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Blu-ray-Besprechung - Serpico

Story:
Frank Serpico (Al Pacino) ist gerade frisch und voller Ideale von der Polizeiakademie in den aktiven Polizeidienst entlassen worden. Doch schon bei seiner ersten Schicht muss er feststellen, dass der komplette Polizeiapparat von Korruption zerfressen ist und Schmiergeld höchste Priorität bei den Beamten hat. Serpico will damit jedoch nichts zu tun haben und stößt mit seiner Ablehnung gegen Schmiergelder sehr schnell auf große Unliebe bei seinen Kollegen, die sich in immer weiter steigenden Hass entwickelt.

Meinung zum Film:
1972 wurde Al Pacino in der Rolle des Michael Corleone in „Der Pate“ weltberühmt. Ein Jahr später stand er unter der Regie von Sidney Lumet („Dog Day – Hundstage“) auf der anderen Seite des Gesetzes vor der Kamera. Der Film basiert auf der Bestseller-Biografie von Peter Maas („Die Valachi-Papiere“) und entstand nach einem Drehbuch von Waldo Salt („Midnight Cowboy“) und Norman Wexler („Saturday Night Fever“). Der reale Frank Serpico musste in den 60er-Jahren tatsächlich das Martyrium durchstehen, das Al Pacino anschließend im Film erlebte. Äußerlich ist hierin nur zu Beginn etwas von dessen elegantem Auftreten als Edel-Krimineller in „Der Pate“ zu erkennen. Mit fortlaufender Spielzeit werden Haare und Bart immer länger und bei einem flüchtigen Blick könnte man die Erscheinung gar mehr mit dem frühen Sylvester Stallone („Nachtfalken“) in Verbindung bringen, als mit Al Pacino.

Der Kern des Films handelt von der Ablehnung Serpicos von jedweder Art von Korruption. Während seine Kollegen um ihn herum sich munter bestechen lassen, ist es ihm selbst zuwider, täglich eine freie Mahlzeit im Austausch für die Erlaubnis im Parkverbot stehen zu dürfen anzunehmen. Er möchte aber auch nicht unbedingt gegen die Machenschaften vorgehen, obwohl ihn diese immer mehr anwidern. Vor allem da es ihm klar ist, dass er sich dafür gegen Kollegen wenden müsste, mit denen er täglich zusammen arbeitet und auf die er sich verlassen muss. Erst als der Dienst wegen immer stärker werdender Anfeindungen gegen ihn, immer mehr zum Spießrutenlauf ausartet, denkt er um und will gegen die Bestechlichkeit vorgehen. Doch hier rennt er dann vor die nächste Mauer, da die oberen Stellen entweder aus Angst oder Gleichgültigkeit ihm kaum Unterstützung anbieten. Es ist sicherlich kein Zufall, dass Serpico zu Beginn des Films über Don Quichotte philosophiert. Denn wie einst der Mann aus La Mancha, rennt auch er immer wieder gegen seine persönlichen Windmühlen an, holt sich dabei immer wieder eine blutige Nase, lässt sich aber dadurch nicht aufhalten, seinen eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen. Serpico ist von Beginn an ein Außenseiter, in einer rauen Männerwelt bei der Polizei. Er sieht immer mehr aus wie ein Hippie und beschäftigt sich mit kulturellen Dingen wie Ballett und Kunst. Ein Vorgesetzter beschuldigt ihn deswegen unter anderem, dass er schwul  sein muss.  

Sidney Lumet präsentiert das Szenario als fesselndes Cop-Drama mit eher leisen Tönen. Wer sich den Film in Hoffnung auf Action der Marke „Dirty Harry“ ansieht, wird sicherlich nicht nur enttäuscht, sondern obendrein auch ziemlich gelangweilt werden. Denn Action gibt es nur vereinzelt zu sehen. Im Film geht es um das Martyrium, das ein Mann zu erleiden hat, der lediglich seinen Job in anständiger Weise erledigen will, dabei aber immer mehr in eine Situation gedrängt wird, in der er sich wehren muss. Und diese Darstellung ist Lumet in vortrefflicher Weise gelungen und mit Al Pacino hat er auch einen Darsteller für die Titelrolle gefunden der es versteht, den Zuschauer über die gesamten 130 Minuten mitfiebern zu lassen.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist gemessen am Alter des Films und dem Alter des Materials sehr gut gelungen. Vor allem Verschmutzungen und analoge Defekte sind weit und breit nicht zu erkennen. Die Schärfe schwankt je nach Szene zwischen ordentlich und gut, die Detailvielfalt fällt durchweg durchschnittlich gut aus. Insgesamt kann man mit dem Transfer sehr zufrieden sein. Der deutsche Ton liegt im für den Film bekannten 2.0-Format vor und kommt mit den ebenfalls bekannten leichten Verzerrungen in hohen Tönen daher, ist aber durchweg gut verständlich.  

Als Extra gibt es zwei Beiträge. Im ersten wird rund eine halbe Stunde lag von verschiedenen Personen, unter anderem Jack J. Cambria, dem Commanding Officer des NYPD, über die Besonderheiten der Geschichte von Frank Serpico und der Bedeutung von Al Pacino als Darsteller der Titelfigur geredet. Anschließend darf Regisseur Sidney Lumet rund eine halbe Stunde darüber philosophieren, was New York so einzigartig als Filmkulisse für ihn machte. Angereichert werden seine Worte mit Szenen aus dem Film, die den Aussagen immer wieder ein wenig bildliche Aussagekraft verleihen.

Fazit:
„Serpico“ ist ein äußerst gelungenes Cop-Drama nach einer wahren Begebenheit, mit einem sehr gut aufgelegten Al Pacino in der Hauptrolle. Über 130 Minuten von einem Polizisten, der nur ordentlich seinen Job erledigen will, dabei aber immer weiter in den Kampf gegen Windmühle gedrängt wird. Erstklassig und ohne Längen erzählt, gehört der Film zu Recht zu den Klassikern der Cop-Dramen der 70er-Jahre.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,85:1
1,85:1
130:06 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
DTS-HD Master Audio 2.0
DTS-HD Master Audio 2.0
Englisch
DTS-HD Master Audio 2.0
DTS-HD Master Audio 2.0
Französisch
DTS-HD Master Audio 2.0
DTS-HD Master Audio 2.0
Spanisch
DTS-HD Master Audio 2.0
DTS-HD Master Audio 2.0
Untertitel:
Deutsch, Französisch, Spanisch
Bonusmaterial:
  • Auf der Suche nach Al Pacino
  • Sidney Lumet über New York: Eine Liebeserklärung
Serpico - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Serpico
Serpico

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Der Unbestechliche aus La Mancha im Kampf gegen die Windmühlen der Korruption


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA / Italien, 1973
Regie:
Sidney Lumet
Drehbuch:
Waldo Salt, Norman Wexler (basierend auf dem Roman von Peter Maas)
Darsteller:
Al Pacino, John Randolph, Allan Rich, Biff McGuire, Jack Kehoe, M. Emmet Walsh, John Medici, Cornelia Sharpe, Barbara Eda-Young, Edward Grover, Albert Henderson, Hank Garrett, Damien Leake, Gene Gross, James Tolkan, Ed Crowley, George Ede, Charles White, F. Murray Abraham

Label Deutschland :
Kinowelt Home Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
06.05.2010