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DVD-Besprechung - Isnogud

Story:
Großwesir Isnogud (Michaël Youn) setzt alles daran, endlich Kalif anstelle des gütigen Kalifen Harun al-Pussah (Jacques Villeret) zu werden. Doch die Attentate des fiesen Giftzwergs gehen immer wieder schief.

Meinung zum Film:
Bagdad, die Prächtige, vor langer, langer Zeit: Das Land strahlt und gedeiht unter der Herrschaft des gütigen Kalifen Harun al-Pussah (Jacques Villeret). Sehr zum Missfallen seines Großwesirs Isnogud (Michaël Youn), der sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich "Kalif zu werden anstelle des Kalifen". Zusammen mit seinem treuen, aber etwas trotteligen Handlanger Tunichgut (Arno Chevrier) heckt Isnogud immer wieder diverse Attentate aus, die den gemütlichen Herrscher, der am liebsten schläft oder spielt, ins Jenseits befördern sollen. Unter anderem greift er dabei auf einen verzauberten Frosch und die Hilfe zweier chaotischer Lampengeister zurück. Doch immer wieder werden die Anschläge durch dumme Zufälle vereitelt und führen lediglich dazu, dass der Kalif noch größere Stücke auf seinen "stets zuverlässigen" Großwesir hält. Erst recht kompliziert wird die Sache, als sich Isnogud Hals über Kopf in die Prinzessin Prehti-Ouhman (Elsa Pataky) verliebt, die eigentlich die Frau des Kalifen werden soll ...

"Isnogud" basiert auf der gleichnamigen Comicreihe von René Goscinny und Jean Tabary, die neben "Asterix" und "Lucky Luke" sicherlich zu den bekanntesten Vertretern des frankobelgischen Comics gehört. Der Film ist zwar sicherlich nicht die beste Comicverfilmung aller Zeiten und war in Frankreich auch kein allzu großer kommerzieller Erfolg, doch bietet er durchaus nette Unterhaltung. Die Rollen sind durchweg gut besetzt und die Figuren wirken deutlich eher "wie direkt aus dem Comic" als das beispielsweise bei den Asterix-Verfilmungen der Fall war. Die Sets sind toll ausgestattet, die Tänze gut choreografiert und das Comicflair stimmig. Visuell ist "Isnogud" in jeder Hinsicht eine wahre Freude. Dass die Story eher belanglos ist (bei der ersten Hälfte des Films handelt es sich um eine etwas chaotische Aneinanderreihung diverser Attentate, während sich die zweite Hälfte der Story um Prehti-Ouhman widmet) und im Gegensatz zu den cleveren Comics eher auf platte Witze setzt, ist zwar schade, stört aber beim Anschauen des Films nicht zu sehr. Das, was man aus deutschen Comedy-Schmieden zu sehen bekommt, ist in der Regel deutlich niveauloser.

Über vier Jahre hat es gedauert, bis es "Isnogud" endlich auch zu einer deutschen Fassung schaffte. Von e-m-s bereits für das Frühjahrsprogramm 2008 angekündigt, verzögerte sich die Veröffentlichung immer wieder, bis der Film schließlich Weihnachten 2009 TV-Premiere bei RTL hatte und nun ein paar Wochen später auch auf DVD erschienen ist. Da der letzte Stand seitens e-m-s, bevor es sehr lange Zeit ruhig um den Film wurde, war, dass man gerade "die Synchro kalkuliere" ist davon auszugehen, dass diese nun im Auftrag von RTL entstanden ist. Eventuell gab es vorher bereits eine andere Synchronfassung, denn in den Songs ist statt Rick Kavanian als Sprecher Michael Pan zu hören, der Isnogud in der Zeichentrickserie aus den 1990er-Jahren seine Stimme lieh. Eventuell wurde er auch bewusst als Gastsprecher engagiert ... die wahrscheinlichere Variante dürfte allerdings sein, dass bereits eine (unvollständige?) Ursynchronfassung des Films mit Michael Pan als Isnogud existierte, man bei RTL aber unbedingt die Comedy-Schiene fahren wollte und daher eine Neufassung mit diverser B-Prominenz anfertigen ließ. Einerseits ist dies schade, denn Michael Pan passt - wie man schon in der Trickserie merkte - perfekt zu Isnogud, allerdings muss man andererseits zugeben, dass die Comedians ihre Sache zum Glück nicht allzu schlecht machen. Rick Kavanian leistet überzeugende Arbeit und auch seine Kollegen (u.a. Badesalz und Oliver Kalkofe) hören sich akzeptabel an. Lediglich Rüdiger Hoffmann passt überhaupt nicht als Tunichgut. Seine Stimme steht leider im völligen Widerspruch zur Figur, zumal er sie der Rolle auch kein bisschen anpasst und sich einfach nur wie Rüdiger Hoffmann auf der Bühne anhört.

Digitale Aufarbeitung:
Die DVD-Umsetzung fällt leider absolut enttäuschend aus. Dies fängt schon beim Cover an, für das offensichtlich der unterbezahlte Photoshop-Praktikant ans Werk musste. So ist die Hälfte der Darstellernamen falsch geschrieben und der deutsche "Isnogud"-Schriftzug wirkt wie ein ungelenk und an den Rändern teils krakelig nachgezeichnetes Imitat des französischen Originals. Bei der DVD selbst sieht das nicht besser aus. Das Menü wirkt wie in fünf Sekunden mit irgendeiner Freeware zusammengeschustert: Außer einem Standbild, das nicht mal den Bildschirm füllt, kommen keine gestalterischen Mittel zum Zug. Wer das aufwändig animierte Menü der französischen DVD kennt, dem kommen hier die Tränen. Technisch bietet die DVD Mittelmaß. Das Bild wartet mit kräftigen, leuchtenden Farben auf, die aber zum leichten Überstrahlen neigen. Die Schärfe ist lediglich befriedigend. Am auffälligsten ist jedoch die sehr problematische Kompression, die nicht nur viele Details verschluckt, sondern sich immer wieder in Kantenflimmern und stehenden Rauschmustern zeigt. Extrem bemerkbar macht sich dies in der Nachtszene, in der man Isnogud vor dem klaren Sternenhimmel sieht. Hier sind überall um Isnogud herum im Himmel Rausch-Schlieren zu sehen, die sich in unterschiedliche Richtungen bewegen und den eigentlich friedlichen Hintergrund zu einer wabernden Suppe werden lassen. Der Ton liegt auf Deutsch und Französisch in Dolby Digital 5.1 vor und bleibt - insbesondere in der deutschen Fassung - recht frontlastig. Zwar wird - gerade bei der Musik - auch gelegentlich Gebrauch von den hinteren Kanälen gemacht, davon bekommt man aber hauptsächlich bei der französischen Tonspur etwas mit, da die deutsche in dieser Hinsicht zu dezent abgemischt wurde. Dialoge sind sowohl auf Deutsch als auch auf Französisch jederzeit klar verständlich.  

Als Bonusmaterial gibt es lediglich den Trailer zum Film sowie eine kurze und völlig uninteressante Featurette aus dem Synchronstudio mit Rick Kavanian. Infos zum Film - Fehlanzeige! Selbst die französische Single-Disc-Edition hatte mit einem 25-minütigen Making Of mehr zu bieten als die deutsche Scheibe. Von der Special Edition, die ausführliche Dokus über die Filmmusik, Kostüme, Kulissen etc. enthielt, gar nicht erst zu reden. Dass man den deutschen Zuschauer mit einer derart lieblosen Umsetzung abspeist, ist extrem schade.

Fazit:
Mit "Isnogud" liegt nun - rund fünf Jahre nach dem französischen Kinostart - endlich die Realverfilmung der beliebten Comicreihe auch in einer deutschen Fassung vor. Der Film ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack und weist einige handwerkliche Mängel auf, weiß aber durch eine fantastische Optik zu gefallen und bietet solide Unterhaltung für zwischendurch. Die deutsche DVD-Veröffentlichung ist allerdings leider misslungen, da die Scheibe offensichtlich nicht nur vollkommen lieblos produziert wurde und technisch lediglich unteres Mittelmaß bietet, sondern auch noch absolut keine nennenswerten Extras enthält, obwohl diese reichlich vorhanden gewesen wären.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
2,35:1
2,35:1
94:49 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Französisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Trailer
  • Im Synchronstudio mit Rick Kavanian
Isnogud - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Isnogud
Iznogoud

Bild unseres Mitarbeiters Jano Rohleder
Nette Comicverfilmung, miserable DVD


Autor der Besprechung:
Jano Rohleder

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich, 2005
Regie:
Patrick Braoudé
Drehbuch:
Patrick Braoudé
Darsteller:
Michaël Youn, Jacques Villeret, Arno Chevrier, Elsa Pataky, Olivier Baroux, Kad Merad

Label Deutschland :
e-m-s
Verkaufsstart Deutschland :
08.01.2010