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DVD-Besprechung - Love Exposure

Story:
Yu Tsunoda (Takahiro Nishijima) lebt bei seinen tief-religiösen Eltern und wird entsprechend erzogen. Als die Mutter früh verstirbt, wird der Vater katholischer Priester. Nachdem dieser einer Frau verfällt, die ihn schließlich verlässt, wandelt sich sein warmes Gemüt in überzogene religiöse Strenge: Yu muss täglich beichten, obwohl er sich nur selten etwas zu schulden kommen lässt. Bald begeht Yu Sünden am laufenden Band, da der Vater nur durch das Abnehmen der Beichte für seinen Sohn zugänglich ist. Kurz darauf trifft Yu auf Yoko (Hikari Mitsushima), in die er sich sofort verliebt. Dumm nur, dass Yoko eine krasse Abneigung gegen Männer einwickelt. Da Yu bei dem Treffen als Frau verkleidet auftritt, zu der sich Yoko hingezogen fühlt, löst Yu in ihr ungewollt sexuelle Irritationen aus. Zusätzliches Durcheinander kommt auf, als Yus Vater erneut mit der Frau zusammenkommt, die ihn kürzlich verlassen hatte. Diese ist nämlich Yokos Stiefmutter und so werden die zwei Teenager Bruder und Schwester. Yus Liebe bleibt zunächst unerwidert, zumal er sich Yoko nicht offenbaren kann. Die hat nur Gefühle für die vermeintliche Frau, die in Wahrheit der verkleidete Yu war. Mitschülerin Kaori wittert die maroden Verhältnisse und schleicht sich kurzerhand in die Familie ein. Sie spielt Yoko vor, dass sie die anzügliche Fremde war und gewinnt so Yokos Vertrauen. Als Anführerin einer anti-christlichen Sekte beabsichtigt Kaori die religiöse Bindung der Personen zu lösen und diese in ihre Sekte aufzunehmen. Yu wird aus dem Weg geräumt, doch dieser gibt seine Liebe zu Yoko nicht so einfach auf. Er stämmt sich gegen Kaori und setzt alles daran, die gefährliche Sekte zu bekämpfen. Dabei muss sich Yu bedrohlichen Herausforderungen stellen, die auch er nicht unbeschadet überstehen kann. Doch für die Liebe zu Yoko ist er zu allem bereit...

Meinung zum Film:
"Love Exposure" ist einer jener Filme, die sich kaum in eine Form pressen lassen und natürlich deshalb auch schwer beschreibbar sind. Die oben stehende Zusammenfassung offenbart, dass es sich bei dem japanischen Film um eine vielseitige Abhandlung über Familie und Gesellschaft handelt, die nicht zuletzt die Liebe zwischen den verschiedenen agierenden Personen fokussiert. Bis Ordnung in die einzelnen Erzählfäden kommt, vergeht locker die erste Stunde des insgesamt knapp vierstündigen Werks. Trotz dieses monumentalen Ausmaßes wird "Love Exposure" jedoch nicht langweilig und kann fast ausnahmslos über die Laufzeit fesseln. Dies resultiert aus dem poppigen und abwechslungsreichen Stil, der Film ist frech, explizit und oft auch indiskret. "Typisch japanisch" sagen viele. Teilweise extrem und expressiv was Gewaltdarstellungen und Sexualität angeht, das Gezeigte überschreitet jedoch ein gewisses Maß nicht und passt daher in das verrückte Konzept der Inhalts- wie auch der stilistischen Ebene.

Die Presse überschüttete "Love Exposure" nach dem Screening auf der letztjährigen Berlinale mit viel Lob und auch die Reaktionen zum deutschen Kinostart im August 2009 fielen sehr positiv aus. Von einer "bewegenden Grenzerfahrung" war die Rede und dies lässt sich ohne Zweifel bestätigen. Regisseur Shion Sono ("Strange Circus") schafft es, mehrere Stile und Verweise auf das asiatische Kino und die dortige Popkultur in seinem Film unterzubringen. Dies äußert sich zugegebenermaßen in einem anfänglichen Durcheinander, das viel Aufmerksamkeit von Zuschauer verlangt um den Durchblick zu erlangen. Doch dann begeistert der Film durch seine Originalität, seine Vielschichtigkeit und die vielseitigen Handlungsentwicklungen. Neben den bereits angesprochenen cinematografischen und (pop-)kulturellen Verweisen lässt sich ebenso eine interessante politisch-soziale Ebene voller Bezüge auf die moderne Gesellschaft Japans feststellen. Nicht nur dort existierende Moralinstanzen werden kritisch beäugt: Religion und Familie. Alles hat in "Love Exposure" seinen Platz, Sono kombiniert gekonnt und schlüssig Gegensätzliches wie Katholizismus und Sexualität sowie Sünde, Unschuld und Romantik. Das Beachtenswerte ist, dass diese ungewöhnliche Mixtur tatsächlich einen Sinn ergibt.

Destilliert man aus allen Inhalten und Ansätzen den Handlungskern, geht es in "Love Exposure" um eine klassische Liebesgeschichte. Der zunächst an seiner Fähigkeit zur Liebe und Sexualität zweifelnde Yu (Takahiro Nishijima, "Gôsuto furenzu") verfällt urplötzlich der abweisenden Yoko (Hikari Mitsushima, "Exte: Hair Extensions"). Diese lehnt aber Männer ab, was weniger auf ihrer sexuellen Orientierung beruht, als auf den Missbrauchsversuchen ihres Vaters. Alles Yu nun anstellt, geschieht um seine Liebe zu Yoko eine Erfolgsaussicht einzuräumen. Die Rahmenhandlungen bezüglich des religiösen Vater und seinem Beziehungsgeflecht oder der Handlungsfaden über die Sektenführerin Kaori (Sakura Ando, "The Wonderful World of Captain Kuhio"), die Yus gesamte Familie einspinnt, erweitern die in der Kernhandlung fokussierte Lovestory und schaffen einen epochalen Film, der dem Vergleich mit Werken aus dem Operettenbereich standhält. Ein weiterer Schmankerl ist der sofort ins Ohr gehende Soundtrack. Dieser bietet rhythmische Klänge, die genau so verrückt und unkonventionell sind wie Optik und Inhalt des Films. Bei der musikalischen Untermalung lässt sich eine Ähnlichkeit zur inhaltlichen Ebene erkennen: Deren Vielseitigkeit drückt sich auch in der verwendeten Musik aus. Klassische Klänge werden durch poppige Melodien ergänzt und so gelingt Shion Sono auch hier eine gelungene Mischung.

Digitale Aufarbeitung:
Der Film wurde aufgrund seiner extremen Länge auf zwei DVDs aufgeteilt. Die Bildschärfe ist dennoch nur als durchschnittlich zu bezeichnen. Stellenweise ist ein in seiner Auffälligkeit variierendes Bildrauschen zu kritisieren, was jedoch als einziger Kritikpunkt anzuführen ist. Farben und Beleuchtung machen einen guten Eindruck. In Sachen Sound reizt "Love Exposure" die Möglichkeiten einer DVD nicht voll aus, da die Tonspur "nur" in Dolby Digital 2.0 vorliegt. Zudem ist der Film nicht synchronisiert. Durch gut lesbare deutsche Untertitel ist das Ansehen dennoch unterhaltsam, doch Synchro-Fans wird das Fehlen eines deutsche Tons abschrecken. Freunde von Originalversionen kommen hingegen voll auf ihre Kosten.

Die auf der zweiten DVD zu findenden Specials umfassen eine halbstündige Dokumentation und drei Deleted Scenes sowie den Kinotrailer. Beide DVDs kommen im Digipak inklusive Booklet zum Film.

Fazit:
"Love Exposure" bietet einen vielseitigen Genremix, der im Kern eine klassische Lovestory beinhaltet. Die Rahmenhandlung ist voller cinematografischer Verweise und Zitate und bezieht sich oftmals kritisch auf gesellschaftliche Zustände sowie deren Moralinstanzen. Mit vier Stunden Laufzeit verlangt der Film ordentlich "Sitzfleisch" vom Zuschauer, der jedoch – wenn er sich auf den Film einlässt – ein beeindruckendes und vielschichtiges Werk genießen kann.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,78:1
1,78:1
226:50 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Japanisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Dokumentation
  • Deleted Scenes
  • Kinotrailer
  • Booklet
Love Exposure - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Love Exposure
Ai no mukidashi

Bild unseres Mitarbeiters Marcus Offermanns
Große Kinomomente durch absolut Unkonventionelles in Optik und Story


Autor der Besprechung:
Marcus Offermanns

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Japan , 2008
Regie:
Shion Sono
Drehbuch:
Shion Sono
Darsteller:
Takahiro Nishijima, Hikari Mitsushima, Sakura Ando, Makiko Watanabe, Atsuro Watabe

Label Deutschland :
Rapid Eye Movies
Verkaufsstart Deutschland :
05.02.2010

Vertrieb Schweiz :
Kein Verleih bekannt
Verkaufsstart Schweiz :
Noch kein Termin bekannt