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Wickie und die starken MännerMR 73Dumbo

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DVD-Besprechung - Salvador - 2-Disc-Special Edition

Story:
Richard Boyle (James Woods) hat im Jahr 1980 als Kriegsberichterstatter seine besten Tage lange hinter sich und bewegt sich finanziell nah am Abgrund. Um wieder ins Geschäft zu kommen, reist Boyle mit seinem Kumpel Doctor Rock (James Belushi) auf eigene Faust ins lateinamerikanische, bürgerkriegsgeplagte El Salvador, ein Pulverfass, das sich kurz vor der endgültigen Explosion befindet. Allerdings gerät Boyle vor Ort zwischen alle Fronten und seine Neutralität gerät, aufgrund der Rolle seiner eigenen Regierung, schon bald ins Wanken. Aus Angst vor der "roten Gefahr" unterstützt die Reagan-Führung die einheimische, skrupellose Militärjunta unter Major Maximiliano "Max" Casanova (Tony Plana). Und das nicht nur im Kampf gegen linke Revolutionäre, sondern vor allem bei der unbarmherzigen Unterdrückung der eigenen Bevölkerung.

Meinung zum Film:
Mit "Salvador" begründete Regisseur und Drehbuchautor Oliver Stone ("Nixon") seinen Ruf als politisch engagierter und unbequemer Filmemacher, bevor ihm mit dem direkt darauf folgenden, autobiographisch geprägten Vietnam-Antikriegsfilm "Platoon", ausgezeichnet mit vier Oscars, der ganz große Durchbruch gelang. Bei der Produktion von "Salvador" hatte er jedoch noch mit zahlreichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Mit der im Drehbuch offen zur Schau getragenen Kritik an der zeitgenössischen US-Außenpolitik, der sogenannten Reagan-Doktrin, galt Stone als Nestbeschmutzer und fand in den USA keine Finanzierungsmöglichkeiten. Letztendlich war Stone gezwungen mit dem eher bescheidenen Budget von 4,5 Millionen US-Dollar über die Runden zu kommen und der Film wurde größtenteils in Mexiko gedreht. Das Drehbuch basiert auf Erfahrungen des realen Krisenreporters Richard Boyle und greift zahlreiche, zentrale Ereignisse des Konflikts in El Salvador auf, die in verdichteter Form in die fiktive Handlung integriert werden. Der Film lief in den USA nur in wenigen Kinos und wurde erwartungsgemäß ein großer Flop, und das trotz des Mitwirkens bekannter Darsteller wie James Woods ("Es war einmal in Amerika"), Saturday Night Live-Comedian James Belushi ("Red Heat") oder John Savage ("Die durch die Hölle gehen"). Im Jahr 1987 gab es jedoch, trotz der beinahe fehlenden, öffentlichen Wahrnehmung des Films in den USA, zwei Oscar-Nominierungen für das beste Drehbuch und den besten Hauptdarsteller.

"Salvador" ist ein wilder Ritt durch ein vom Chaos geprägtes und vom Bürgerkrieg gebeuteltes Land, aus der subjektiven Sicht der beiden Hauptfiguren Richard Boyle und Doctor Rock. Diese beiden abgewrackten Charaktere und deren wilde Erlebnisse wirken dabei in Verbindung mit ihrer unflätigen, zotigen Sprechweise, als wären sie geradewegs einer Drogenphantasie des US-Schriftstellers Hunter S. Thompson ("Fear and Loathing in Las Vegas") entsprungen. Diese Darstellung besitzt ihre Vor- und Nachteile. Einerseits verstärken sie den surreal-barbarischen Eindruck der untragbaren Zustände in El Salvador und stärken den unterhaltenden Charakter des Films. Andererseits stellen diese comichaften Charaktere aber auch einen unauflöslichen Kontrast zu der ernsthaften, politischen Anklage des Films und den dargestellten, um sich greifenden Gräueltaten im Land dar. Genau wie in der thematisch vergleichbaren Produktion "Under Fire" wird der zentrale Protagonist des Films vom neutralen Beobachter zum persönlich involvierten Kriegsteilnehmer. Boyle durchläuft im Film einen Wandel vom mit allen Wassern gewaschenen Zyniker zu einer mahnenden Stimme der Vernunft, die unter persönlichem Einsatz seines Lebens den völkerrechtswidrigen Wahnsinn zu stoppen versucht.

Gerade James Woods spielt die Rolle seines innerlich zunehmend zerrissenen Charakters mit Bravour. Und gerade diese innere Unruhe harmoniert auch hervorragend mit der unruhigen Kameraführung und den schnell geschnittenen Bildern dieser Bürgerkriegsodyssee. Boyle wird zum Spielball der sich überschlagenden Ereignisse, prallt jedoch bei seinen Versuchen, das sich ausbreitende Elend einzudämmen, immer wieder gegen unsichtbare Wände. Woran es diesem Frühwerk allerdings gerade im Vergleich zu "Platoon" noch mangelt, das sind die für sich stehenden, ganz großen Szenen und auch manchmal das objektive Feingefühl, zur Umschiffung unnötiger Klischees. Zudem dürfen aufgrund des bescheidenen Budgets keine opulenten Bürgerkriegsschlachten im Stil von beispielsweise Soderberghs aktuellem "Che" erwartet werden.

Digitale Aufarbeitung:
Das Alter von mehr als 20 Jahren sieht man der DVD nicht an. Die Bildschärfe bewegt sich auf einem hohen Niveau, die Farben machen einen natürlichen, kräftigen Eindruck und auch bei den Kontrastwerten gibt sich diese Veröffentlichung keine Blöße. Akustisch gibt es ebenfalls keinen Grund zur Klage, die Dialoge sind zu jeder Zeit gut verständlich und die durchgehend sehr stimmungsvolle Musikkulisse wurde absolut harmonisch eingebunden.

Auf der ersten DVD befindet sich, neben dem deutschen und dem amerikanischen Kinotrailer, ein Audiokommentar des Regisseurs Oliver Stone. Dieser vermittelt interessante Hintergrundinformationen zu Aspekten wie den Produktionsbedingungen, den politischen Rahmenbedingungen, der Rekrutierung der Darsteller oder Problemen bei den Dreharbeiten. Allerdings erfolgt diese Kommentierung eher dosiert, was das Fehlen begleitender Untertitel noch ärgerlicher erscheinen läßt. Der Rest des Bonusmaterials befindet sich auf der zweiten DVD. Bei dem deutsch untertitelten Feature "Into the Valley of Death" (62:52), von Charles Kiselyak aus dem Jahr 2001, handelt es sich um ein ziemlich ausführliches Making Of. Neben den Hauptdarstellern und dem Regisseur kommen hier auch die realen Vorbilder der wichtigsten Filmcharaktere, wie Richard Boyle und Robert R. White, ausführlich zu Wort. Das hintergründige Feature beinhaltet, neben interessanten Hintergrundinformationen zu der Entstehungsgeschichte und Finanzierung des Films, auch zahlreiche Anekdoten von den schwierigen Dreharbeiten. Ein weiteres Highlight der Special Edition sind die fünf geschnittenen und drei erweiterten Filmszenen mit einer Gesamtlaufzeit von 27:45 Minuten, die deutlich machen, dass der Film ursprünglich, im Hinblick auf Sex und Gewalt, noch deutlich heftigere Szenen enthielt. Abgerundet wird das Bonusmaterial durch eine Bildergalerie mit seltenem Werbematerial und ein beiliegendes 16-seitiges Booklet, das allerdings nicht besonders tiefgründig ausgefallen ist. Das illustrierte Digipak mit den beiden DVDs befindet sich in einem Schuber, der leider einen nicht entfernbaren FSK-Flatschen aufweist.

Fazit:
Insgesamt ist "Salvador" ein Bürgerkriegsdrama, bzw. -thriller, das trotz seiner kritischen Ausrichtung, gerade auch dramaturgisch und bezüglich der zentralen Charaktere, einige Zugeständnisse an den Unterhaltungsfilm beinhaltet. Die enervierende Kameraführung, ein brillant aufspielender James Woods sowie die ungeschminkt-kritische Betrachtungsweise erheben das Werk jedoch, bei allen vorhandenen Schwächen, nach wie vor zu einem wichtigen Vertreter des politisch-engagierten Kinos. Technisch kann diese Veröffentlichung voll überzeugen und bietet zudem größtenteils interessantes Bonusmaterial in nicht geringem Umfang.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,85:1
1,85:1
117:43 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Deutscher Kinotrailer
  • US-Kinotrailer
  • Audiokommentar von Regisseur Oliver Stone
  • "Into the Valley of Death"
  • Geschnittene Szenen
  • Bildergalerie
  • 16-seitiges Booklet
Salvador - 2-Disc-Special Edition - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Salvador
Salvador

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein Journalist als unfreiwilliger Spielball der Bürgerkriegsgeschehnisse in El Salvador


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1986
Regie:
Oliver Stone
Drehbuch:
Oliver Stone, Rick Boyle
Darsteller:
James Woods, James Belushi, Michael Murphy, John Savage, Elpidia Carrillo, Tony Plana

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verleihstart Deutschland :
29.01.2010
Verkaufsstart Deutschland :
29.01.2010

Vertrieb Schweiz :
Koch Media Entertainment
Verleihstart Schweiz :
29.01.2010
Verkaufsstart Schweiz :
29.01.2010