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DVD-Besprechung - Projekt 2

Story:
Wissenschaftler Diego Durand (Adrià Collado) ist äußerst zufrieden mit seinem Leben. Er liebt seine Frau Suzanne (Lucía Jiménez) und den gemeinsame Sohn Matteo. Dies ändert sich jedoch schlagartig, als er eines Tages den Bericht über den Unfalltod eines Mannes im Fernsehen sieht, da der Tote aussieht wie sein Zwillingsbruder. Diego beginnt Nachforschungen anzustellen und bekommt dabei ihm immer mehr den Verdacht, dass die starken Visionen, unter denen er schon seit frühester Kindheit leidet, mehr als nur stressbedingte Symptome sind. Umso länger er in seiner Vergangenheit gräbt, umso mehr muss er erkennen, dass sein Leben auf einem großen Lügengerüst aufgebaut ist.

Meinung zum Film:
Regisseur Guillermo Fernández Groizard hat sich in Spanien durch seine Beteiligung an einigen TV-Serien einen Namen gemacht. Mit „Projekt 2“ versuchte er nun auch auf der großen Leinwand Fuß zu fassen. Optisch hat er sich dafür einiges einfallen lassen, um sich vom Gros anderer Thriller abzuheben. Von Beginn an nutzt er schnelle Schnitte und zeigt dabei nicht nur die Geschehnisse an einem Ort, sondern schaltet in einer Sequenz auch sehr schnell zwischen verschiedenen Schauplätzen hin und her. In den meisten Fällen wirkt dies durchaus interessant, teilweise aber auch etwas zu hektisch und unübersichtlich. Die Kamera steht ebenfalls nur höchst selten still. Sehr oft dreht sie sich im großen Kreis um die Protagonisten und gibt dadurch auch einfachen Dialogpassagen Bewegungen. Dies wirkt stellenweise aber auch etwas anstrengend, da die Drehungen relativ schnell geraten sind. Die wenigen ruhigen Momente im Film wirken dadurch teilweise schon mal ein wenig wohltuend beruhigend. Zu guter letzt arbeitet Groizard auch immer wieder mit Farbfiltern, die für unterschiedliche Grundstimmungen in den jeweiligen Momenten führen.

Bei der Geschichte bietet „Projekt 2“ einen höchst interessanten Einstieg. In der ersten halben Stunde ist es nicht ganz leicht den Geschehnissen zu folgen, da Szenen mit Diego (Adrià Collado / „Kilometre 31“) und dem späteren Unfalltoten, ebenfalls von Adrià Collado dargestellt, anfangs wie aus einer Sichtweise aufgenommen werden. Erst als Diego erkennt, dass eine Person mit seinem Aussehen ums Leben gekommen ist, wird dies auch für den Zuschauer richtig klar. Ab diesem Punkt übernimmt dann die Suche nach der Wahrheit den Mysterypart, der zu diesem Moment wunderbar funktioniert. Immer wieder eingestreute Visionen, unter denen Diego schon seit frühester Kindheit leidet und die er in unzähligen Therapiesitzungen nicht verstehen, geschweige denn verdrängen konnte, sorgen vor allem für ein spannendes Szenario. Zusätzlich werden zwei Gruppierungen in die Handlung eingeführt, bei denen auf der einen Seite vor allem zwei Profikiller zum Einsatz kommen, die auf der Suche nach Diego sind und auf der anderen Seite ein Organisation steht, deren Gesinnung nicht so recht eingeordnet werden kann.

Doch leider begeht der Film dann den Fehler, schon viel zu früh einige der Schleier zu lüften. Vor allem die Rolle von Diegos Frau Suzanne (Lucía Jiménez / „Eyes of Crystal“) wird viel zu früh und ohne Not offen gelegt. Recht früh zu Beginn wird sie Diego als Person offenbart, die auf ihn angesetzt wurde, bevor sie sich kennen lernten. Ihr Verhalten ihrem Mann gegenüber ist dann zusätzlich noch nicht sonderlich nachvollziehbar geraten, was der Figur im Film immer mehr ihre Glaubwürdigkeit raubt. Zum Ende hin häufen sich dann auch immer mehr Geschehnisse, die ebenfalls nicht ganz rund erscheinen. So gibt es eine sehr unübersichtlich gefilmte Verfolgungsjagd quer durch die Stadt, bei der die Verfolgten ihren Jägern erst entkommen, nur um dann ohne Not bei einer etwas holprigen Abfahrt sich selbst aus dem Spiel zu nehmen. Und ein Agent, der Jahre lang nicht mehr im Einsatz war, auf einmal aber in bester Einzelkämpfermanier im Saft stehende Gegenspieler austrickst und abwehrt, steht für die Abkehr von der anfänglichen Mysterystimmung, hin zu einer Actiongeschichte in Form eines „Bourne Identität“-B-Movies. Dass die anfangs für die Handlung sehr prägenden Visionen am Ende nicht so richtig aufgelöst werden ist dann auch nicht mehr so schlimm, da die Geschichte bis dahin ohnehin immer mehr zum tragenden Element für Actionsequenzen geworden ist. Schade, da so aus einem anfänglich vielversprechenden Mystery-Thriller ein nur durchschnittlicher B-Action-Film geworden ist.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ordnet sich im guten Durchschnitt ein. Die Konturen sind scharf gezeichnet und Details weitgehend gut auszumachen. Die Farben wirken nicht immer ganz natürlich, was aber durch den Einsatz von Filtern als künstlerischer Effekt anzusehen ist. Der deutsche Ton in Dolby Digital 5.1 oder wahlweise auch DTS 5.1 kommt sehr frontlastig daher, der hintere Bereich wird meist nur vom Soundtrack verwendet.

Als Extra gibt es lediglich den Trailer in deutscher und spanischer Sprache.

Fazit:
„Projekt 2“ beginnt als sehr vielversprechender Mysterythriller, der zum Ende hin aber immer mehr zu einem Agenten-B-Movie gerät. Wer allerdings über die offensichtlichen Schwachpunkte in der Story und dem schleichenden Genre-Wechsel hinwegsehen kann, wird bei dem Film aber sicherlich durchschnittlich gut unterhalten werden.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,85:1
1,85:1
96:31 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Spanisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Trailer
Projekt 2 - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Projekt 2
Proyecto Dos

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Zu Beginn sehr interessanter Mysterythriller, der mit der Zeit aber nachlässt


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Spanien, 2008
Regie:
Guillermo Fernández Groizard
Drehbuch:
Guillermo Fernández Groizard, Nacho Cabana, Manuel Valdivia, Chus Vallejo, Margarita Varea
Darsteller:
Adrià Collado, Lucía Jiménez, Tomás del Estal, Yaiza Esteve, Núria Gago, Jesús Granda, Helena Carrión, Carlos Olalla, María Luisa Merlo, Josep Maria Pou, Bruno Squarcia, Manuel Zarzo

Label Deutschland :
Sunfilm Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
08.01.2010