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DVD-Besprechung - Die Pagode zum fünften Schrecken

Story:
Reporter Bob Mitchell (Robert Cummings) ist in Hongkong auf der Spur der sagenumwobenen fünf goldenen Drachen. Dahinter verbergen sich die Köpfe einer kriminellen Geheimorganisation, von denen jüngst einer ums Leben kam. Bei seinen Recherchen gerät Bob selbst immer mehr in Gefahr und auch die Polizei in Form von Inspector Chiao (Roy Chiao) hat ihn bald in Verdacht, selbst in die Machenschaften verstrickt zu sein - spätestens nachdem in seinem Hotelzimmer eine tote Frau gefunden wird.

Meinung zum Film:
Als Produzent und Drehbuchautor Harry Alan Towers („Ich, Dr. Fu Man Chu“) mit der Pre-Produktion zu „Die Pagode zum 5. Schrecken“ begann, hatte er einen weiteren Film mit dem von Edgar Wallace geschaffenen Inspector Sanders im Sinn. Doch umso weiter die Produktion fortgeschritten war und umso weiter er mit dem Drehbuch fortschritt, umso mehr musste er erkennen, dass der Film eine ganz andere Richtung einschlug. Die Figur des Kommissar Sanders hatte kaum noch etwas mit dem von Edgar Wallace geschaffenen Sanders zu tun. Im Film wird er zudem nicht einmal mit dem Namen Sanders angesprochen. Während aus marketingtechnischen Gründen auf dem deutschen Cover groß der Name Edgar Wallace prangert, verzichtete man bei der Kinoveröffentlichung schon gänzlich darauf. Doch nicht nur darauf wurde seitens des deutschen Kinoverleihs seinerzeit verzichtet, auch insgesamt rund 25 Minuten des Films wurden für die deutsche Schnittfassung gekürzt, wodurch der Film hierzulande nur eine Laufzeit von rund 78 Minuten besaß. Darin enthalten war dafür ein Gesangsauftritt in einem Nachtclub, der in der englischen Schnittfassung fehlte.

Dass die zahlreichen Schnitte nicht gerade zum Verständnis der Story beitragen, ist schnell zu erkennen. Wie es zu manchen Erkenntnissen kommen konnte, ist ähnlich verschleiert wie die Funktion vereinzelter Personen. Das Tempo im Film wirkt dadurch auch insgesamt relativ gehetzt und die Charaktere nur schemenhaft umrissen. Das Drehbuch sorgt darüber hinaus mit einigen Gegebenheiten für zusätzlich Stolperfallen für die Geschichte. So scheint es zum Beispiel Charmebolzen Bob Mitchell vor lauter Recherche nicht zu merken, dass seine Freundin von Ganoven entführt wurde. In der englischen Fassung fällt dies nicht ganz so gravierend aus, da die beiden sich hier gerade erst kennen gelernt haben. Die Rolle von Klaus Kinski („Nosferatu: Phantom der Nach“), als der gewohnt düstere Bösewicht wirkt auch alles andere wichtig. Vielmehr hat es den Anschein, als hätte Towers erst kurzfristig mitbekommen, dass der beliebte Filmbösewicht für den Film zur Verfügung steht und ihm dann kurzerhand noch ein paar Szenen ins Skript geschrieben. Kinski könnte problemlos durch einen namenlosen Gangster ersetzt oder sogar komplett gestrichen werden, ohne dass dies den Film groß beeinflusst hätte. Auch der Auftritt von Christopher Lee („Dracula“) ist nicht mehr als ein kurzes Intermezzo, da er lediglich am Ende zusammen mit den anderen verbliebenen drei goldenen Drachen an einem Tisch sitzt und dabei noch meist eine alberne Maske trägt.  

Dank einer Kooperation mit den Shaw-Brothers hat es Towers aber trotzdem geschafft, eine gute Atmosphäre für seinen Film zu schaffen. Außenaufnahmen wurde an Originalschauplätzen in Hongkong gedreht, für Innenaufnahmen konnte er auf die Shaw-Brothers-Studios zurückgreifen. Somit gelingt es dem Film vor allem durch seine Kulissen zu punkten. Das exotische Flair der damaligen britischen Kronkolonie wurde wunderbar eingefangen und zusammen mit dem Soundtrack von Malcolm Lockyer („Da waren's nur noch Neun“), der im Deutschen um Stücke aus dem Constantin-Fundus erweitert wurde, gelingt es dem Film einen prächtigen Rahmen zu liefern. Das ist aber auch nötig, da der Rest nicht immer ganz zu glänzen versteht. Bob Mitchell dürfte manch einem mit seiner lockeren, albernen Art schon recht früh auf den Keks gehen, wie auch der Wechsel zwischen teils ernsten Szenen und erneutem Slapstick. Diese kann dem aber ohnehin inhaltlich nicht sonderlich hochtrabenden Film nicht weiter schaden. Es reicht insgesamt zu einem anspruchslosen Abenteuerfilm, der den Unterhaltungswert eines Fast-Food-Menüs hat. Wem das reicht, der ist hier bestens aufgehoben.

Digitale Aufarbeitung:
Vor dem Beginn des Films weist eine Tafel darauf hin, dass das vorliegende Bildmaterial nicht immer das beste gewesen sei und man sich dafür entschuldigt. So schlimm wie manch einer befürchten mag, fällt das Ergebnis dann aber doch nicht aus. In Sachen Schärfe bleibt teils zwar sicherlich noch einiges an Luft nach oben, aber ansonsten gibt es kaum Grund groß zu klagen. Immerhin stammt das Material aus den 60er-Jahren und dürfte auf Grund der zu erwartenden Einnahmen kaum Kandidat für eine aufwendige Restauration sein. Auch der deutsche Ton in Dolby Digital 2.0 ist ordentlichen gelungen und ist durchweg gut zu verstehen. Lediglich vereinzelte, kurze Passagen wirken mal ein klein wenig dumpf.  

Als Extra liegt neben einer Bildergalerie auch der Film in der englischen Langfassung vor. Dies allerdings lediglich in englischer Sprache ohne Untertitel. Nachlesen kann man die Unterschiede in den Fassungen auch im beiliegenden Booklet, in dem Guiskard Oberparleiter ausführlich und sehr interessant auf die Entstehung und die Hintergründe des Films eingeht.

Fazit:
„Die Pagode zum 5. Schrecken“ ist eine für die 60er-Jahre übliche Abenteuerfilm-Produktion mit exotischem Flair, die in Sachen Drehbuch allerdings sehr überschaubare Bemühungen erkennen lässt. Die Kürzungen für die deutsche Schnittfassung tragen ihren Rest dazu bei, dass das Werk inhaltlich ziemlich verworren herüber kommt. Doch dank der guten Einbindung von Hongkong als Kulisse, einem stimmungsvollen Soundtrack und seinem großen Nostalgiebonus versteht es der Film, recht ordentlich über seine kurze Laufzeit zu unterhalten. Wer gute Englischkenntnisse besitzt kann zudem auch auf die deutliche stimmigere Langfassung zurückgreifen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
2,35:1
2,35:1
78:06 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • 25 Minuten längere, internationale Schnittfassung (Englisch ohne Untertitel)
  • Bildergalerie
  • Booklet mit Hintergrundinformationen
Die Pagode zum fünften Schrecken - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Die Pagode zum fünften Schrecken
Five Golden Dragons

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Ein inhaltlich recht verworrener Abenteuerfilm, der aber durchaus kurzzeitig unterhalten kann


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
UK / Deutschland / Liechtenstein, 1967
Regie:
Jeremy Summers
Drehbuch:
Harry Alan Towers
Darsteller:
Robert Cummings, Rupert Davies, Roy Chiao, Margaret Lee, Maria Rohm, Maria Perschy, Christopher Lee, Brian Donlevy, Dan Duryea, George Raft, Sieghardt Rupp

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
15.01.2010