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DVD-Besprechung - Die Gräfin
Story:
"Die Gräfin" Erzebet Bathory (Julie Delpy) liebt den 20 Jahre jüngeren Istvan Thurzo (Daniel Brühl). Dieser erwidert diese zu damaligen Zeiten recht ungewöhnliche Liebe, doch sein Vater Gyorgy Thurzo (William Hurt) spinnt ein undurchsichtiges Konstrukt aus Intrigen und Verschwörungen. Er verheiratet seinen Sohn gegen seinen Willen mit der Tochter eines Geschäftspartners und sendet Erzebet einen gefälschten Brief. Istvan wolle die Gräfin verlassen, da er seine Liebe einer Jüngeren schenke. Daraufhin verfällt Bathory einem grenzenlosen Jugendwahn. Sie glaubt, das Blut von jungfräulichen Mädchen würde ihre Haut verjüngen. Ohne Skrupel tötet sie eine Jungfrau nach der anderen. Erst als Istvan zurückkehrt, erkennen beide das Lügenkonstrukt, welches von vielen Seiten um sie herum gesponnen wurde.
Meinung zum Film:
"Die Gräfin" war im Programm der letztjährigen Berlinale zu sehen und hat nicht zuletzt durch seine für ihre Kreativität bekannte Regisseurin und Hauptdarstellerin Julie Delpy ("2 Tage Paris") eine große Erwartungshaltung geweckt. Dieser kann der Film leider nicht gerecht werden. Julie Delpy spielt die Hauptfigur der ungarischen Gräfin Erzebet Bathory durchaus glaubhaft. Auch William Hurts Leistung als Vater des von Daniel Brühl gespielten Istvan gefällt. Dennoch überzeugt der Film trotz seiner guten Schauspieler kaum. An dieser Stelle sei der Darsteller Sebastian Blomberg ("Der Baader Meinhof Komplex") erwähnt, der durch seine beeindruckende Darstellung des zwielichtigen Ekelpaketes Dominic Vizakna sehr positiv auffällt.
Die Story ist zwar interessant, hat aber, um einen abendfüllenden Spielfilm zu füllen, zu wenig zu bieten. Die Gräfin verfällt, nachdem Istvan scheinbar eine Jüngere vorzog, einem dramatischen Jugendwahn und beginnt, skrupellose Morde an jungen Frauen zu begehen, um an deren Blut zu gelangen. Sie glaubt, dass dieses Blut der unberührten Jungfrauen ihr Altern aufhält und ihr jugendliche Schönheit beschert. So kommt es zu häufigen Leichenfunden im Umfeld des Wohnsitzes und einem Aufruhr gegen die Gräfin, für die es immer schwerer wird, derart harschen Verbrechensvorwürfen entgegen zu treten. Das ihre Beziehung zu dem enorm jüngeren Istvan endete, resultiert aus den verschwörerischen Verstrickungen Gyorgy Thurzos. Leider bleibt der Gräfin diese Tatsache zunächst verborgen, so dass sie sich in ihren Wahnvorstellungen verliert.
Dass diese Story einen deutlichen Seitenhieb auf die heutige Gesellschaft enthält, bleibt natürlich nicht verborgen. Jugendwahn, Schönheitswahn, integrantes Gemauschel um Stellung und Finanzen sind auch heute noch im täglichen Leben durchaus präsent. Auch feministische Ansätze sind dem Werk angedacht worden, die sich je nach Betrachtungswinkel als gut oder weniger gut herausgearbeitet, erkennen lassen. Doch im Großen und Ganzen hat der Film zu wenig starke Szenen. Die kühle und oft zu verschlossene Figur der Gräfin erweckt kaum Emotionen beim Zuschauer. Daraus resultiert, dass nur wenig Mitfiebern, Spannung oder Betroffenheit entsteht, was für ein Funktionieren des Films als Voraussetzung gegeben sein muss. So ist es zwar dramatisch, dass Erzebet die Absichten des fiesen Gyorgy Thurzo zunächst verschlossen bleiben, doch genau das ist eine der Schwächen des Films. Die sonst so starke Frau durchblickt nicht das Lügenkonstrukt der Männer und verliert sich in Psychosen. Julie Delpy, die neben ihrer Funktion als Regisseurin auch das Drehbuch schrieb, hätte aus dem reizvollen Stoff mehr machen können als diesen zum größten Teil im Genre-Drama anzusiedelnden Historienfilm. Gerade der Horrorbereich hätte das Handlungskonstrukt auf eine interessante Ebene gebracht, dessen Einbeziehung durch die blutigen Taten der Gräfin nicht unpassend gewesen wäre.
Digitale Aufarbeitung:
An der technischen Aufarbeitung des Films lässt sich nichts aussetzten. Das Bild ist scharf und gefällt durch matte Farben, die eine ungemütliche Atmosphäre konstruieren. Die zwei Tonspuren liegen im 5.1-Surround-Soundformat vor. Auf der ersten ist die deutsche Synchronisation enthalten, während Tonspur zwei das englische Original bereithält. Zudem besteht die Auswahlmöglichkeit, deutsche Untertitel zuzuschalten. Des Weiteren enthält die Disc deutsche Untertitel für Hörgeschädigte.
Als Extra ist der mit knapp 48 Minuten Laufzeit sehr üppig ausgefallene Mitschnitt der Berlinale-Pressekonferenz auf der DVD enthalten. Darin kommen Delpy, einige weitere Darsteller und der Produzent zu Wort. Dieses Feature bietet viele nützliche Hintergrundinformationen und vermittelt gleichzeitig etwas vom Festivalfeeling der Berlinale. Drei Interviews und der Trailer runden zusammen mit dem Making of zu den Special Effects des Films die umfangreiche Sonderausstattung ab.
Fazit:
"Die Gräfin" wird den hohen Erwartungen leider nicht gerecht, die eine July Delpy als Drehbuchautorin und Regisseurin weckt. Zu wenig bietet die Story um eine Gräfin, die aus schwerem Liebeskummer einem zwanghaften Jugendwahn verfällt, den sie nur durch das Auftragen von Mädchenblut stillen kann. Mehr Variationen und Einflüsse anderer Genres sowie das deutlichere Ausarbeiten der Verweise auf unsere heutige moderne Welt fehlen. Die Extras sind umfangreich und informativ.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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95:43 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte |
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Bonusmaterial:
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- Making of der visuellen Effekte
- Drei Interviews
- Pressekonferenz Berlinale
- Trailer
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Die Gräfin
The Countess
Guter Ansatz, der nicht umfassend genug aufgearbeitet wurde
Autor der Besprechung:
Marcus Offermanns
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich / Deutschland , 2009 Regie: Julie Delpy Drehbuch: Julie Delpy Darsteller: Julie Delpy, William Hurt, Daniel Brühl, Anamaria Marinca, Sebastian Blomberg, Anna Maria Mühe
Label :
X Edition
Verkaufsstart : 04.12.2009
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