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DVD-Besprechung - The Box

Story:
Norma (Cameron Diaz) und Arthur Lewis (James Marsden) sind ein junges Ehepaar und haben einen gemeinsamen Sohn namens Walter (Sam Oz Stone). Beide müssen jedoch persönliche Rückschläge wegstecken, die sie finanziell ziemlich unter Druck setzen. Kurz darauf steht plötzlich eine Box vor ihrer Tür, die eine Schalteinheit enthält. Der mysteriöse Überbringer Arlington Steward (Frank Langella) verspricht demjenigen, der den Knopf betätigt, eine Million Dollar in bar. Allerdings stirbt dadurch auch ein ihnen unbekannter Mensch irgendwo auf der Erde. Norma und Arthur haben 24 Stunden, um sich zu entscheiden, danach geht die Box an einen anderen Haushalt.

Meinung zum Film:
"The Box" basiert auf der sechsseitigen Kurzgeschichte "Button, Button" von Science-Fiction-Altmeister Richard Matheson ("I Am Legend", "Die unglaubliche Geschichte des Mr. C") aus dem Jahr 1970. Für Regie und Drehbuch zeichnet Richard Kelly verantwortlich, dem 2001 mit "Donnie Darko" ein sowohl optisch als auch inhaltlich extrem beeindruckendes Kinodebüt gelang, das zu einem Kultfilm avancierte. Allerdings konnte er diesen Erfolg fünf Jahre später mit seinem enttäuschenden, konzeptionell wirren, zweiten Werk "Southland Tales" in keinster Weise wiederholen. Drei Jahre später folgte mit "The Box" ein erneuter Versuch, an den starken Erstling anzuknüpfen. Allerdings ernüchtert bereits ein Blick auf die Besetzungliste hoffnungsvolle Cineasten. Cameron Diaz ("Very Bad Things") atypisch besetzt als Hausfrau mit moralischem Dilemma in einem Science-Fiction-Film und der schauspielerisch meist blasse James Marsden ("Streets of Philadelphia - Unter Verrätern") versprechen nicht gerade fantasievolle Filmkunst. Zumindest Frank Langella ("Brainscan"), der hier mit grausam entstelltem Gesicht auflaufen darf, kann man sich jedoch gut unter der Regie von Richard Kelly vorstellen.

In einer Umfrage des US-Marktforschungsinstituts "CinemaScore" wurde "The Box" von US-Kinobesuchern zum schlechtesten Film aller Zeiten gewählt. Dementsprechend floppte der Film auch auf der großen Leinwand und kam in Deutschland gar nicht erst ins Kino. Leider treffen diese gesammelten Warnzeichen durchaus ins Schwarze. "The Box" macht so ziemlich alles falsch, was falsch gemacht werden kann. Zunächst bestätigt Cameron Diaz eindrucksvoll, dass sie in einer romantischen Komödie weit besser aufgehoben ist und James Marsden beweist mal wieder, dass gutes Aussehen fehlendes schauspielerisches Talent nicht ausgleichen kann. Allerdings muss man beiden Darstellern zugestehen, dass die Charakterprofile ihrer Figuren gemeinsam auf einen Bierdeckel gepasst hätten. Das erschwert bereits extrem die Identifikation mit den beiden Protagonisten, die aus heiterem Himmel in ein moralisches Dilemma geworfen werden, wobei Kelly leider jeglichen Sinn für Dramaturgie vermissen lässt. So wirkt bereits die Ausgangssituation von Anfang an eher unglaubwürdig und übertrieben. Ein unschaltbarer Schaltkasten als Todesmaschine, ein extrem entstellter Bote als mysteriöser Agent einer unbekannten Macht, hier wird einfach zu früh zu dick aufgetragen.  

Anstatt sich nun in Fragen der Ethik und der Moral zu ergehen, schiebt der Film diese Problematik blitzschnell beiseite und stürzt sich stattdessen in ein unbeholfen serviertes sowie unzureichend ausgearbeitetes Verschwörungskomplott, das weit über irdische Angelegenheiten hinausgeht. Dabei hagelt es abgedroschene Genreklischees (Nasenbluten als Massenphänomen sowie Zeichen drohenden Unheils, Gedankenkontrolle, Dimensionsportale, unsichtbare Totalüberwachung), die trotz eines Budgets von immerhin rund 30 Millionen Dollar mit Hilfe größtenteils äußerst bescheidener Computereffekte abgearbeitet werden. Die recht simple Geschichte plätschert währenddessen weitgehend höhepunktslos, dafür aber ziemlich konfus, vor sich hin und zentrale Motive wie der Freie Wille oder Altruismus manifestieren sich erst in der enttäuschend-konventionellen Auflösung am Filmende.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildschärfe bewegt sich auf einem guten Niveau, weist aber Schwankungen auf und wirkt teilweise etwas weich, für eine so aktuelle Produktion nicht gerade überragend. Die Kontrastwerte wirken insgesamt ausgeglichen, mit kleineren Überstrahlungen muss man allerdings leben. Das Farbspektrum wirkt bewusst entsättigt, ein Stilmittel für die Unterstreichung des 70er-Jahre-Charakters des Film. Bildrauschen ist so gut wie gar nicht festzustellen. Die beiden Tonspuren geben sich keine Blöße und klingen ausgewogen und gut verständlich. Raumklangsequenzen werden eher spärlich eingesetzt und dienen vor allem atmosphärischen Zwecken.  

Das Bonusmaterial besteht aus zahlreichen Mini-Features, die sich aber insgesamt lediglich auf eine Laufzeit von etwas mehr als 40 Minuten belaufen. "Die Entstehung von The Box" (10:42) ist ein Mini-Making Of, bietet aber kaum nennenswerte Informationen. "Richard Matheson - mit seinen eigenen Worten" (4:53) ist ein oberflächliches Kurzportrait des Autors, in dem er auch selbst kurz zu Wort kommt. "Die Entstehung der Spezialeffekte" (4:05) beschäftigt sich mit den digitalen Wassereffekten, der computergestützten Wiederauferstehung der 70er-Jahre-Architektur des Spielortes sowie der Umsetzung von Stewards entstelltem Gesicht. "Die Vorgeschichte" (2:19) bietet lediglich nichtssagende Archivfernsehbilder zur Marsmission. Der Menüpunkt "Interviews" vollbringt das Kunststück neun Interviewpartner (Cameron Diaz, James Marsden, Frank Langella, Sam Oz Stone, Holmes Osborne, Gillian Jacobs, Regisseur Richard Kelly, Produzent Sean McKattrick und die ausführende Produzentin Sue Baden-Powell) in 21:15 Minuten unterzubringen. Dementsprechend dominieren hier vor allem oberflächliches Gesülze, gegenseitige Lobpreisungen und partielle Wiedergaben des Filminhalts. Den Abschluss bilden die schmalen "Darstellerinfos", die sich als Filmographien im Umfang von je einer Bildschirmseite entpuppen und Diaz, Langella, Marsden, Rebhorn und Osborne umfassen.

Fazit:
"The Box" ist als Science-Fiction-Mystery-Thriller eine völlige Bruchlandung und der freie Wille der meisten Zuschauer dürfte schon recht bald verstärkt mit dem "Fast Forward"-Knopf der Fernbedienung interagieren. Die Story verläuft konfus, weitgehend spannungsfrei und präsentiert die ernste Thematik in einer Manier, die eher zu einem trashigen B-Movie passen würde. Aufgrund der fehlbesetzten Hauptdarsteller und den papierdünnen Charakteren gelingt es dem Zuschauer außerdem nie, sich wirklich in deren Lage hineinzuversetzen bzw. sich mit ihnen zu identifizieren. Technisch geht die DVD in Ordnung, das Bonusmaterial ist allerdings weitgehend überflüssig.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
110:40 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial:
  • Die Entstehung von "The Box"
  • Richard Matheson - mit seinen eigenen Worten
  • Die Entstehung der Spezialeffekte
  • Die Vorgeschichte
  • Interviews
  • Darstellerinfos
The Box - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
The Box
The Box

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Altruismus bedeutet, diesen Film anderen vorzuenthalten!


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2009
Regie:
Richard Kelly
Drehbuch:
Richard Kelly (basierend auf einer Kurzgeschichte von Richard Matheson)
Darsteller:
Cameron Diaz, James Marsden, Frank Langella, James Rebhorn, Holmes Osborne, Gillian Jacobs

Label Deutschland :
Constantin Film
Verkaufsstart Deutschland :
18.02.2010