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DVD-Besprechung - Film Noir Collection #4: Desert Fury

Story:
Die 19-jährige Paula (Lizabeth Scott) ist gerade zum fünften Mal von der Schule geflogen und kehrt daraufhin in die Kleinstadt Chuckawalla, Nevada zurück, um dort in die Fußstapfen ihrer Mutter, Fritzi Haller (Mary Astor), zu treten. Diese hat mit ihrem Spielcasino ein Vermögen gemacht und besitzt einigen Einfluss in der Stadt, gesellschaftlich akzeptiert wird sie jedoch nicht. Sie hat mit Paula jedoch ganz andere Pläne, die jedoch durch das Auftauchen ihres alten Bekannten und Berufsspielers Eddie Bendix (John Hodiak) durchkreuzt wird, in den sich Paula ausgerechnet Hals über Kopf verliebt. Fritzi will diese Beziehung mit allen Mitteln verhindern, denn Eddie steht im Verdacht seine Frau ermordet zu haben. Doch dieser Konflikt mit Paula treibt sie erst recht in Eddies Arme.

Meinung zum Film:
Im Mai des Jahres 2008 startete Koch Media die "Film Noir Collection" mit den drei Titeln "Die blaue Dahlie", "Spiel mit dem Tode" und "Schwarzer Engel". Nun, im Dezember des Jahres 2009 und somit rund 19 Monate später, setzt Koch Media die Reihe mit zwei weiteren Titeln, den Nummern 4 und 5 der Collection, fort. Das sind zum einen der hier vorliegende "Desert Fury - Liebe gewinnt" und zum anderen "Der schwarze Spiegel". "Desert Fury" wird dabei als "weltweite DVD-Erstveröffentlichung" beworben. Das ist allerdings nicht ganz korrekt, denn es existiert bereits seit einiger Zeit eine australische DVD, die allerdings keine deutsche Tonspur beinhaltete, somit liegt zumindest eine deutschsprachige DVD-Erstveröffentlichung vor. Anders als viele es von der "Schwarzen Serie" gewohnt sein dürften, wurde der vorliegende Film komplett in feinstem Technicolor gedreht. Den Regiestuhl übernahm Lewis Allen ("Der Unheimliche Gast"). Die Romanvorlage war das Debüt der Journalistentochter Ramona Stewart, von der erst im Jahr 1972, mit dem übernatürlichen Thriller "The Possession of Joel Delaney", ein weiteres Werk für die große Leinwand adaptiert wurde. Das deutlich entschärfte Drehbuch schrieben Albert Isaac Bezzerides ("Rattennest") und Robert Rossen ("Der Mann, der herrschen wollte"). In den Hauptrollen agieren Lizabeth Scott ("Stadt im Dunkel"), John Hodiak ("Kesselschlacht"), Wendell Corey ("Die Gezeichneten"), Mary Astor ("Die Spur des Falken") sowie Hollywoodstar Burt Lancaster ("Die Totenliste"), der parallel zu den Dreharbeiten, im Rahmen des Kinostarts von Robert Siodmaks "Rächer der Unterwelt", direkt mit seinem Debütfilm den großen Durchbruch schaffte.

Die Eingliederung von "Desert Fury" in die "Film Noir Collection" ist nicht nur aufgrund der unüblichen, farbenfrohen Optik eine mutige Entscheidung. Bereits das Setting des Films ist ungewöhnlich für dieses Genre, denn der Film spielt nicht in den verruchten Gassen einer Großstadt, sondern vielmehr in einer kleinen Stadt am Rande der Wüste, in der mehr Ordnungshüter als Verbrecher zu agieren scheinen. Auch wenn die damalige Einschätzung der "New York Times", die den Film als einen Western im modernen Gewand bezeichnete, im Booklet verworfen wird, ist dieser Gedanke zumindest in Teilen keineswegs abwegig. Denn in der Westernstadt Chuckawalla gibt es nicht nur Pferde oder ehemalige Cowboys, bzw. Rodeoreiter wie Tom Hanson (Burt Lancaster), sondern dieser ist gleichzeitig auch eine Art einsamer Sheriff, der für Ordnung sorgt und Fremde argwöhnisch beäugt. Zudem kontrolliert Fritzi Haller offensichtlich im Stile einer Großgrundbesitzerin Polizei und Justiz, Parallelen zu klassischen US-Western sind also keineswegs zu negieren. Wie in einem Film Noir besitzen alle Hauptfiguren eine mehr oder weniger angedeutete, dunkle Vergangenheit, die wie ein drückender Schatten über der gesamten Geschichte liegt. Allerdings ist der Unterton des Plots zwar in Teilen durchaus dramatisch, aber keineswegs so düster oder auswegslos, wie man das als Genrekenner erwarten würde. Vielmehr liegt auch eine gehörige Portion Kitsch in der Luft, wenn sich die Dreierkonstellation Paula-Eddie-Tom so richtig entfaltet und diese Atmosphäre wird durch die aufdringlich-emotionale Musikuntermalung sowie ein übertriebenes Happy End weiter betont.  

So entpuppt sich "Desert Fury" dann auch weniger als Film Noir, sondern schon eher als Drama inklusive Mutter-Tochter-Konflikt, Coming-of-Age-Elementen, unglücklicher Liebesbeziehung und vorhersehbarer Auseinandersetzungen. Leider kommt dementsprechend auch nie die große Spannung auf. Lizabeth Scott wirkt mit ihrer Rolle stark überfordert, ist zu alt für ihre 19-Jährige Figur und agiert meist übertrieben unreif nach ihrem ständig geäußerten Motto "Ich weiß nicht, was ich will". Im Zusammenhang mit dem vorliegenden Film wird auch immer wieder auf unterschwellige homosexuelle Inhalte verwiesen, die jedoch entsprechend des damaligen "Hays Code" verpönt waren. Aus heutiger Sicht muss man jedoch sagen, dass hier "offenkundig" die bessere Wortwahl wäre, denn der gute Johnny Ryan (Wendell Corey) agiert hier sogar als Hausmann und liefert sich voller Eifersucht mit Paula einen "Zickenkrieg" um Eddie. Was damals kontrovers gewirkt haben mag, erscheint heute eher albern, in diese Kategorie passen auch die gängigen, schlechten Rückprojektionen bei Autofahrten und ein paar Liebesszenen vor billigen Fototapeten. Leider sind auch die Dialoge eher platt und einsilbig geraten, was den für sich genommen nicht uninteressanten Charakteren ein wenig die Faszination nimmt.

Digitale Aufarbeitung:
Das digital remasterte Bild dieses 62 Jahre alten Films macht einen taufrischen Eindruck. Die farbenfrohe Technicolor-Optik bietet eine gute Schärfe, einen ausgewogenen Kontrast sowie kräftige und satte Farben. Das leichte Bildrauschen fällt kaum ins Gewicht und auch Verschmutzungen sowie Beschädigungen sind nur in geringem Umfang vorhanden. Auf der DVD befinden sich die deutsche und englische Tonspur. Beide verfügen über eine gute Verständlichkeit und klingen erstaunlich klar. Die englische Tonspur weist allerdings minimale Verzerrungen auf. Untertitel gibt es bei dieser Veröffentlichung nicht.

Die Veröffentlichung wird wie alle Teile der Reihe in einem Slim-Digipack ohne Schuber, einem sogenannten Mediabook, ausgeliefert. Darin integriert ist ein lesenswertes, 12-seitiges Booklet, das viele interessante Hintergrundinformationen zum Film enthält. Der FSK-Flatschen befindet sich als ablösbarer Aufkleber auf der Vorderseite der Verpackung. Die DVD enthält ansonsten lediglich den englischen Originaltrailer und eine Bildergalerie mit seltenem Werbematerial zum Film.

Fazit:
"Desert Fury - Liebe gewinnt" ist technisch eine absolut vorbildliche, liebevolle Veröffentlichung, der man ihr Alter kaum abnehmen möchte. Über die Sinnigkeit der Eingliederung in die "Film Noir Collection" lässt sich aber durchaus streiten, denn der sicherlich alles andere als herausragende aber auch nicht wirklich schlechte Film, dürfte eher Freunde altmodischer Hollywooddramen ansprechen und weniger Freunde düsterer Thriller oder spannender, wendungsreicher Kriminalfilme. Die Stärken des Films sind dann auch ohne Frage die interessanten Charaktere, die flüssige Inszenierung, die Emotionalität der Handlung und die größtenteils guten, darstellerischen Leistungen. Aber auch sie können aber die angeführten Schwächen nicht überdecken.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
1,33:1
1,33:1
91:38 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Englischer Originaltrailer
  • Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
  • 12-seitiges Booklet
Film Noir Collection #4: Desert Fury - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Desert Fury - Liebe gewinnt
Desert Fury

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein Film Noir in Technicolor, über dessen Eingliederung in die Reihe gestritten werden darf


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1947
Regie:
Lewis Allen
Drehbuch:
Albert Isaac Bezzerides, Robert Rossen (basierend auf einem Roman von Ramona Stewart)
Darsteller:
Lizabeth Scott, John Hodiak, Burt Lancaster, Mary Astor, Wendell Corey

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
04.12.2009