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DVD-Besprechung - 1000 Dollar Kopfgeld

Story:
Drei Banditen überfallen einen Saloon, dabei kommen einige Gäste, aber auch 2 der Banditen ums Leben. Als Drahtzieher und dritter der Gangster wird Chester Conway (Klaus Kinski) ausgemacht, der zwar seine Unschuld beteuert, aber dennoch nach einem schnellen Prozess zum Tode verurteilt wird. Conways Verteidiger will das nicht auf sich sitzen lassen und beauftragt den Detektiv Silver (Gianni Garko), den wahren Mörder zu finden.

Meinung zum Film:
Der auch unter dem Alternativ-Titel „Sarg der blutigen Stiefel“ bekannte, vorliegende „1000 Dollar Kopfgeld“ bringt eigentlich alles mit, was man von einem gelungenen Italowestern erwarten dürfte: Zum Einen sind da die beiden Zugpferde Gianni Garko, der in seiner Paraderolle als „Sartana“ Westerngeschichte schrieb und Klaus Kinski („Leichen pflastern seinen Weg“) als zu unrecht inhaftierter Mörder. Zum anderen gibt es einige äußerst interessante Drehbucheinfälle: ein Krimi im Westerngewand, ein versnobter Detektiv auf Mörderhatz und eine überraschende Wendung am Schluss. Dennoch muss man am Ende des Filmes zur Kenntnis nehmen, dass das Experiment auf fast allen Ebenen gescheitert ist.

Garko und Kinski sind zweifelsfrei 2 äußerst zugkräftige Namen, nicht nur im Westernbereich. Dummerweise können die beiden den Film nicht mehr retten, nicht zuletzt da der restliche Cast wenig überzeugend daherkommt. Vor allem der Verteidiger Conways, Jeff Plummer (Franco Abbiana) sieht aus wie die Karikatur eines Advokaten und lässt den Zuschauer glauben, er befinde sich in einer billigen Klamotte statt in einem Western. Und obwohl gerade Garko überwiegend klasse aufspielen kann, gleitet seine Performance manchmal unnötigerweise ins slapstickhafte ab, was dann ein wenig Zauber von dessen Figur nimmt, die ansonsten an seine Paraderolle des Sartana erinnert. Kinski hat nicht allzu viel Screentime, aber wenn er im Bild ist, kann er einen gewohnt guten, wahnsinnigen Eindruck hinterlassen. Aber was hilft das alles, wenn sich die Mörderhatz als langweilig herausstellt, weil der Film viel zu langsam in Fahrt kommt?

Auch die Dialoge schwanken von humorvoll bis schwachsinnig. Man hat hier das Gefühl, dass die Macher nicht so recht wussten, in welche Richtung die Reise mit diesem Film gehen sollte. Dies merkt man auch an 2 unpassenden Szenen, in denen sich eine Gruppe Goldschürfer in Spencer-Hill-Manier an einem Fluss prügelt, was mit Sicherheit dem zeitgleichen Erfolg der „Trinity“-Filme geschuldet ist. Gegen Ende wird es dann doch nochmal etwas spannend und der Story-Twist ist auch nicht schlecht. Insgesamt ist das Finale aber kein echter Grund, sich durch den Rest des Films zu quälen, dessen Kulissen insgesamt ebenfalls einen eher billigen Eindruck hinterlassen. Einer der wenigen echten Pluspunkte des Films: der Spuk ist nach gnädigen 89 Minuten vorbei. Schade, aus „1000 Dollar Kopfgeld“ hätte man viel mehr machen können.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität ist insgesamt befriedigend. Die Schärfe sitzt gelegentlich nicht sehr überzeugend, wobei es aber auch keine echten Ausreißer in den inakzeptablen Bereich gibt. Auch wirkt das Material zuweilen etwas matschig. Die Farben sind hingegen recht knackig. Der deutsche Ton in Dolby Digital 2.0 klingt gelegentlich dumpf, ist aber ohne Gefahr, Ohrenschmerzen zu bekommen, genießbar.

An Extras gibt es eine Bildergalerie mit Werbematerial. Kernstück der Special-Features-Sektion ist die rund 20-minütige Doku „Giallo Western“, in der u.a. Hauptdarsteller Gianni Garko selbst zu Wort kommt und in der der Film nochmal im Rückblick beleuchtet wird. Wie immer bei der Italowestern-Collection verbirgt sich in den Innenseiten des Digipaks auf 3 Seiten weitere Hintergrundinfos über den Film zum Nachlesen.  

Fazit:
„1000 Dollar Kopfgeld“ bietet mit Gianni Garko und Klaus Kinski 2 hervorragende Zugpferde. Leider können auch diese beiden den gut gemeinten Krimi-Western-Mix nicht mehr retten. Schuld am Scheitern ist die Unklarheit der Macher, ob der Film sich ernst nehmen soll oder nicht. Des Weiteren nerven einige Nebencharaktere, die den Film zusätzlich der Lächerlichkeit preisgeben. Die DVD-Qualität ist befriedigend.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
2,35:1
2,35:1
89:00 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Italienisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch, Englisch
Bonusmaterial:
  • Bildergalerie
  • Hintergrundinfos im Klappentext
  • Featurette "Giallo Western"
1000 Dollar Kopfgeld - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
1000 Dollar Kopfgeld
Il venditore di morte

Bild unseres Mitarbeiters Andreas Schultz
2 Topnamen des Genres, leider reicht das nicht für gute Unterhaltung


Autor der Besprechung:
Andreas Schultz

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Italien, 1971
Regie:
Lorenzo Gicca Palli
Drehbuch:
Lorenzo Gicca Palli
Darsteller:
Gianni Garko, Franco Abbiana, Gely Genka, Luciano Catenacci, Klaus Kinski

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
05.03.2010

Vertrieb Schweiz :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Schweiz :
05.03.2010