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Blu-ray-Besprechung - Siegburg
Story:
Mitch Palmer (Shaun Sipos) sitzt zusammen mit drei weiteren Männern (Edward Furlong, Sam Levinson, Steffen Mennekes) in Haft. Die Zeit vertreiben die Vier sich mit Pokern. Als Mitch die Zigaretten für den Einsatz ausgehen, bietet er als Einsatz an, im Falle einer Niederlage den Inhalt einer Tube Zahnpasta zu essen. Als er verliert weigert er sich zunächst die Wettschuld einzulösen, wir dann aber dazu gezwungen. Doch dies ist erst der Beginn einer Eskalation von Gewalt und Erniedrigungen, die mit Mitchs Tod endet.
Meinung zum Film:
„Siegburg“-Regisseur Uwe Boll („Schwerter des Königs“) gehört sicherlich zu den am meist diskutierten Filmemachern im Geschäft. Bis hin zu einer Petition, in der die Unterzeichner darum bitten, dass Uwe Boll keine weiteren Filme mehr drehen möge und die es auf über 350.000 Antragssteller brachte, reichen die Anfeindungen gegen den Regisseur. Doch dieser lässt sich nicht beirren und dreht weiter seine Filme, für die er in der Regel auch weiterhin prominenten Darsteller gewinnen kann. Während Uwe Boll üblicherweise bevorzugt Videospiele als Vorlage für seine Filme nimmt, nahm er sich nun den Geschehnissen in einer Zelle der JVA Siegburg an, bei denen am 11.11.2006 drei Häftlinge ihren Mitgefangenen erst folterten und dann aufhängten. Manch einer mag im Vorfeld Befürchtungen hinsichtlich der Umsetzung dieses ernsten und tragischen Themas gehabt haben, was sich im Nachhinein allerdings als unbegründet herausstellt.
Der Film setzt nicht auf plakative Effekte, die Folterszenen werden grafisch nicht in den Vordergrund gerückt. Vielmehr beschäftigt er sich mit der immer angespannteren Atmosphäre in der engen Zelle, setzt sich mit der Gruppendynamik und dem psychischen Druck auseinander, der auf den Häftlingen lastet. Schritt für Schritt entwickeln diese sich immer weiter zu Monstern und ihr Opfer wird immer weniger als Mensch angesehen, sondern vielmehr als ein Objekt, an dem sie ihre perversen Ideen ausprobieren können. Die Stimmung des Films erinnert ein wenig an „Das Experiment“, wo auch das aufsteigende Gefühl von Macht über andere Menschen immer weiter dafür sorgte, dass die Grenzen des menschlichen Verhaltens immer weiter verkleinert wurden. Die Beengtheit der Zelle, die Handkamera, die aus einer Ich-Perspektive das Geschehen zeigt und die immer intensiver werdenden Spannungen sorgen dafür, dass der Film zu einem immer schwerer zu verdauenden Brocken für den Zuschauer wird. Man wird immer tiefer mit in die Aktionen mit hinein gezogen und kann die Atmosphäre in dem kleinen Raum immer intensiver spüren.
Der Inhalt des Films hält sich dabei aber nicht stoisch an die Protokolle, die bei der Gerichtsverhandlung zu den tatsächlichen Geschehnissen aufgezeichnet wurden. Auch die einzelnen Charaktere, die über Szenen in der Zelle und Aussagen, die sie zwischendurch immer direkt in die Kamera machen, scheinen ebenfalls nicht ganz mit den tatsächlichen Tätern übereinzustimmen. Doch der Kern der Geschehnisse wird durchaus herüber gebracht. Die Erniedrigung Mitchs, sein eigenes Erbrochenes auflecken zu müssen oder ein rektal eingeführter Besenstiel sind auch für den Zuschauer wie Faustschläge in den Magen. Die grafische Gewalt ist dabei gar nicht mal so offensiv, dafür wirkt die psychologische Seite des Films umso verstörender. Wenn die Protagonisten in den Zwischenschnitten immer wieder über Eigendynamik und Beweggründe zur Tat reden, läuft es einem eiskalt den Rücken herunter. Wer hätte gedacht, dass man über einen Uwe-Boll-Film einmal derartige Aussagen treffen würde und sich damit tatsächlich auf den Inhalt bezieht und nicht auf die Machart. „Siegburg“ dürfte der bislang beste Film des Filmemachers sein. Für jedermann geeignet ist er aber definitiv nicht. Zartbesaitete Gemüter sollten sich lieber davon fernhalten.
Digitale Aufarbeitung:
Die Schärfe des Bildes ist recht schwankend und reicht von gut bis durchschnittlich. Die Konturen sind meist fein gezeichnet und Details gibt es bis auf wenige Ausnahmen hinreichend zu sehen. Die Farben wirken insgesamt ein klein wenig blass. Das Bild ist in seiner nicht ganz glatten Form ein Plus für die Atmosphäre des Filmes. Ein Manko ist dann allerdings das fast durchweg deutlich zu erkennende Rauschen. Der deutsche Ton in DTS-HD Master Audio 5.1 ist durchweg gut zu verstehen, Effekte sind allerdings keine zu hören. Dies liegt aber in erster Linie an der kammerspielartigen Inszenierung, die keinen großen Raum für Effekte bietet.
Als Extras gibt es ein rund 15-minütiges Making Of, in dem der Regisseur und die Darsteller über ihre Erfahrungen und Intentionen beim Dreh erzählen. Dabei wird vor allem auf den Handlungsspielraum eingegangen, den die Schauspieler beim Improvisieren der Dialoge hatten, da das Drehbuch nur eine grobe Richtung vorgab. Es folgen noch rund 12 Minuten nicht verwendeter, bzw. alternativer Szenen und 22 Minuten unkommentierter Bilder vom Dreh. Abschließend folgt noch der Trailer zum Film.
Fazit:
„Siegburg“ basiert auf dem Foltermord, der in der JVA Siegburg am 11.11.2006 geschah. Uwe Boll ist basierend auf diesem tragischen Ereignis ein sehr verstörender und sehr düsterer Film über Gruppendynamik und die dunkle Seite der menschlichen Seele gelungen. Für zarte Gemüter ist der Film eindeutig nicht geeignet. Die Bestie Mensch wurde selten so eindringlich ans Tageslicht gelockt.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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83:05 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch DTS-HD Master Audio 5.1 | Englisch DTS-HD Master Audio 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Making Of
- Deleted Scenes
- Behind the Scenes
- Trailer
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Siegburg
Stoic
Ein beklemmendes Kammerspiel, basierend auf einer wahren Begebenheit
Autor der Besprechung:
Michael Tomiak
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Kanada, 2009 Regie: Uwe Boll Drehbuch: Uwe Boll Darsteller: Edward Furlong, Shaun Sipos, Sam Levinson, Steffen Mennekes
Label :
NewKSM
Verkaufsstart : 14.01.2010
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