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Blu-ray-Besprechung - Alice im Wunderland
Story:
Die 19jährige Alice Kingsleigh (Mia Wasikowska) reagiert auf den unvermeidlichen Heiratsantrag des adligen Hamish (Leo Bill) nicht ganz so euphorisch wie von der edlen Gesellschaft erwartet wird: Sie läuft davon und einem weißen Kaninchen (Michael Sheen) hinterher, um kurz darauf kopfüber in dessen Bau ins Unterland zu purzeln. Dort wird sie sehnsüchtig erwartet: Die Rote Königin (Helena Bonham Carter) hat mit Hilfe des furchteinflößenden Jabberwockys (Christopher Lee) das ganze Land unterjocht und lässt jedem Widerstand sofort den Kopf abschlagen. Nur die wahre Alice kann sich als Champion der Weißen Königin (Anne Hathaway) dem Ungetüm stellen - doch leider kann diese sich nicht mehr an ihren letzten Besuch vor dreizehn Jahren erinnern. So liegt es ausgerechnet am Verrückten Hutmacher (Johnny Depp), Alice auf den rechten Weg zu ihrem Schicksal zu bringen...
Meinung zum Film:
Regisseur Tim Burton ("Nightmare Before Christmas") und Drehbuchautorin Linda Woolverton ("Der König der Löwen") versuchen gar nicht erst, die bekannten Kinderbücher Lewis Carrolls neu aufzulegen, sondern erzählen einfach ihre Version einer Fortsetzung um eine fast erwachsene und für die Verhältnisse der feinen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts recht emanzipierte Alice. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die an sich recht geradlinige Geschichte um die Selbst(wieder)findung der Protagonistin ist links und rechts gespickt mit den bekannten Kreaturen aus den Büchern. So begegnen wir Tweedledee und Tweedledum (Matt Lucas), der Blauen Raupe (Alan Rickman), der gesamten Teegesellschaft und natürlich der Grinsekatze (Stephen Fry). Zwar könnte Unterland - wie das Wunderland wirklich heißt - für Burton-Fans gerne noch eine Ecke düsterer sein, aber auch die "Light"-Variante fürs familientauglichere Disney-Kino ist unverkennbar burtonesque.
Rosen mit Gesichtern, durchgedrehte Märzhasen, einäugige Bandersnatches, schiefe Türen wohin man schaut, Königinnen mit riesigen Köpfen, Kartensoldaten, gruselige Drachen, Schlachtfelder im Schachbrettformat... Zugegeben: So richtig viel musste für den Film gar nicht dazuerfunden werden, immerhin liefert die literarische Vorlage eine ganze Wagenladung an skurillen Ideen. Allerdings ist es so natürlich schwieriger, diese Wagenladung so konsistent und authentisch auf die Leinwand zu bringen, daß sowohl Kenner des Buches als auch "unbedarfte" Kinogänger befriedigt werden. Burton leistet hier gewohnt erstklassige Arbeit, sein Unterland wirkt trotz aller Verschrobenheit und Gegensätze sehr "real". Da der Großteil der Kulissen und viele der Charaktere von Kollege Computer generiert wurden, bot sich für das Kino eine nachträgliche Konvertierung ins 3D-Format an. In entsprechenden Kinos durfte die wunderliche Welt noch einen Tick näher ans Publikum rücken – wobei der 3D-Effekt nicht so im Vordergrund stand, wie es beispielsweise bei "Avatar" der Fall ist. Auf DVD und Blu-ray muss auf den 3D-Effekt gänzlich verzichtet werden.
Die tollste Welt und die fetzigsten Computer-Effekte nützen natürlich nichts ohne gute Darsteller – auch hier hat Burton ein ausgesprochen sicheres Händchen bewiesen. Johnny Depp ("Piraten der Karibik") kann in seiner nunmehr siebten Zusammenarbeit erneut sein Können im Interpretieren exzentrischer Charaktere unter Beweis stellen und schafft dies mit traumwandlerischer Sicherheit. Sein Hutmacher ist in all seiner Schizophrenie und Wirrheit trotzdem der Anker für Alice und somit stellenweise erstaunlich "normal". Burtons Lebensgefährtin Helena Bonham Carter ("Sweeney Todd") gehört ja auch langsam zum Inventar und hat offenbar großes Vergnügen daran, die psychopathische Rote Königin herumschreien zu lassen. Selbst die Nebenrollen der rein computergenerierten Charaktere sind hochrangig besetzt: Keiner ist so ein tolle Raupe wie Alan Rickman ("Harry Potter und der Halbblut-Prinz"). Schade, dass durch die Fülle an Charakteren einige davon weniger Screen-Time als verdient bekommen. Nach der Darstellerin der Alice wurde lange gesucht und mit Mia Wasikowska ("The Kids Are All Right") die Richtige gefunden. Die australische Newcomerin ist der großen (und je nach Verzehr diverser Mittelchen manchmal auch kleinen) Rolle, die immerhin den ganzen Film tragen muss, mehr als gewachsen und überzeugt mit ihrer Darstellung der vielschichtigen Alice rundum.
Digitale Aufarbeitung:
Bei solch aktuellen Produktionen sind die Erwartungen an die technischen Aspekte der Blu-ray immer wieder sehr hoch und dies auch aus berechtigtem Grund, werden doch viele dieser Filme inzwischen in den Kinos in digitaler Form gezeigt und nicht mehr nur analog auf 35mm-Kopien. Nicht alle Filme werden aber den Erwartungen gerecht. „Alice im Wunderland“ ist da die hocherfreuliche Ausnahme. Hier muss der Kritiker wirklich nach der Nadel im Heuhaufen bzw. den Schwächen gezielt suchen, um an dieser Blu-ray etwas aussetzen zu wollen. Das Bild ist brillant, die Schärfe ein Genuss für die Augen und auch der Kontrast zeigt nur ganz selten Schwächen. Wie schon erwähnt, man muss danach suchen und die Qualitätslatte sehr hoch setzen, wenn man etwas zu nörgeln finden will. Genau so verhält es sich mit dem Ton. Der Sound sorgt für eine phantastische Stimmung in den eigenen vier Wänden und die finale Auseinandersetzung lässt es so richtig schön krachen. Gegenüber über der Kinoversion fehlt einzig der 3D-Effekt! Wirklich grosses Bild- und Soundkino welches Disney Home Entertainment hier auf Blu-ray präsentiert.
Schon ein wenig enttäuschend sind die wenigen Extras. Gerade mal drei Extras neben dem Making of haben es auf diese Scheibe geschafft. Hier ist man sicher als Käufer in der Regel von Disney etwas anderes gewohnt, auch bei Nicht-Kinderfilmen. Das Making of lässt einen kurzen Blick hinter die Kulissen zu, die Featurette über den Hutmacher zeigt Johnny Depp wie er seinen Charakter entwickelte, die beiden restlichen Extras sind den Sets, Kostümen und Computereffekten gewidmet. Auf der Schweizer Blu-ray hat Disney überraschenderweise das grosse FSK-Logo weg gelassen und die Schweizer Version des SVV (Schweizerischen Videoverbandes) auf dem Backcover verwendet. Mal sehen ob diese eine Ausnahme war oder in Zukunft so gehandhabt wird. Schön wärs! (ML)
Fazit:
Burtons "Alice im Wunderland" ist ein würdiger Nachfolger der Kinderbücher und kann durch seinen Verzicht auf gar zu düstere Elemente auch mit Kindern genossen werden. Man sollte sich allerdings mit skurillen Charakteren anfreunden können - selbst die "guten" Charaktere des Filmes haben kräftig einen an der Waffel. Die Blu-ray wird in Ton und Bild der Kinoveröffentlichung gerecht, einzig die Extras sind etwas mager ausgefallen.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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108:34 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch DTS-HD High Resolution 5.1 | Englisch DTS-HD Master Audio 5.1 | Französisch DTS 5.1 |
Türkisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Arabisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Türkisch |
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Bonusmaterial:
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- Der verrückte Hutmacher
- Alles über Alice
- Spezialeffekte im Wunderland
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Alice im Wunderland
Alice in Wonderland
Warum ist ein Rabe wie ein Schreibtisch? Wunderbare Fortsetzung der bekannten Kinderbücher.
Autor der Besprechung:
Thomas Beckmann
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2010 Regie: Tim Burton Drehbuch: Linda Woolverton Darsteller: Mia Wasikowska, Johnny Depp, Helena Bonham Carter, Crispin Glover, Anne Hathaway, Matt Lucas, Alan Rickman, Barbara Windsor, Stephen Fry
Label :
Disney DVD
Verleihstart : 22.07.2010 Verkaufsstart : 22.07.2010
Vertrieb :
Walt Disney Studios Home Entertainment Switzerland
Verleihstart : 15.07.2010 Verkaufsstart : 15.07.2010
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