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Kino-Besprechung - Vorsicht Sehnsucht

Story:
Marguerite (Sabine Azéma) wird beim Einkauf die Handtasche gestohlen. Georges (André Dussolier) findet wenig später die Brieftasche, die der Dieb weggeworfen hatte. Bevor er sie bei der Polizei abgibt, blättert er sie durch und ist irgendwie von dieser Frau fasziniert. Er beginnt ihr zu schreiben und sie anzurufen. Sie fühlt sich davon bedrängt, aber gleichzeitig auch geschmeichelt. Immer stärker beginnen beide, aus den normalen Konventionen auszubrechen.

Meinung zum Film:
„Vorsicht Sehnsucht“ entstand nach dem Roman „L’Incident“ von Christian Gailly, wobei sich der Film gerade in den Dialogen eng an die Vorlage hält. Regie führte mit dem 88jährigen Alain Resnais („Letztes Jahr in Marienbad“) ein Altmeister des französischen Kinos, der jetzt schon seit über einem halben Jahrhundert Filme dreht. Auch für diesen Film hat er wieder ein bewährtes Team um sich versammelt.

Die weibliche Hauptrolle der Marguerite spielt Sabine Azéma („Das Geheimnis des gelben Zimmers“), die schon in mehr als einem halben Dutzend Filmen von Resnais mitgespielt hat und inzwischen auch privat mit ihm liiert ist. Ihre Marguerite hat etwas Flatterhaftes. Einerseits ist sie irritiert über Georges Aufdringlichkeit, gleichzeitig aber fühlt sie sich auch geschmeichelt. Von Anfang an erkennt man bei ihr eine Bereitschaft, auch einmal spontan zu handeln. André Dussolier („36 - Tödliche Rivalen“), der den Rentner Georges spielt, hat schon ähnlich oft mit Resnais zusammengearbeitet. Er vermag es wunderbar, seinem Charakter einen sinistren Unterton zu verleihen, aber gleichzeitig auch seinen Charme durchscheinen zu lassen. Eine weitere interessante Leistung liefert Anne Consigny („36 - Tödliche Rivalen“), die Suzanne, die Ehefrau von Georges, spielt.

Der Film ist unter anderem so interessant, weil er sich nicht an die üblichen Konventionen hält, teilweise sogar surreale Elemente beinhaltet. Das beginnt schon mit dem Sprecher, der aus dem Off einen Teil des Geschehens kommentiert. Zudem scheint es immer wieder abrupte Sprünge zu geben, die auch durch die Auswahl der Hintergrundmusik unterstrichen werden. Nicht alles wird eindeutig erklärt, vieles nur angedeutet. Das lässt vor allem Georges manchmal etwas bedrohlich wirken, etwa wenn er seine Gedanken über zwei junge Frauen in knappen Shorts äußert, die ihm gerade zuvor begegnet waren. Außerdem werden besonders zum Ende hin immer mehr symbolische Bilder eingesetzt.

Fazit:
„Vorsicht Sehnsucht“ ist eine teilweise surreale Beobachtung der Begegnung zweier Menschen. Dabei liegt ein sinistrer Unterton unter der Geschichte, der den Zuschauer nie ganz entspannen lässt. Durch die zunehmend überraschenden Aktionen der Beteiligten und ihre pointierten Dialoge hat der Film aber auch einige humorvolle Momente. Insgesamt ein Film, der mindestens genauso unkonventionell ist wie seine Protagonisten.

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Vorsicht Sehnsucht
Les Herbes Folles

Bild unseres Mitarbeiters Martin Asbach
Eine geheimnisvolle Beobachtung einer amour fou


Autor der Besprechung:
Martin Asbach

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich, 2009
Regie:
Alain Resnais
Drehbuch:
Alex Réval & Laurent Herbier
Darsteller:
Sabine Azéma, André Dussolier, Anne Consigny, Emmanuelle Devos, Mathieu Amalric, Michel Vuillermoz

Verleiher:
Schwarz-Weiss Filmverleih
Kinostart Deutschland :
08.04.2010