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DVD-Besprechung - Film Noir Collection #5: Der schwarze Spiegel
Story:
Der Arzt Dr. Peralta wird ermordet aufgefunden und mehrere Zeugen haben die junge Terry Collins (Olivia de Havilland) etwa zur Tatzeit seine Wohnung verlassen gesehen, was sie zur Tatverdächtigen Nr. 1 macht. Allerdings muss der ermittelnde Lieutenant Stevenson (Thomas Mitchell) schnell erkennen, dass sich die Lösung des Falls trotzdem alles andere als einfach gestaltet. Terry Collins hat nämlich eine nicht von ihr zu unterscheidende Zwillingsschwester namens Ruth (Olivia de Havilland) und keine von den beiden rückt damit heraus, wer eigentlich am Tatort gewesen ist. Stevenson versucht daraufhin mit Hilfe des Psychologen Dr. Scott Elliott (Lew Ayres) die Täterin zu überführen.
Meinung zum Film:
"Der schwarze Spiegel" ist die fünfte Ausgabe der im Mai 2008 von Koch Media gestarteten "Film Noir Collection" und erscheint parallel zu "Desert Fury - Liebe gewinnt". Der Psychothriller gilt als Klassiker des Film Noir und entstand unter der Regie von Robert Siodmak ("Die Wendeltreppe") im gleichen Jahr wie sein Erfolgsfilm "Rächer der Unterwelt". Das Drehbuch stammt von Nunnally Johnson ("Rommel, der Wüstenfuchs") und basiert auf einer oscar-nominierten Kurzgeschichte des französischen Schriftstellers Vladimir Pozner ("Mein Kind"). Der weibliche Star des Films ist Olivia de Havilland ("Wiegenlied für eine Leiche"), die hier abseits ihres sonstigen Images in einer Doppelrolle brilliert und im gleichen Jahr für "Mutterherz" den Oscar als beste weibliche Hauptdarstellerin erhielt. Die männliche Hauptrolle übernahm Lew Ayres, besser bekannt als Dr. James Kildare aus der "Dr. Kildare-Reihe" von Metro-Goldwyn-Mayer.
Die Psychoanalyse des Siegmund Freud als Inspirationsquelle beschert dem Zuschauer in "Der schwarze Spiegel" einer eher unüblichen Ermittler. Der klassische Kriminalbeamte, hier Lieutenant Stevenson, muss bereits zu Beginn des Films die Waffen strecken und zieht den Psychologen Dr. Elliott zu Rate. Diesem gelingt es jedoch unter Anwendung seiner wissenschaftlich greifbaren Methodik die sonst nicht feststellbaren, unterschwelligen charakterlichen Unterschiede beider Schwestern herauszuarbeiten. Durch die analytische Erstellung ihrer Persönlichkeitsprofile zerrt er somit die dunklen Schatten des mordlüsternen Wahnsinns ans Tageslicht. Die Dramaturgie des Films stützt sich dabei weniger auf die Frage nach der Identität der Täterin, die schon sehr früh geklärt zu sein scheint. Vielmehr gerät die eher verletzlich wirkende, aufrichtige Ruth selbst ins Visier der dominant und verschlagen auftretenden Terry und ihrer tödlichen Intrigen. Das Wechselspiel mit den Identitäten der beiden Schwestern und das Heraufbeschwören der seelischen Schattenseiten sorgt, bei aller Vorhersehbarkeit des Drehbuchs, für eine dichte Amosphäre und eine dramaturgisch einwandfreie Inszenierung. Die "Zwillingstricktechnik", die vor allem auf Rückprojektionen setzt, ist zwar für heutige Zuschauer durchaus erkennbar, für die damalige Zeit aber durchaus bemerkenswert umgesetzt worden.
Hinsichtlich seiner psychoanalytischen Ansätze und den naiven Mythen früher Zwillingsforschung gestaltet sich der Film wissenschaftlich allerdings wenig fundiert. Somit werden eben auch schonmal Schizophrenie, Persönlichkeitsspaltung und Paranoia in einen Topf geworfen, was dem Sehvergnügen aber insgesamt nicht wirklich abträglich ist. Gerade Olivia de Havilland gelingt eine faszinierende, darstellerische Leistung mit einer sehr akzentuierten Abstufung ihrer beiden innerlich heterogenen Charaktere. Während der Film zu Beginn sogar leichtfüßige, komödiantische Untertöne besitzt, verdüstert sich das Stimmungsbild im Verlauf der Handlung zunehmend und mündet in ein spannendes aber auch tragisches Finale.
Digitale Aufarbeitung:
Auch bei dieser Veröffentlichung der "Film Noir Collection" macht das digital remasterte Bild des immerhin bereits 63 Jahre alten Films einen wirklich überzeugenden Eindruck. Das Schwarz-Weiß-Bild verfügt über eine gute Schärfe und einen ausgewogenen Kontrast. Defekte und Verschmutzungen der Vorlage sind nur in geringem Maße vorhanden und auch das leichte Bildrauschen fällt nicht sonderlich ins Auge. Auf der DVD befinden sich die englische Originaltonspur und die deutsche Kinosynchronisation. Beide verfügen über eine gute Verständlichkeit und ihr hohes Alter ist ihnen schwerlich anzumerken. Die englische Tonspur klingt allerdings leicht verzerrt. Die Veröffentlichung beinhaltet keine Untertitel.
Die Veröffentlichung wird wie alle Teile der Reihe in einem Slim-Digipack ohne Schuber, einem sogenannten Mediabook, ausgeliefert. Darin ist erneut ein lesenswertes, 12-seitiges Booklet integriert, das einige interessante Hintergrundinformationen zum Film enthält. Der FSK-Flatschen befindet sich als ablösbarer Aufkleber auf der Vorderseite der Verpackung. Die DVD enthält als Bonusmaterial lediglich eine Bildergalerie mit seltenem Werbematerial zum Film.
Fazit:
"Der schwarze Spiegel" ist ein dramaturgisch mitreißender, atmosphärisch dicht inszenierter Psychothriller mit einer herausragenden Olivia de Havilland in einer glaubwürdigen Doppelrolle. Trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit der Geschichte und der etwas naiv wirkenden, psychoanalytischen Ansätze ist das Werk eine klare Empfehlung für Freunde klassischer Kriminalfilme der Schwarzen Serie. Technisch hinterläßt die DVD einen sehr guten Eindruck und stellt insgesamt die liebevolle Veröffentlichung eines Klassikers dar.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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81:43 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 | Englisch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine Untertitel vorhanden. |
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Bonusmaterial:
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- 12-seitiges Booklet
- Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
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Der schwarze Spiegel
The Dark Mirror
Spannender Psychothriller mit einer grandiosen Olivia de Havilland in einer Doppelrolle
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1946 Regie: Robert Siodmak Drehbuch: Nunnally Johnson, Vladimir Pozner Darsteller: Olivia de Havilland, Lew Ayres, Thomas Mitchell, Richard Long, Charles Evans, Garry Owen
Label :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart : 04.12.2008
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