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DVD-Besprechung - Die Glücklichen

Story:
Hans (Stephan Schad) lädt seine alten WG-Freunde Tom (Oliver Sauer) und Helene (Meret Becker) nebst Partner zu einem Wochenende in einem idyllisch gelegenen Haus am See ein. Zunächst sind alle frohen Mutes, ein entspanntes Wochenende zu erleben. Doch nach und nach machen sich immer mehr Probleme breit, die wie eine bedrohliche Regenwolke über der Wochenendgemeinschaft aufzieht.

Meinung zum Film:
„Die Glücklichen“-Regisseur Jan Schütte („Swinger Club“) ist offensichtlich ein großer Freund des Improvisationstheaters. Denn ohne Drehbuch, lediglich mit Charakterskizzen ausgestattet, überließ er sein Ensemble den Kameras und hoffte auf dynamische Entwicklungen in den Charakteren und einem ansprechenden, natürlich entstehenden Plot. Hans‘ (Stephan Schad / „Swinger Club“) Schriftstellerkarriere verläuft darin alles andere als blendend und auch seine Freundin hat ihn gerade erst verlassen. Zum Treffen mit seinen alten Freunden fährt er aber dennoch mit einem Porsche Cayman vor, nebst der gerade frisch vor 3 Tagen eroberten, rund 20 Jahre jüngeren Frisörin Angela (Pheline Roggan / „Soul Kitchen“). Nicht ganz so frisch, aber immer noch ausbaufähig ist die gerade mal 6 Wochen andauernde Beziehung zwischen der exzentrischen Helene (Meret Becker / „Meine schöne Bescherung“) und ihrem Werner (Ole Schlosshauer / „Swinger Club“). Was sie beruflich macht erfährt man als Zuschauer nicht, aber immerhin kommt raus, dass Werner Autos poliert. Aber keine gewöhnlichen Autos, sondern die von Reichen, wie er sogleich klar stellt. Tom (Oliver Sauer / Swinger Club“) ist der letzte im Bunde und hat im Grunde gar nichts vorzuweisen. Außer einer gescheiterten Karriere als Schauspieler, dessen Höhenpunkt ein Auftritt in einem Spot für eine Handcreme darstellt. Da er keine Frau oder Freundin hat, hat er mit Charlotte (Susanne Wolff / „Bis zum Ellenbogen“) eine gute Bekannte gebeten sich für das Wochenende als seine Herzdame auszugeben, um vor seinen Freunden nicht als totaler Versager dastehen zu müssen.

Aus der Konstellation wird sehr schnell klar, dass die Zusammenkunft alles andere als harmonisch verlaufen wird. Hans scheint offensichtlich der einzige zu sein, der mit seiner derzeitigen Situation zufrieden ist, während Tom bereits so tief gesunken ist, dass er selbst bei Charlotte Geld aus dem Portemonnaie klaut. Diese wiederum wird ab und an scheinbar von einer Todessehnsucht geplagt, denn sie springt von einem Ruderboot in den See, ohne schwimmen zu können. Helene genießt es wieder von ihren alten Freunden umworben zu werden, was Angela überhaupt nicht gefällt, da sie in ihr eine Konkurrentin um Hans sieht. Werner versucht sich in die Gruppe irgendwie einzufinden, ist die meiste Zeit über aber isoliert. Mit der Zeit setzen sich Hans, Tom und Helene immer weiter von den anderen ab und schwelgen in der Vergangenheit. Doch dies geht nicht ohne Probleme, da tief verborgene Gefühle dabei ans Tageslicht kommen und der Alkohol diese noch verstärkt. Angela zieht sich ab diesem Zeitpunkt immer weiter zurück, während Charlotte und Werner am Lagerfeuer sitzen und sich dabei ein Stückchen näherkommen.  

In Ansätzen funktioniert das Improvisationswerk wunderbar, allerdings hat es Jan Schütte nicht geschafft, eine Grunddramatik aus dem zur Verfügung stehenden Filmmaterial zu schaffen. Es gibt immer wieder kurze Einblicke in das Seelenleben der einzelnen Protagonisten, die dann meist aber nicht weiter ausgeführt werden und oft im Sande verlaufen. Dadurch werden auch Konflikte lediglich nur angerissen, was wiederum dazu führt, dass es die gesamte Spielzeit über an einer Grundspannung fehlt. Auch die am Anfang ohne jeden Zweifel in der Luft liegende Eskalation auf Grund der ganzen Vortäuschungen von Lebensumständen findet nicht statt. Zu Beginn erinnert der Film ein wenig an „Silberhochzeit“, bei dem es eine ähnliche Ausgangslage gab und wo sich die Konflikte bis zum großen Knall immer weiter hochschaukelten. In „Die Glücklichen“ löst sich am nächsten Morgen die Runde aber weitgehend unspektakulär auf, lediglich ein etwas überraschendes Bekenntnis kann dem Geschehen zu einem zumindest abgerundeten Ausgang verhelfen. Dabei wäre sicherlich mehr drin gewesen, da die Charaktere durchaus interessant skizziert werden und es auch durchaus einige Ansätze für vielversprechende Konflikte gibt. Nur an der Ausarbeitung beider hapert es dann doch recht stark.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist auf einem gehobenen Heimvideoniveau und hat vor allem immer wieder mit Unschärfen, vor allem in den Randbereichen zu kämpfen. Da es aber rein vom Inhalt des Films gar nicht Ziel gewesen sein dürfte, einen Hochglanzbeitrag abzuliefern, ist dieses kein Mangel bei der digitalen Umsetzung sondern durchaus Atmosphäre fördernd. Der Ton in Dolby Digital 2.0 ist gut zu verstehen, lediglich ganz vereinzelt kommt es mal zu kleineren Problemen bei der Verständlichkeit.  

Als Bonus gibt es zunächst einen interessanten Audiokommentar mit Regisseur Jan Schütte, den Darstellern Stephan Schad und Ole Schlosshauer, sowie Darstellerin Susanne Wolff. Dabei gibt es einiges über die Improvisationsmomente zu erfahren und wie die Darsteller mit der eher ungewöhnlichen Situation umgingen. Bei den weiteren Extras gibt es 3 entfallene Szenen, in denen sich 2x Werner und Charlotte und einmal Hans und Angela im Dialog befinden. Das Making Of ist in 3 Bereiche unterteilt. Zunächst gibt es einen Beitrag, der sich mit einer längeren Einstellung beschäftigt, die es letzten Endes nicht in den Film geschafft hat. Es folgt ein Gespräch zwischen Regisseur Schütte und Darsteller Schad über das Ende des Films und ob es nicht besser wäre, dies anders zu gestalten. Abschließend folgt noch eine Schlussansprache des Regisseurs an die Crew, bei dem neben vielem Dank auch ein wenig über die Entstehung zu erfahren ist. Abgerundet wird das Bonusmaterial durch eine Bildergalerie und 2 Trailer zum Film. Zusätzlich liegt der liebevoll umgesetzten DVD noch ein Booklet mit reichlich Hintergrundinformationen bei.

Fazit:
„Die Glücklichen“ ist ein in Ansätzen durchaus sehr interessanter Film, dem es am Ende aber an der notwendigen Ausarbeitung der verschiedenen Konfliktpunkte hapert. Zu viele Ereignisse verlaufen im Sand, zu wenig werden die Charaktere gezeichnet. Spaß macht der Film zwar trotzdem, nur ist er insgesamt zu seicht geraten, um vollends überzeugen zu können.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
1,78:1
1,78:1
93:54 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar mit Regisseur Jan Schütte, den Darstellern Stephan Schad und Ole Schlosshauer, sowie Darstellerin Susanne Wolff
  • Entfallene Szenen
  • Making Of "Die Glücklichen"
  • Bildergalerie
  • Trailer
  • Booklet
Die Glücklichen - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Die Glücklichen
Die Glücklichen

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
In Ansätzen durchaus interessant, insgesamt aber etwas zu seicht, um wirklich überzeugen zu können


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2008
Regie:
Jan Schütte
Drehbuch:
Jan Schütte (Charakterskizzen)
Darsteller:
Stephan Schad, Oliver Sauer, Meret Becker, Pheline Roggan, Susanne Wolff, Ole Schlosshauer

Label Deutschland :
WVG
Verkaufsstart Deutschland :
26.03.2010