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DVD-Besprechung - Red Riding Trilogy
Story:
"Red Riding: 1974" Der junge Kriminalreporter Eddie Dunford (Andrew Garfield) heftet sich im Jahr 1974 an die Fersen eines brutalen Serienkillers in West Yorkshire, der es auf junge Mädchen abgesehen hat. Leider tritt er im Rahmen seiner Ermittlungen der hiesigen Polizei gewaltig auf die Füße, was schwerwiegende Konsequenzen für ihn beinhaltet.
"Red Riding: 1980" Peter Hunter (Paddy Considine) wird im Jahr 1980 im direkten Auftrag des Innenministers von Manchester nach West Yorkshire versetzt um eine Untersuchungskommission zu leiten, die sich mit dem Fall des sogenannten "Yorkshire-Ripper", eines Prostituiertenmörders, beschäftigen soll. Bei der Durchsicht der Akten stößt er jedoch auf zahlreiche Unregelmäßigkeiten und schon bald bläst ihm als "Nestbeschmutzer" ein gehöriger Gegenwind der lokalen Polizeibehörden ins Gesicht.
"Red Riding 1983" John Piggott (Mark Addy) ist ein heruntergekommener Anwalt, der bei seiner Rückkehr nach West Yorkshire aufgrund seines alten Bekanntenkreises direkt in den Fall der verschwundenen Mädchen verwickelt wird, in dem bereits Eddie Dunford neun Jahre zuvor ermittelte. Der geständige Täter ist offensichtlich lediglich ein debiles Bauernopfer, das von der lokalen Polizei zu einem Geständnis gezwungen wurde. Piggott macht sich im Auftrag von dessen Mutter daran, den Fall neu aufzurollen.
Meinung zum Film:
Die "Red Riding Trilogy" beruht auf den gleichnamigen Romanen des mehrfach ausgezeichneten, britischen Kriminalschriftstellers David Peace, die im Jahr 2009 von dem englischen Sender "Channel 4" für das Fernsehen adaptiert wurden. In Buchform ist dieser Zyklus allerdings ein Quartett und enthält auch noch den Roman/das Jahr "1977". Die Romane sind zwar fiktiv, beziehen sich aber auf den realen Hintergrund des "Yorkshire Rippers", alias Peter William Sutcliffe. In Deutschland war "Red Riding: 1974" im Rahmen der "Fantasy-Filmfest-Nights 2010" auch im Kino zu sehen. Bei den Rahmenbedingungen der Verfilmungen wurde trotz der Fernsehherkunft keineswegs gespart. So konnten als Darsteller bekannte Namen wie Andrew Garfield ("Boy A"), David Morrissey ("Basic Instinct 2"), Sean Bean ("Ca$h") oder Jim Carter ("Der Goldene Kompass") gewonnen werden. Auch visuell muss sich die Reihe mit ihrer extrem düsteren Retro-Optik und einer unheilschwanger verdichteten Atmosphäre keineswegs hinter Kinofilmen verstecken, auch wenn auf wirkliche Actionszenen beinahe komplett verzichtet wurde. Interessant wird die Trilogie handlungstechnisch dadurch, dass alle drei Filme aufeinander aufbauen, wiederkehrende Charaktere beinhalten und sich erst mit dem Ende des dritten Teils alle Mosaiksteine endgültig an ihrem Platz befinden. Auf dem Papier liest sich das alles sehr vielversprechend, leider gab es bei der Umsetzung aber zahlreiche Schönheitsfehler, die vor allem Drehbuchautor Tony Grisoni ("Tideland") zu verantworten hat.
So muss man den Einstieg in die Reihe mit "Red Riding: 1974" leider schon als misslungen betrachten, da dieser Auftakt unentschlossen zwischen Kriminaldrama und Verschwörungsthriller hin- und herdriftet. Während die eigentlichen Mädchenmorde jedoch schnell zur Randerscheinung degradiert werden, nimmt der deutlich umfangreichere Verschwörungsteil über den korrupten Polizeiapparat bereits viele Details der folgenden Teile vorweg. Währenddessen wirkt Dunfords charakterliche Wandlung trotz darstellerischer Finesse eher aufgesetzt. Die nächste Schwäche zeigt sich beim Einstieg in den zweiten Teil, "Red Riding: 1980". Dem Zuschauer wird ein völlig neuer Hauptdarsteller präsentiert, wie auch im folgenden Teil, und die ebenfalls wechselnden Regisseure besitzen ebenfalls ihre ganz eigene Handschrift, was für den Zuschauer die Identifikation als übergreifende, fortlaufende Handlung ziemlich erschwert, zumal sich der zweite Teil deutlich stärker auf den zweiten Fall, den Yorkshire Ripper, verlagert. Diese sehr investigative Folge hat trotzdem eher den Charakter einer internen Aufarbeitung, weshalb der Verschwörungsteil weiter an Gewicht gewinnt. Das Erzähltempo ist dabei ähnlich gering wie im ersten Teil, wird aber durch zahlreiche Rückblenden noch stärker ausgebremst.
Aber auch der dritte Teil bringt keinen runden Abschluss der Trilogie. Zunächst bekommt der Zuschauer direkt zwei Hauptcharaktere vorgesetzt, einerseits den abgewrackten Anwalt Piggott, andererseits den bereits seit dem ersten Teil bekannten Ermittler Maurice Jobson, der nun plötzlich sein Gewissen entdeckt und die Seiten wechselt. Aber gerade die Bezugnahme auf die vorigen Teile misslingt fast vollkommen. Die Zahl der Rückblenden auf vorherige, dem Zuschauer bereits bekannte Sachverhalte ist immens, werden zusätzlich durch neue Rückblenden ergänzt, wobei diese häufig überhaupt nicht ohne weiteres zu identifizieren sind. Denn die wichtigsten Personen sind offensichtlich nicht gealtert und die Zeitsprünge von bis zu neun Jahren sind teilweise kaum wahrzunehmen und wirken dadurch recht verwirrend. Außerdem vermittelt der Abschluss der Reihe kaum wirklich umwerfende, neue Erkenntnisse. Lediglich der Fall der getöteten Mädchen wird auf sehr unbefriedigende und abgehackt wirkende Weise aufgelöst. Befremdlichend angesichts der Actionarmut der Trilogie sind die jeweiligen Abschlüsse der einzelnen Teile, die sich am ehesten als blutgetränkte Gewaltexzesse oder brutale Akte der Selbstjustiz beschreiben lassen.
Digitale Aufarbeitung:
Analog zum Inhalt der drei Filme, ist auch die Optik bewusst düster und etwas grobkörnig gehalten. Die Farbgebung wird ebenfalls bewusst zurückgenommen. Die Schärfe bewegt sich aber auf einem guten Niveau und auch der Kontrast wirkt trotz der zahlreichen Szenen in dunkler Umgebung gut ausgewogen. Auch bei den Tonspuren gibt es keine Aussetzer, alle überzeugen mit guter Verständlichkeit und atmosphärischer, akustischer Untermalung. Besondere Effekte sollten allerdings nicht erwartet werden, da auf Actionszenen weitgehend verzichtet wurde.
Im Bonusbereich finden sich zu allen drei Teilen der Trilogie Trailer sowie Geschnittene Szenen mit einer Gesamtlänge von knapp über 24 Minuten. Zu "Red Riding: 1974" gibt es ein knappes Interview mit Regisseur Julian Jarrold (11:25), das u.a. Informationen zum Drehbuch und den Drehorten enthält. "Red Riding: 1980" wird mit Hilfe eines Making Of (18:46) näher beleuchtet, das allerdings trotz der Äußerungen diverser Verantwortlicher nicht wirklich ergiebig ausgefallen ist. Noch deutlich knapper ist das weitgehend nichtssagende Feature "Hinter den Kulissen" (6:42) zu "Red Riding: 1983" ausgefallen. Das Bonusmaterial ist dafür lobenswerterweise komplett deutsch untertitelt.
Fazit:
Die "Red Riding Trilogy" besticht zunächst mit hochwertigen Produktionsbedingungen, sei es nun hinsichtlich der Darsteller oder bezüglich der visuellen Umsetzung der Romane, die sich vor einem Kinofilm nicht verstecken müssen. Allerdings können die drei Filme weder einzeln, noch als Trilogie gesehen inhaltlich wirklich überzeugen, da bei geringem Erzähltempo nebst Actionarmut und fehlender Einheitlichkeit lediglich eine eher simple Geschichte über Korruption und menschliche Abgründe vermittelt wird, der es an wirklich zündenden Ideen und sozialkritischer Sprengkraft mangelt. Diese Tatsachen kann leider auch die überzeugend eingefangene, extrem düstere Atmosphäre des moralischen Verfalls und der menschlicher Verrohung, nebst der von persönlichen Dämonen gequälten "Filmhelden", nicht mehr aufgefangen werden.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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295:16 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Interview mit Julian Jarrold
- Trailer zu allen Teilen der Trilogie
- Geschnittene Szenen zu allen Teilen der Trilogie
- Making Of "Red Riding 1980"
- Hinter den Kulissen von "Red Riding 1983"
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Red Riding: 1974 / Red Riding: 1980 / Red Riding: 1983
Red Riding: In the Year of Our Lord 1974 / Red Riding: In the Year of Our Lord 1980 / Red Riding: In the Year of Our Lord 1983
Extrem düstere, atmosphärisch dichte Kriminaldramareihe über Korruption und menschliche Abgründe, die inhaltlich jedoch leider abfällt
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien, 2009 Regie: Julian Jarrold, James Marsh, Anand Tucker Drehbuch: Toni Grisoni (basierend auf der Roman-Trilogie von David Peace) Darsteller: Andrew Garfield, David Morrissey, Sean Bean, Warren Clarke, Paddy Considine, Mark Addy, Shaun Dooley
Label :
Kinowelt Home Entertainment
Verkaufsstart : 15.04.2010
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