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Blu-ray-Besprechung - Nichts als die Wahrheit

Story:
Rachel Armstrong (Kate Beckinsale) ist eine aufstrebende Inlandsreporterin bei einer Washingtoner Zeitung. Durch Zufall kommt sie an brisante Informationen die belegen, dass ein Vergeltungsschlag gegen Venezuela, aufgrund eines Attentats auf den amerikanischen Präsidenten, nicht gerechtfertigt war. Als sie sich weigert den Namen ihres Informanten preiszugeben, wird sie in Untersuchungshaft gesteckt. Denn da sie in ihrem Artikel die Identität einer verdeckt ermittelnden CIA-Agentin entlarvte, verstieß sie gegen ein Gesetz aus dem Jahre 1902. Doch Rachel lässt sich nicht unterkriegen und will lieber weiter hinter Gittern bleiben, als ihre journalistischen Grundsätze zu brechen.

Meinung zum Film:
„Nichts als die Wahrheit“ ist bereits der zweite Film von Regisseur Rod Lurie, der sich mit der Integrität von Journalisten und den Konsequenzen ihrer Artikel auseinandersetzt. Während der aufstrebende Sportjournalist Erik Kernan, Jr. in „The Champ“ durch eine zufällige Begegnung mit einem ehemaligen Boxer ins Rampenlicht rückt und anschließend eine große Enttäuschung zu überstehen hat, kommt auch Rachel eher zufällig in den Besitz von brisanten Informationen, die sie dann ebenfalls ohne zu ahnen, welche Ausmaße der Artikel tatsächlich annimmt, veröffentlicht. Doch hier trennen sich dann die Pfade der Filme. Denn während Erik eher ein moralisches Dilemma zu überstehen hat, sind die Konsequenzen bei Rachel deutlich weitreichender. Auf einmal findet sie sich hinter Gittern wieder und in den Wochen und Monaten, in denen sie ihre „Beugehaft mit anderem Namen“ absitzt, entfremden sich ihr Mann und auch ihr Sohn, der sie nicht im Gefängnis besuchen soll, immer mehr.

Die Rolle der Rachel wird gespielt von Kate Beckinsale („Underworld: Evolution“), die im weiteren Verlauf immer weniger persönliche Eitelkeit erkennen lässt. Mit dem Antritt der Haft beginnt ihr glänzendes Äußeres immer weiter zu verblassen. Mit der Zeit sieht sie stark mitgenommen aus, Make-Up kommt dann keines mehr zum Einsatz. Dieser blasse Eindruck ist aber auch notwendig bei der Darstellung einer Frau, die für ihre Prinzipien ins Gefängnis geht und sich trotz dieser drastischen Wendung nicht davon überzeugen lässt, ihren Informanten zu verraten. Bedrängt wird Rachel dabei vom extra für die Enttarnung des Informanten abgestellten Staatsanwalt Patton Dubois, der äußerst überzeugend von Matt Dillon („L.A. Crash“) dargestellt wird. Mit einer Mischung aus gutem Freund und eiskaltem Verfechter seiner Ziele versucht er Rachel mit Zuckerbrot und Peitsche den Namen zu entlocken. Und mit jedem weiteren Nein und mit jedem weiteren Monat der ins Land zieht, wird die Form der Peitsche immer angsteinflößender. Aber auch Erica Van Doren (Vera Farmiga / „Der Junge im gestreiften Pyjama“), die Agentin, die in dem Artikel enttarnt wurde, hat unter der Enttarnung nachhaltig zu leiden. Ihre Tochter zieht mit ihrem Vater weg, ihre freiwillige Arbeit an der Schule ihrer Tochter ist nicht mehr erwünscht und ständig wird sie von Reportern bedrängt, die mehr über die Frau mit den geheimen Aktivitäten erfahren wollen. Alan Alda („Aviator“) versucht in seiner Rolle als Staranwalt alles um seine Mandantin aus der Haft freizubekommen, während David Schwimmer („Friends“) als ihr Ehemann die Sturheit seiner Frau nicht mehr tragen möchte. Angela Bassett („What's Love Got to Do with It“) als Chefredakteurin versucht Rachel zu helfen, ist selbst aber ziemlich machtlos gegenüber dem Staatsapparat.

Was man allerdings nicht von „Nichts als die Wahrheit“ erwarten darf, ist ein Gerichtsthriller der Marke John Grisham („Die Firma“). In erster Linie geht es im Film um die Person der Rachel, die sich selbst zur Märtyrerin macht um den Grundsatz von Journalistin zu unterstreichen, dass Namen von Informanten auf gar keinen Fall genannt werden. Patton Dubois hingegen zeigt, dass der Staat sich das nicht gefallen lässt und dass es eine Rechtssprechung gibt, auf die man sich berufen kann. Dadurch wird die Journalistin auf einmal zur Bedrohung der nationalen Sicherheit und der Staatsapparat macht klar, dass er sich das Schweigen auf keinen Fall gefallen lassen wird, koste es was es wolle. Die Auflösung um den mysteriösen Informanten, den auch das Publikum erst am Ende erfährt, ist allerdings recht vorhersehbar. Die Geschichte legt eigentlich immer wieder kleinere Hinweise im Verhalten von Rachel aus, die nicht zu übersehen sind. Doch der Dramatik der Geschichte tut dies keinesfalls einen Abbruch. Wenn „The Champ“ schon ein guter Film mit einem tragischen Helden war, so wird dieser von „Nichts als die Wahrheit“ noch übertroffen. Ohne große Längen versteht er es gleich von Beginn an in seinen Bann zu ziehen und läßt einen erst mit dem Abspann wieder los. Dass die Auflösung dann ein wenig zu kitschig ausfällt, kann daran auch nichts mehr ändern.

Digitale Aufarbeitung:
Die Schärfe des Bildes ist weitgehend gut gelungen, allerdings gibt es auch vereinzelte Momente, in denen die Detailschärfe ein wenig nachlässt. Dieser Eindruck wird zusätzlich noch davon unterstützt, dass die Farben fast durchweg sehr blass erscheinen, auf Grund einer hochgedrehten Helligkeit. Auch feines Rauschen macht sich regelmäßig bemerkbar. Für eine kleine Produktion macht die Blu-ray aber durchaus einen guten Eindruck. Der deutsche Ton liegt in DTS HD Master Audio 5.1 vor, große Effekte sollte man davon aber nicht erwarten. Denn da der Film kaum Möglichkeiten für mehr bietet, findet der Ton fast komplett in der Front statt, was aber keinesfalls stört.

Bei den Extras gibt es zunächst eine Featurette, das eindeutigen Werbecharakter besitzt und dabei nur wenig Hintergrundinformationen liefert. Eher interessant sind da schon die zahlreichen Interviews mit den einzelnen Künstlern, in denen diese über ihre Arbeit und den Inhalt des Films reden. Die B-Roll läuft rund 15 Minuten, zeigt darin aber nur wenig interessante Bilder vom Dreh, da macht das knapp halbstündige Making Of schon deutlich mehr Spaß. Mit einer Mischung aus Interviewschnipseln, die teilweise aber bereits bei den Interviews zu sehen waren sowie Aufnahmen aus dem Film und vom Dreh wird ein runder Einblick in die Entstehung von „Nichts als die Wahrheit“ geboten. Ein wenig vertieft wird die Geschichte noch durch rund 12 Minuten nicht verwendeter Szenen, die aber keine gravierenden neuen Informationen enthalten. Abschließend gibt es noch den Trailer zum Film in Deutsch und Englisch.

Fazit:
„Nichts als die Wahrheit“ ist ein packendes Gerichtsdrama, das eine junge Journalistin zeigt, die ihre Prinzipien auch dann nicht aufgibt als sie der Staatsapparat mit seinem Muskelspiel einzuschüchtern versucht. Ein Drama, das zum Nachdenken anregt, auch wenn das Ende dann doch ein wenig zu kitschig erscheint.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
2,35:1
2,35:1
107:02 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Englisch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Featurette
  • Interviews
  • B-Roll
  • Making Of
  • Deleted Scenes
  • Trailer
Nichts als die Wahrheit - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Nichts als die Wahrheit
Nothing but the truth

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Ein fesselndes Gerichtsdrama mit einer kurzweiligen Inszenierung


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2008
Regie:
Rod Lurie
Drehbuch:
Rod Lurie
Darsteller:
Kate Beckinsale, Matt Dillon, Alan Alda, Vera Farmiga, David Schwimmer, Angela Bassett, Preston Bailey, Noah Wyle, Floyd Abrams

Label Deutschland :
Ascot Elite
Verkaufsstart Deutschland :
18.02.2010