besondere Schwächen. Die Originaltonspur fehlt auf der DVD aber ebenso wie Untertitel.  

Das Bonusmaterial ist leider sehr spärlich ausgefallen. Es umfasst lediglich die Bio- und Filmographie des Regisseurs Lev Kulidzhanov in Textform im Umfang von sechs Seiten sowie eine Bildergalerie zum Film.

Fazit:
"Schuld und Sühne" ist eine hochwertige, subtile Verfilmung des Romanklassikers von Fjodor Michailowitsch Dostojewski, die der Vorlage auch in Nuancen gerecht wird, und sowohl das Stimmungsbild, als auch die Komplexität des Buches, handwerklich effektiv und inhaltlich erschöpfend, einzufangen versteht. Die Darstellerriege bietet durch die Bank herausragende Leistungen und die düstere Stimmung, die auf den gepeinigten Seelen lastet, wirkt geradezu körperlich greifbar. Die DVD macht technisch ebenfalls einen guten Eindruck, lediglich die etwas magere Ausstattung erscheint verbesserungswürdig.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
2,35:1
2,35:1
208:48 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Bio- und Filmographie des Regisseurs Lev Kulidzhanov
  • Bildergalerie
Schuld & Sühne - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Schuld und Sühne
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Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Hochwertige, düstere Literaturverfilmung eines Dostojewski-Klassikers


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Sowjetunion, 1970
Regie:
Lev Kulidzhanov
Drehbuch:
Nikolai Figurovsky, Lev Kulidzhanov (basierend auf dem Roman von Fjodor Michailowitsch Dostojewski)
Darsteller:
Georgi Taratorkin, Innokenti Smoktunovsky, Tatyana Bedova, Viktoriya Fyodorova, Yefim Kopelyan, Vladimir Basov

Label Deutschland :
Icestorm Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
11.11.2009