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DVD-Besprechung - Wolf unter Wölfen
Story:
Berlin im Jahr 1923, ganz Deutschland ächzt unter der Hyperinflation, das einheimische Papiergeld ist nichts mehr wert und Arbeitslosigkeit, Hunger und Seuchen grassieren. In dieser Situation versucht der junge Wolfgang Pagel (Armin Mueller-Stahl), im wahrsten Sinne des Wortes, sein Glück im Spiel, immer auf der Jagd nach dem schnellen Geld. Denn Pagel will nach seinem eher unsteten Lebenswandel die Gelegenheitsprostituierte Petra Ledig (Annekathrin Bürger) ehelichen und endlich Stabilität in sein Leben bringen. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände werden die beiden jedoch für längere Zeit getrennt und Pagel findet sich auf dem Gut Neulohe wieder, wo er fortan als Verwalter für seinen ehemaligen Vorgesetzten, Rittmeister von Prackwitz (Wolfgang Langhoff) fungiert. Vor Ort stößt Pagel jedoch auf ein Geflecht aus persönlichen Fehden und politischen Intrigen, wodurch sich sein Dienst für ihn zur charakterlichen Nagelprobe entwickelt.
Meinung zum Film:
Die vorliegende DEFA-Produktion von 1964, die von ICESTORM Entertainment/Telepool im Rahmen des "DDR TV-Archiv" veröffentlicht wird, basiert auf dem gleichnamigen Roman des bekannten, deutschen Schriftstellers Hans Fallada aus dem Jahr 1937. Das zweibändige Werk besitzt einen Gesamtumfang von 736 Seiten. Die Verfilmung besteht aus vier Teilen mit differierender Länge und einer Gesamtlaufzeit von über sechs Stunden, genauer rund 404 Minuten, auf vier DVDs verteilt. Bereits im September 2009 veröffentlichte ICESTORM Entertainment die Verfilmung von Falladas wohl bekanntestem Werk, "Kleiner Mann - was nun?", aus dem Jahr 1967, bei dem ebenfalls Hans-Joachim Kasprzik ("Sachsens Glanz und Preußens Gloria") Regie führte. "Wolf unter Wölfen" war der erste ostdeutsche Fernsehfilm, der auch im Westfernsehen gezeigt wurde und zwar im März 1968. Trotz guter Kritiken und positiver Publikumsresonanz verschwand der Film jedoch für die nächsten Jahrzehnte, bis zur heutigen Veröffentlichung, in der Mottenkiste der öffentlich-rechtlichen Archivare. Dabei ist gerade der Hauptdarsteller der Verfilmung, Armin Mueller-Stahl ("Buddenbrooks"), längst auch im geeinten Deutschland einer der profiliertesten, einheimischen Charakterdarsteller.
"Wolf unter Wölfen" entspringt der Epoche der "Neuen Sachlichkeit", dementsprechend bedient sich auch der Film eines realitätsnahen, nüchternen und schonungslosen Ansatzes. Das Werk ist sowohl Gesellschaftsportrait, bzw. Sittengemälde, als auch subjektiv erfahrbare Charakterstudie einer Vielzahl gegensätzlicher Charaktere, die in sich auch zahlreiche Widersprüche vereinen. Es ist eine harte, gnadenlose Zeit und jedes Individuum versucht auf seine Art und Weise zu überleben. Egoismus ist Trumpf und wer zu schwach ist gerät unter die Räder. Der erzählerische Ansatz des Films ist ausladend, dialoglastig und nimmt sich viel Zeit für die vielschichtige Einführung der zahlreichen, für die Handlung bedeutsamen Charaktere. Das Erzähltempo ist dementsprechend eher geruhsam, die Geschichte jedoch keineswegs arm an Dramatik. Untermalt wird die Trostlosigkeit der allgemeinen Versorgungslage immer wieder durch einen sich einschaltenden, fatalistischen Erzähler, der nüchtern, aber bestimmt, die ins Wanken geratenen Strukturen der Weimarer Republik nachzeichnet. Die zahlreichen Nebenhandlungen sparen dabei nicht mit der schonungsloser Darstellung gesellschaftlicher und politischer Miss-Stände wie Gelegenheitsprostitution aus materieller Not, die Verführung Minderjähriger oder vaterlandsfeindlichen Putschbewegungen.
Wolfgang Pagel durchläuft dabei, eingebettet in die Rahmenhandlung der Beziehung zu Petra Ledig, eine charakterliche Wandlung. Um ihn herum entbrennt zunehmendes Chaos und der unbarmherzige Kampf jeder gegen jeden. Pagel selbst findet jedoch, umgeben von Intrigen und Verrat, langsam zu sich selbst, reift zur charakterlichen Lichtgestalt heran und findet schließlich auch sein Glück. "Wolf unter Wölfen" bleibt dabei inhaltlich und stilistisch sehr nah an seiner literarischen Vorlage und schafft es mit seiner atmosphärisch-dichten Inszenierung den Zuschauer eng an die Sichtweise seiner Protagonisten zu binden. Dementsprechend ausgewogen ist auch die Darstellung aller Charaktere, die weder eine simple Schwarz-Weiß-Zeichnung, noch die moralinsaure Herabwürdigung beinhaltet. Neben Armin Mueller-Stahl bestechen in weiteren Hauptrollen Darsteller wie Herbert Köfer, Wolfgang Langhoff, oder Herbert Körbs mit hochkarätigen Auftritten.
Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität der DVD ist, unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es sich hier um eine beinahe in Vergessenheit geratene, über 45 Jahre alte DEFA-Produktion handelt, insgesamt durchaus positiv zu bewerten. Das liegt vor allem an den guten Schärfewerten des Schwarz-Weiß-Bilds. Natürlich weist die Vorlage altersbedingte Spuren wie Verschmutzungen oder Laufstreifen auf und das vorhandene Bildrauschen ist nicht gerade als dezent zu bezeichnen, dafür können aber auch die ausgeglichenen Kontrastwerte überzeugen. Lediglich bei einigen Außenaufnahmen kommt es zu stärkeren Überstrahlungen. Die deutsche Tonspur klingt sehr klar und gut verständlich aus den Lautsprechern, Tonknackser sind hingegen eher die Ausnahme.
Die Verkaufsversion soll als 3er-Digi-Pak im Schuber ausgeliefert werden und auch ein 12-seitiges Booklet mit Hintergrundinformationen enthalten. Dieses Material lag allerdings zur Besprechung nicht vor. Auf der vierten DVD befindet sich außerdem noch das Feature Schauspielerin Annekathrin Bürger erinnert sich an "Wolf unter Wölfen" (10:57) aus dem Jahr 2010. Darin äußert sie sich relativ knapp u.a. zu ihrer eigenen Karriere, zu ihrer Rolle als Petra Ledig, zu dem Regisseur des Films und zu DEFA-Fernsehproduktionen allgemein.
Fazit:
"Wolf unter Wölfen" ist eine epische, dicht-inszenierte und dramaturgisch gut ausbalancierte Literaturverfilmung, die sich mit den individuellen und gesellschaftlichen Reaktionen auf das Krisenjahr 1923 auseinandersetzt und somit formal zugleich Gesellschaftsportrait und Charakterstudie in sich vereint. Die Charaktere des Films sind ebenso vielschichtig, wie die Nebenhandlungen zahlreich, erst dieses Mosaik ergibt jedoch letztendlich die inhaltliche Tiefe des Films sowie seine soziale Aussage- bzw. Sprengkraft, die in heutiger Zeit nichts an Aktualität verloren zu haben scheint. Auch technisch hinterlässt die DVD zu diesem seltenen Werk einen durchaus überzeugenden Eindruck.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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403:50 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine Untertitel vorhanden. |
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Bonusmaterial:
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- 12-seitiges Booklet
- Schauspielerin Annekathrin Bürger erinnert sich an "Wolf unter Wölfen"
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Wolf unter Wölfen
Wolf unter Wölfen
Hochwertige, vorlagengetreue Fallada-Verfilmung, die zu Unrecht beinahe in Vergessenheit geraten ist
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
DDR, 1964 Regie: Hans-Joachim Kasprzik Drehbuch: Klaus Jörn (basierend auf einem Roman von Hans Fallada) Darsteller: Armin Mueller-Stahl, Wolfgang Langhoff, Herbert Köfer, Annekathrin Bürger, Herbert Körbs, Inge Keller, Helga Labudda
Label :
Icestorm Entertainment
Verkaufsstart : 15.03.2010
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