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DVD-Besprechung - The End
Story:
Die Dokumentation von Nicola Collins portraitiert, vornehmlich mittels Interviewsequenzen, einige "schwere Jungs" aus dem berühmt-berüchtigten Londoner East End, die dort seit den 50-er-Jahren aktiv waren. Diese "alte Garde" von Gangstern umfasst neben ihrem Vater, Les Falco, auch noch Victor Dark (Bankräuber), Jimmy Tibbs (Kampftrainer), Bobby Reading ("The Guvnor"), Mickey Goldtooth (Geldeintreiber), Matt Attrell (Boxer), Mickey Genella (Unterhändler), Danny Woollard (Vollstrecker), Roy "Pretty Boy" Shaw (Preisboxer), Alan Mortlock (Promoter nicht-lizensierter Kämpfe) und Mickey Tahemy (Club-Besitzer).
Meinung zum Film:
Der Name der Regisseurin von "The End", Nicola Collins, die auch für die Kameraführung verantwortlich war, dürfte den wenigstens Cineasten ein Begriff sein. Lediglich ein kleiner Auftritt in Guy Ritchies "Snatch", gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Teena, auch im Film in dieser Rollenverteilung, die außerdem "The End" produzierte, sticht ein wenig aus ihrer Vita hervor. Deutlich bekannter ist sie hingegen als Model, beispielsweise für Vogue und Elle. Ihr innerhalb von vier Jahren entstandenes Filmdebüt "The End" wurde jedoch auf Anhieb zu einem erfolgreichen Festivalfilm und errang Auszeichnungen wie den Publikumspreis beim Jacksonvile Film Festival, den Jurypreis beim Charleston Film Festival oder die Auszeichnung als bester Debütfilm im Rahmen des East End Film Festival.
"The End" ist die Hommage an eine aussterbende Rasse, den Gentleman-Gangster aus dem Londoner East End. Dabei fällt zunächst die auffällige Präsentation der Dokumentation ins Auge. Sie wurde nicht nur komplett in Schwarz-Weiß gedreht, sondern bewusst grobkörnig gehalten sowie mit altersüblichen Spuren, wie Verschmutzungen und Beschädigungen, angereichert. Inhaltlich unterstützt diese Wahl den nostalgischen Unterton des Films, zudem ermöglicht sie die reibungslose Integration älteren Archivmaterials geringerer Qualität. Zusammen mit der gelungenen Einbindung einer stimmungsvollen Musikuntermalung und der verwendeten, druckvollen Soundkulisse wirkt "The End" dadurch ähnlich stimmungsvoll und kurzweilig, wie beispielsweise das thematisch ähnlich gelagerte Werk "Cocaine Cowboys". Das Auftreten der "Gangster", ihre extravagante Garderobe und ihre vom harten Leben gezeichneten Gesichter verstärken das ausdrucksvolle Gesamtbild der Dokumentation.
Leider fehlt dem Werk jedoch innerlich die Richtung und klare, greifbare Aussagen. Im Grunde bietet der Film weder eine umfassende Biographie der einzelnen Protagonisten, greifbare Hintergründe zu ihren Straftaten, eine Chronik der Geschichte des Londoner East End oder die Einbeziehung weiterer Zeitzeugen aus dieser Gegend. Anders als bei "Cocaine Cowboys" kommt auch die Gegenseite, also die Vertreter des Gesetzes, nicht zu Wort. Unter dem Strich bietet "The End" vor allem fragmentarisch wirkende Äußerungen und Anekdoten, auf tiefer gehende Nachfragen hat die Regisseurin im Hinblick auf die Kooperationsbereitschaft der Interviewten nach eigener Aussage verzichtet, die leider, mal abgesehen von ein paar wenig aussagekräftigen Zeitungsschlagzeilen, nie durch Fakten untermauert werden. Auch die individuellen Lebenswege werden nur mit Hilfe schablonenhafter Ansätze, wie dem Aufwachsen in Armut, dem harten Gesetz der Straße, bzw. dem Recht des Stärkeren, und ähnlich allgemeinen Mustern erklärt.
Digitale Aufarbeitung:
Bei der Bewertung der Bildqualität muss berücksichtigt werden, dass die Schwarz-Weiß-Optik bewusst auf Nostalgie getrimmt wurde. Auch um das qualitativ größtenteils eher schlechte Archivmaterial harmonisch mit den aktuellen Interviewsequenzen verschmelzen zu lassen, sind die aktuellen Aufnahmen ebenfalls grobkörnig sowie voller Verschmutzungen und Bildfehler. Unter Berücksichtigung dieser bewusst eingesetzten Stilmittel kann die DVD aber, zumindest hinsichtlich der Bildschärfe und der Kontrastwerte, durchaus überzeugen. Im Hauptmenü gibt es die Auswahl zwischen der deutschen Fassung in Dolby Digital 5.1 und der englischen Fassung in Dolby Digital 2.0. Nach der Selektion ist kein Wechsel der Tonspur mehr möglich. Die deutsche Fassung wurde mit professionellen Sprechern im Voice-over-Verfahren aufgezeichnet. Wer den Cockney-Slang lieber im Original genießen möchte, hat auch die Option zuschaltbarer, deutscher Untertitel. Die Sprecher, bzw. die Dialogsequenzen, sind grundsätzlich alle gut verständlich, zudem hinterlassen die Musik- und Soundkulisse für eine Dokumentation einen sehr wuchtigen und stimmungsvollen Eindruck.
Auf der DVD befindet sich, neben dem Originaltrailer und dem deutschen Trailer, auch noch ein Audiokommentar mit der Regisseurin Nicola Collins und dem Filmeditor Noah Rosenstein. Leider gibt es dazu keine begleitenden Untertitel auf der DVD und entgegen den Angaben im DVD-Menü war Online-Editor Jeff Roe daran nicht beteiligt. Allerdings kann dieser Bonus auch auf inhaltlicher Ebene nicht überzeugen. Beide Sprecher scherzen mehrmals darüber, dass die Zuhörer den langweiligen Audiokommentar längst abgeschaltet haben werden. Das liegt zwar nicht daran, dass beide lustlos agieren würden, allerdings wirkt es so, als wäre die Einladung ins Tonstudio sehr spontan erfolgt und dementsprechend plan- und konzeptionslos wirken die Äußerungen auch. Somit sind die etwas spärlichen Beiträge alles andere als tiefgründig und nur selten wirklich informativ.
Fazit:
"The End" wirkt optisch und akustisch als wäre die Dokumentation einem höheren Anspruch verhaftet und vermittelt dadurch einen nostalgisch-stimmungsvollen Einblick in das Leben außerhalb des Gesetzes im Londoner East End. Leider werden die vorherrschenden Äußerungen der "Alt-Gangster" weder kommentiert, eingeordnet, noch mit irgendwie gearteten, hintergründigen Fakten angereichert. Verstärkt wird diese Problematik noch durch das nachvollziehbare Schweigen über Taten für die sie nie verurteilt wurden oder bei denen Dritte beteiligt waren. Dadurch wirkt das Werk insgesamt eher fragmentarisch, wenig zielgerichtet und trägt auch einige innere Widersprüche mit sich herum.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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77:35 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Originaltrailer
- Deutscher Trailer
- Audiokommentar mit Regisseurin Nicola Collins und Editor Noah Rosenstein
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The End
The End
Wenn die Präsentation dem Gesetz der Ästhetik folgt und die Inhalte kriminell unterrepräsentiert wirken
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2008 Regie: Nicola Collins Darsteller: Les Falco, Victor Dark, Jimmy Tibbs, Bobby Reading, Mickey Goldtooth, Matt Attrell, Mickey Genella, Danny Woollard, Roy Shaw, Alan Mortlock, Mickey Tahemy
Label :
Sunfilm Entertainment
Verkaufsstart : 05.02.2010
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