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DVD-Besprechung - Hitlers Schergen jagen nie allein
Story:
Karl (John Shea) und Helmut Hoffmann (Bill Nighy) sind Brüder. Während Helmut ein Literaturstudium verfolgt, ist Karl ein arbeitsloser Mechaniker. Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit in Deutschland und den hochtrabenden Reformplänen der Nationalsozialisten zieht es den naiven Karl in die SA, während sein Bruder die Ideologie der Nazis ablehnt. Als er jedoch beim Fechten zufällig die Bekanntschaft von Reinhard Heydrich (David Warner) macht, gelingt es diesem Helmut für die SS anzuwerben, der an einen Triumph der Nationalsozialisten glaubt und als Pragmatiker den größtmöglichen Vorteil daraus schöpfen möchte. Karl bekommt es hingegen immer stärker mit den Schattenseiten der Bewegung zu tun und er wird im Verlauf des "Röhm-Putsches" selbst zur Zielscheibe.
Meinung zum Film:
"Hitler's Schergen jagen nie allein", ursprünglich "Wölfe jagen nie allein" betitelt, ist ein amerikanischer TV-Zweiteiler der NBC aus dem Jahr 1985, der in der vorliegenden Fassung als sogenannter "Director's Cut" zu einem Film mit einer Laufzeit von deutlich mehr als zwei Stunden zusammengefasst wurde. Kürzungen scheinen zumindest im Vergleich zu den Laufzeiten der alten deutschen Videofassungen bei dieser Version nicht vorzuliegen. Die Regie übernahm Jim Goddard, der in seiner Karriere eigentlich vorwiegend als Fließbandproduzent für das Fernsehen tätig war. Allerdings legte er mit dem Madonna-Vehikel "Shanghai Surprise" auch einen grandiosen Kinoflop hin, der folgerichtig für sechs "Goldene Himbeeren" nominiert wurde, und immerhin eine davon auch erringen konnte. Der Drehbuchautor Lukas Heller war zwar 1967 an der Vorlage für "Das Dreckige Dutzend" beteiligt, verschwand aber bereits Anfang der 70er-Jahre in der Bedeutungslosigkeit. Auf der Besetzungsliste tauchen einige bekannte Namen auf. John Shea spielte in den 90er-Jahren den Superschurken Lex Luthor in "Superman - Die Abenteuer von Lois & Clark", Bill Nighy dürfte vielen als Vampirfürst Viktor aus der "Underworld"-Reihe bekannt sein und der britische Charakterdarsteller David Warner ("Freibeuter des Todes") verkörpert Reinhard Heydrich, was allerdings trotz seines schauspielerischen Könnens, angesichts eines Altersunterschiedes von zu Beginn rund 16 Jahren gegenüber seiner Figur nicht unbedingt sinnig wirkt. In Nebenrollen agieren außerdem noch José Ferrer ("Hexensabbat"), Carroll Baker ("Wolfsmilch") und Tony Randall ("Die Morde des Herrn ABC").
"Hitler's Schergen jagen nie allein" deckt inhaltlich die Zeit vom Beginn der 1930er-Jahre, also des Aufstiegs der Nationalsozialisten, bis zum Kriegsende 1945, und damit dem Ende des Dritten Reichs, ab. Ein hehres Ziel, für das trotz oder vielleicht auch wegen der bekannten, mitwirkenden Darsteller offensichtlich überhaupt kein Budget mehr zur Verfügung stand. So sieht man in dieser gesamten Zeitspanne vom Alltag in Deutschland, bzw. im Dritten Reich, genauso wenig wie vom Kriegsgeschehen gegen Ende des Films. Vielmehr konzentriert sich der Film auf innerhäusliche Dialogszenen oder nichtssagende Außenaufnahmen. Den billigen TV-Look kann der Film dadurch aber auch nicht verhehlen und es gibt immer wieder Szenen, die man eher in einem Trashfilm vermuten würde. Wenn beispielsweise die Wehrmacht an der Ostfront amerikanische LKWs nutzt oder der bleiche, vampirähnliche Hitler beim "Röhm-Putsch" Röhm selbst ausgerechnet mit einem Knaben in flagaranti erwischt und sich daraufhin in spastischen Gesichtszuckungen ergeht, kann man trotz des ernsten Themas eigentlich nur noch unfreiwillige Komik attestieren.
Ein weiteres Problem des Films ist es, dass er beispielsweise im Hinblick auf die Tätigkeit der SS, genauer Heydrichs SD, bzw. später Reichssicherheitshauptamt, versucht historisch akkurat zu sein, sich aber andererseits bei der eigentlichen Story des Films, dem Schicksal zweier Brüder und ihrer Verbindungen mit dem Nationalsozialismus, immer wieder künstlerische Freiheiten herausnimmt und zudem auch extrem oberflächlich wirkt. Natürlich darf bei einer amerikanischen Produktion auch die unvermeidliche Love-Story, die hier völlig unpassend wirkt, nicht fehlen. In der Darstellung der Untaten des Regimes hält man sich hingegen extrem zurück, außer einer Exekution von angeblichen Partisanen und ein paar personalisierten Randinformationen zum Schicksal der Juden, gibt es in dieser Hinsicht wenig zu sehen. Peinlich ist es in diesem Zusammenhang aber auch, wenn sich die SS-Führung zu Beginn der 40er-Jahre Videomaterial der Alliierten von der Befreiung eines Konzentrationslagers anschaut oder bei Wochenschaumaterial und Reden grundsätzlich kein Originalton verwendet wird, sondern nur peinliche Nachvertonungen.
Digitale Aufarbeitung:
Auf der Rückseite der DVD prangt die Zeile "Digital Remastered", was angesichts der technischen Präsentation des Titels allerdings als blanker Hohn gegenüber dem Käufer gewertet werden muss. Die Bildschärfe ist unterdurchschnittlich und sorgt, gemeinsam mit den ausgeblichenen Farben, für ein stark verwaschenes Bild. Auch die Kontrastwerte können nicht überzeugen. In dunklen Szenen gehen weitere Details verloren, in Tageslichtszenen überstrahlt das Bild häufig. Dieses ist außerdem von Laufstreifen, diversen Verschmutzungen und Beschädigungen durchzogen. Ein starkes Rauschen ist ebenfalls feststellbar und da sich auch die Kompression unangenehm bemerkbar macht, hinterlässt das Bild dadurch einen unruhigen Eindruck. Die beiden extrem unspektakulären Tonspuren sind gut verständlich, brummen und rauschen allerdings auch im Hintergrund. Die deutsche Tonspur klingt zudem ziemlich verzerrt, während die englische Tonspur einen etwas dumpf klingenden Eindruck hinterlässt.
Es gibt keinerlei Bonusmaterial. Die DVD besitzt aber immerhin ein flatschenfreies Wendecover.
Fazit:
Eine vollkommen falsche Inhaltsangabe auf der Rückseite der DVD, eine technische Präsentation, für die sich jedes VHS-Band in Grund und Boden schämen müsste, die aber auch noch mit "Digital Remastered" beworben wird, und komplett fehlendes Bonusmaterial ergeben insgesamt das verheerende Gesamtbild einer völlig lieblosen, misslungenen Veröffentlichung. Der Film selber entpuppt sich zudem als dramaturgisch äußerst schnarchige, extrem oberflächlich präsentierte Angelegenheit voller künstlerischer Freiheiten, Logikfehler und budgetbedingter Peinlichkeiten. In dieser Hinsicht können auch die insgesamt ordentlichen Leistungen der Darsteller nichts mehr retten, da ihre Charaktere selten nachvollziehbar handeln und auch im Persönlichkeitsprofil nur unzureichend ausgearbeitet wurden.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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137:53 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 | Englisch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine Untertitel vorhanden. |
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Bonusmaterial:
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Wölfe jagen nie allein
Hitler's S.S.: Portrait in Evil
Schnarchig-oberflächliches NS-Drama mit einigen Peinlichkeiten in technisch grausamer Präsentation
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1985 Regie: Jim Goddard Drehbuch: Lukas Heller Darsteller: John Shea, Bill Nighy, Lucy Gutteridge, David Warner, José Ferrer, Tony Randall
Label :
Mr. Banker Films Verkaufsstart : 04.12.2009
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